Julian Reichelt
  • Bild-Chefredakteur Julian Reichelt: Nun wurde die Veröffentlichung eines Berichts über den wohl mächtigsten Journalisten des Landes verhindert.
  • Foto: picture alliance/dpa | Jörg Carstensen

Verleger stoppt neue „MeToo“-Enthüllungen um Bild-Chef Reichelt

Aufruhr in der Medienbranche: Dirk Ippen, einer der mächtigsten Verleger des Landes, hat kritische „MeToo“-Berichterstattung über „Bild“-Chefredakteuer Julian Reichelt verhindert. Diesen Vorwurf erheben Reporter des Ippen-Verlags (u.a. „Münchner Merkur“, „TZ“, „Frankfurter Rundschau“) selbst.

Gegen Reichelt war bereits im Frühjahr intern wegen Machtmissbrauchs gegenüber Frauen ermittelt worden. Der wohl mächtigste Journalist Deutschlands nahm eine Auszeit, kehrt aber nach einer Untersuchung wieder in sein Amt zurück. Das Investigativ-Team des Ippen-Verlags hatte aber weiter recherchiert. Am Sonntag sollte es zu einer Veröffentlichung der Ergebnisse kommen. Doch dies wurde durch den Verleger verhindert, heißt es in einem Bericht der „New York Times“ (NYT).

Dirk Ippen
Verleger Dirk Ippen hat eine Berichterstattung über Julian Reichelt unterbunden. Über die Motive gibt es unterschiedliche Darstellungen.

Protestschreiben des Investigativ-Teams öffentlich

In einem inzwischen öffentlich gewordenen Protestschreiben der Redaktion steht, der Verleger habe nach „intensiver und harter Diskussion“ eine Veröffentlichung der Recherchen unterbunden, obwohl es keine redaktionellen oder juristischen Bedenken gab. Verantwortliche des Axel-Springer-Verlags sollen bei Ippen zuvor interveniert haben.

Letztes bestritt ein Sprecher des Ippen-Verlags. Gegenüber der „NYT“ erklärte er, der Verlag habe den Anschein vermeiden wollen, die Veröffentlichung mit dem wirtschaftlichen Interesse zu verbinden, dem Konkurrenten zu schaden.

Am Montag äußerte sich der Verlag dann erneut: „Als Mediengruppe, die im direkten Wettbewerb mit ,Bild‘ steht, müssen wir sehr genau darauf achten, dass nicht der Eindruck entsteht, wir wollten einem Wettbewerber wirtschaftlich schaden.“ Daher sei die Entscheidung gefallen, „jeden Eindruck zu vermeiden, wir könnten Teil eines Versuchs sein, einen solchen wirtschaftlichen Schaden anzurichten“, hieß es. Das Thema „einer Erstveröffentlichung dieser Recherchen“ sei damit „vom Tisch“ gewesen. Werden die Erkenntnisse also möglicherweise zu einem späteren Zeitpunkt veröffentlicht? Dazu äußerte sich der Verlag nicht.

NYT: „Vermischung von Sex, Journalismus und Firmengeld“

Die US-Zeitung berichtet ihrerseits über ein fragwürdiges Arbeitsklima im Springer-Verlag. Die Arbeitsplatzkultur vermische „Sex, Journalismus und Firmengeld“. Exemplarisch wird der Fall einer anonymen „Bild“-Redakteurin geschildert, die nach eigenen Angaben infolge einer Affäre mit Chefredakteur Reichelt befördert worden sei. Auch von verdeckten Zahlungen an Mitarbeiterinnen ist die Rede. Ein Springer-Sprecher erklärte, die Schilderungen der Frau enthielten „einige ungenaue Fakten“.

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Springer-Geschäftsführer Matthias Döpfner scheint eine ganze eigene Sicht auf die Causa Reichelt zu haben. Die NYT zitiert eine Nachricht Döpfners an einen Freund: Man müsse „besonders vorsichtig sein“, weil Reichelt „wirklich der letzte und einzige Journalist in Deutschland“ sei, „der noch mutig gegen den neuen DDR-Autoritätsstaat rebelliert“. Er habe mächtige Feinde.

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