Oscar Pistorius bei Olympia
  • 3.8.2012: Oscar Pistorius startet bei der ersten Runde des 400-Meter-Laufs der Männer bei den Olympischen Spielen 2012.
  • Foto: picture alliance/dpa

Zehn Jahre nach Olympia: Oscar Pistorius betet – und hofft auf Bewährung

Vor zehn Jahren erreichte Oscar Pistorius sein Ziel: Als erster beinamputierter Sportler durfte der Südafrikaner an Olympia 2012 in London teilnehmen. Was für ein Triumph – der 25 Jahre junge „Blade Runner“, der mit Carbon-Prothesen bis ins 400-Meter-Halbfinale sprintete, wurde weltweit gefeiert. Wenige Monate später wurde der Held zur Hassfigur: Pistorius erschoss seine Verlobte Reeva Steenkamp. Er sitzt im Gefängnis. Und die Eltern seines Opfers leiden bis heute.

Am 4. August 2012 erreichte Pistorius mit seinen Hightech-Carbon-Prothesen im 400-Meter-Einzel das Halbfinale, lief stolz mit der südafrikanischen Flagge durch das Stadion. Bei den Paralympics hatte er da schon insgesamt sechs Goldmedaillen gewonnen. Ein Held, der es trotz widriger Umstände ganz weit geschafft hatte: Pistorius waren als Kind wegen eines Gen-Defekts beide Beine unterhalb der Knie amputiert worden.

Nur wenige Monate später wurde aus dem Helden ein Totschläger: In der Nacht des Valentinstags 2013 tötete Pistorius seine damals 29-jährige Verlobte in seiner Villa in Pretoria. Er wurde Stunden später verhaftet, kurz darauf begann ein spektakulärer Prozess.

Oscar Pistorius vor Gericht
Oscar Pistorius 2016 bei einer Berufungsverhandlung in Pretoria.

Die Welt lernt einen traumatisierten Mann in Tränen kennen, so sehr in Schock, dass er sich übergibt. Doch die Fakten sind erschütternd: Steenkamp war viermal durch die Tür einer kleinen Toilette erschossen worden. Pistorius sagte aus, er habe gefeuert, weil er hinter der Tür einen Einbrecher befürchtet habe. Doch die Beweislage sprach gegen ihn, schließlich wurde er zu mehr als 13 Jahren Haft verurteilt.

Oscar Pistorius sitzt seit neun Jahren hinter Gittern

Nun sitzt der heute 35-Jährige schon seit neun Jahren hinter Gittern. Ein Jahr nach seiner Verurteilung plädierte ein Gutachter für mildernde Umstände. Pistorius sei depressiv, paranoid und leide an einem post-traumatischen Stresssyndrom. Das Gericht blieb hart.

Vor vier Jahren erzählte Vater Henke Pistorius der „Times“, sein Sohn habe im Atteridgeville-Gefängnis bei Pretoria einen neuen Sinn im Leben gefunden: Er leite eine Gebetsgruppe, habe einen „positiven spirituellen Einfluss auf seine Mitinsassen“. Auch einen eigenen Gemüsegarten pflegt Oscar Pistorius im Gefängnis.

Barry Steenkamp
Barry Steenkamp, der Vater der von Pistorius getöteten Reeva, bei einer Berufungsverhandlung 2016 in Pretoria.

Heute ist seine größte Hoffnung eine Bewährung: Im Juni leitete das südafrikanische Justizministerium einen Opfer-Täter-Dialog mit den Steenkamps ein, eine der Auflagen für ein Bewährungsersuchen. Die hätten sich nur widerwillig zu dem Treffen bereiterklärt, sie „fühlen den Schmerz noch immer täglich“, so deren Anwältin.

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June Steenkamp sagte, sie habe Pistorius aufgrund ihres christlichen Glaubens vergeben, doch wirklich verzeihen kann sie ihm wohl nicht. Eine Entschuldigung reiche nicht aus, fügte die Mutter hinzu. Sie wolle die Wahrheit wissen – sie und ihr Mann glauben seine Tatversion bis heute nicht. Am 22. Juni war es soweit: Pistorius traf erstmals seit seiner Verurteilung auf Barry Steenkamp. Doch was hinter verschlossenen Türen besprochen wurde, blieb geheim. Kommt die volle Wahrheit jemals ans Licht? (dpa/miri)

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