Eine Anzeigetafel einer Tankstelle an der Autobahn A7 im Landkreis Hildesheim zeigt einen Preis von 2,069 Euro für einen Liter Super E10 und einen Preis von 2,129 Euro für einen Liter Super an.
  • Superbenzin der Sorte E10 ist in Deutschland so teuer wie nie. Im bundesweiten Tagesdurchschnitt des Dienstags kostete ein Liter 1,712 Euro und übertraf damit den bisherigen Rekordwert von 1,709 Euro aus dem Jahr 2012. An der A7 im Kreis Hildesheim kostete ein Liter am Mittwoch sogar 2,069 Euro.
  • Foto: picture alliance/dpa/Julian Stratenschulte

Benzin-Preise auf Allzeit-Rekordhoch

Inflation, Mietpreise, Gas, Strom und Heizen – die Horror-Meldungen über Allzeit-Rekorde reißen nicht ab. Nun ein neuer Höchststand beim Benzin: Super E10 kostet so viel wie niemals zuvor, ebenso der Diesel. Die Politik versucht entgegenzuwirken, gerade für ärmere Haushalte. Angesichts der Realitäten wirkt das aber großteils eher wie Kosmetik.

Benzinpreise: 1,712 Euro für den Liter E10-Benzin. Mit dieser Nachricht schockte gestern der ADAC. Damit fällt der Rekord vom 13. September 2012, als der Betrag im bundesweiten Tagesschnitt bei 1,709 lag. Diesel kostete 1,640 Euro – auch das ein Allzeithoch. Im Jahr 2020 gab es dank Corona noch Tiefstände.

Hauptpreistreiber ist der Ölpreis, zuletzt hatte der die Marke von 90 Dollar pro Barrel (159 Liter) überschritten. Mitverantwortlich: Der Ukraine-Konflikt, schließlich ist Russland ein wichtiger Erdöllieferant. Hinzu kommen Faktoren wie der erneut erhöhte CO2-Preis, sowie andere Steuern und Abgaben. Wobei laut ADAC die CO2-Erhöhung nur etwa 1,5 Cent ausmache.

Auch Gas und Strom auf Allzeit-Hoch

Gas und Strom: Das Problem ist, dass hohe Preise vor allem ärmere Haushalte treffen. Auch bei Gas und Strom kennt die Kurve nur eine Richtung, nämlich nach oben. Und wenn mit dieser Entwicklung Löhne, Gehälter und Sozialhilfen nicht mitkommen, dann trifft das die immer Ärmeren. So auch bei Gas und Strom. Mit durchschnittlich 14,9 Cent pro Kilowattstunde Gas und 31,89 Cent für Strom gibt es auch hier Höchststände.


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„Zu einer ernsthaften Belastung“ seien diese für viele Haushalte geworden, so Verdi-Chef Frank Werneke: „Für manche Betroffenen lautet die Frage sogar: Essen oder Heizen? Das darf nicht sein“, sagt der Gewerkschafter.

Bund will einmalig 135 Euro für Wohngeldbeziehende

Heizkostenzuschuss: Als Sofortmaßnahme will die Bundesregierung beim Thema Heizen helfen. Allein lebende Wohngeld-Beziehende sollen laut einem Gesetzentwurf von Bauministerin Klara Geywitz (SPD) einen einmaligen Zuschuss von 135 Euro bekommen, vermutlich im Sommer. Zwei-Personen-Haushalte, die Wohngeld beziehen, bekämen demnach einmalig 175 Euro. Studierende und Azubis 115 Euro.

Aber ob das als Kompensation für die binnen eines Jahres um rund 40 Prozent gestiegenen Preise reicht? Die Verbraucherzentrale bezweifelt das, fordert mindestens 500 Euro Zuschuss pro Haushalt. Der Sozialverband VdK fordert, die Energiekosten dauerhaft in das Wohngeld einzurechnen.

Ampel-Dissens bei der EEG-Umlage

EEG-Umlage: Haushalten, die kein Wohngeld beziehen, wäre damit aber noch nicht geholfen. Auch Finanzminister Christian Lindner hat den Ernst der Lage erkannt und will nach eigenen Aussagen gegensteuern. Dies würde das FDP-Kernthema Entlastung der Bürger:innen gut voranbringen. So hat Lindner nun unter anderem vorgeschlagen, die EEG-Umlage früher als geplant schon im Sommer zu streichen.

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Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) stimmte zu. Doch nun regt sich Widerstand in seiner Partei. Die Umlage zur Förderung von Ökostrom ist dort ein Kernanliegen. Energiepolitische Sprecherin Ingrid Nestle sagt: „Ich würde gerne gezielter helfen, denn es kostet fünf Milliarden Euro, die Umlage um einen Cent abzusenken – mit der Hälfte des Geldes könnte all denen geholfen werden, die akute Probleme haben.“

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