Caroline Bosbach und ihr Vater, CDU-Mann Wolfgang Bosbach, mögen es heimatlich.
  • Caroline Bosbach und ihr Vater, CDU-Mann Wolfgang Bosbach, mögen es heimatlich.
  • Foto: imago/Future Image

„TheRepublic“: Möchtegern-Fox-News der Jung-Konservativen

Jung, aggressiv, konservativ – so präsentiert sich die neue Kampagnen-Agentur „TheRepublic“. Ihr Ziel: Den angeblichen „Linksdrift in Deutschland“ stoppen. In einem Video werden Gewalttaten in direkten Zusammenhang mit Politikern der Grünen, SPD und Linken gesetzt. Ist das die Oppositionsstimme der abgewählten Konservativen?

Seit sechzehn Jahren sind CDU/CSU an der Macht, dann kommt die Klatsche am Wahlabend. Es folgen Ampel-Sondierungen – die Volkspartei muss nun in eine neue Rolle finden: Opposition. Immer wieder ist in der Union daher derzeit von Neuanfang und Neuaufstellung die Rede. Die Kampagnen-Agentur „TheRepublic“ will Konservativen nun eine Stimme geben – doch die ist mehr krawallig als bürgerlich.

„TheRepublic“ beklagt Linksrutsch

Ähnlich wie manche Unions-Politiker beklagt „TheRepublic“ einen angeblichen Linksrutsch. „Cancel Culture“, linke Identitätspolitik und die Macht von „Fridays for Future“ würden das gesellschaftliche Klima in Deutschland bestimmen und die Meinungsfreiheit einschränken, behauptet der Geschäftsführer der Agentur, Armin Petschner-Multari, im Gespräch mit der MOPO. Mit Blick auf eine Allensbach-Studie vom Juni ergänzt er: „Der Wert der Bürger, die sich trauen, ihre Meinung zu sagen, ist der niedrigste seit dem 2. Weltkrieg“.

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Er will konservative Ansichten wieder populär machen – sie sollen „jung, dynamisch, frisch“ daherkommen. Das sei nötig, da die Regierung unter Merkel nicht „primär konservativ“ sei, sagt Petschner-Multari. „TheRepublic“ versteht sich als „außerparlamentarische Stimme“ von CDU/CSU. Zu den Mitstreitern gehört Caroline Bosbach, Tochter von Ex-Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach. Auch Friedrich Merz (CDU) soll die Organisation unterstützen. Andere Unionspolitiker haben das abgestritten – darunter Hamburgs CDU-Chef Christoph Ploß.

Video verbindet Gewalttaten mit Grünen- und SPD-Politikern

Handelt es sich bei „TheRepublic“ nur um einen konservativen Beitrag zur Debatte? Der Blick auf die Webseite vermittelt einen anderen Eindruck: „Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk endlich reformieren“, fordert da ein Banner. Darauf zu sehen: Journalisten, denen man einen schwarzen Balken über die Augen gelegt hat – wie Straftätern.

In einem Propaganda-artigen Werbeclip werden zudem Nachrichtenschnipsel von ARD und ZDF so zusammengeschnitten, dass das Ganze suggeriert,Politiker wie Annalena Baerbock (Grüne) oder Kevin Kühnert (SPD) würden linksextreme Ausschreitungen und Gewalttaten befürworten  und unterstützen – genau wie die Übergriffe auf Frauen in der Kölner Silvesternacht.

Tatsächlich ist das bislang das Haupt-Betätigungsfeld von „TheRepublic“: Mit Artikeln und Videos zu Kampagnen aufrufen. Auf Twitter fühlten sich einige sofort an den konservativen US-Sender Fox News erinnert, der mit ähnlichen Videos und völlig unkritischer Berichtererstattung über Ex-US-Präsident Donald Trump für Irritationen sorgte. Petschner-Multari sieht in seinem Video aber weder Hetze noch ein Problem:  „Jede Greenpeace-Aktion ist härter“.

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