Beerdigung Goma
  • Angehörige und Freunde bestatten Corona-Todesopfer in Goma in der DR Kongo.
  • Foto: imago images

Warum in Afrika kaum einer geimpft ist und das auch für uns zum Problem werden könnte

In Deutschland zögern immer noch viele, sich gegen Corona impfen zu lassen, doch das ist kein Vergleich zur großen Impfskepsis in Afrika: Rund 20 Prozent der Menschen dort wollen die Spritze verweigern. Das könnte schwerwiegende Folgen haben – auch für den Rest der Welt.

Die 40-jährige Cherry Muhima Noira ist sich sicher: Gegen Corona wird sie sich nicht impfen lassen. „Die Pharmakonzerne sind für ihre leeren Versprechen bekannt. Selbst Geimpfte können Corona bekommen. Was nützt das also?“ sagt die Künstlerin, die in der Demokratischen Republik (DR) Kongo lebt. So wie Noira denken viele der knapp 90 Millionen Kongolesen.

Auch hierzulande hat der Impf-Andrang nachgelassen

Auch in Deutschland hat der Andrang nachgelassen, doch insgesamt ist die Impfbereitschaft groß: Bereits im Mai gaben drei Viertel der Befragten einer ARD-Umfrage an, zu einer Impfung „auf jeden Fall bereit“ oder „bereits geimpft“ zu sein. Doch der Erfolg eines einzelnen Landes zählt in einer Pandemie nur teilweise. Man müsse weltweit eine ausreichende Durchimpfung erreichen, um Corona zu beenden, sagen Gesundheitsexperten.

Die Impfskepsis auf einem Kontinent wie Afrika mit rund 1,3 Milliarden Menschen könnte daher weltweit schlimme Folgen haben, warnt Dr. Gilson Paluku von der WHO: Solange die Quote nicht steige, werde sich das Virus weiter ausbreiten und zu vielen neuen Varianten mutieren. „Das Risiko besteht, dass die auf dem Markt befindlichen Impfstoffe nicht gegen die neuen Varianten wirken. Das könnte alle Fortschritte beeinträchtigen, die wir bereits weltweit erzielt haben“, so Paluku.

Im Kongo sind erst 0,1 Prozent durchgeimpft

In Deutschland sind mehr als 54 Prozent der Bevölkerung vollständig gepikst. Im Kongo, wo laut einer Studie satte 38 Prozent der Bevölkerung die Impfung verweigern, sind es weniger als 0,1 Prozent. In Nigeria, dem bevölkerungsreichsten Land Afrikas mit mehr als 200 Millionen Einwohnern, bezeugen 23 Prozent der Menschen Impfskepsis, darunter die 26-jährige Maureen Nneke. Sie hat Angst, der Wirkstoff könne unfruchtbar machen. Sie habe außerdem gehört, die Impfung wirke wie ein Peilsender, mit dem man Menschen verfolgen könne: „Ich will kein Versuchskaninchen sein“.

„Es zirkulieren so viel Fehlinformationen, die Panik auslösen. Wir wissen gar nicht, wie wir dagegen ankämpfen sollen“, erklärt Dr. Reuben Ndiaya, der Vorsitzende eines Ärzteverbandes in Nigeria. Die Fake News sind mit Schuld an dem Dilemma: Bei einer Umfrage der Gesundheitsorganisation der Afrikanischen Union (Africa CDC) in 15 afrikanischen Ländern im Februar sagten 20 Prozent der Befragten, sie werden die Spritze verweigern. Im Niger und in Senegal etwa glaubt demnach mindestens die Hälfte der Bevölkerung, dass die Gefahr durch Corona als übertrieben dargestellt wird.

300.000 unverbrauchte Dosen – weggeschmissen

Tatsächlich mussten viele afrikanischen Länder lange warten, bevor sie überhaupt Impfstoff geliefert bekamen. Aber: Als genug da war, musste er teils vernichtet werden, weil es kaum Impfwillige gab. Der Kongo schmiss mehr als 300.000 Dosen weg, nachdem das Haltbarkeitsdatum überschritten war. Auch Malawi musste 20.000 Dosen zerstören, der Südsudan 59.000.

Dabei wäre eine hohe Impfquote besonders in Afrika wichtig, wo die Todesrate bei 2,6 Prozent liegt – verglichen mit 2,2 Prozent weltweit – und wo vielerorts Betten auf Intensivstationen und Sauerstoffgeräte fehlen. Insgesamt wurden in Afrika bislang schon mehr als 6,8 Millionen Infektionen dokumentiert.

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Das Wettrennen, eine Durchimpfung von mindestens 60 Prozent bis Anfang 2022 zu erzielen, müsse gewonnen werden, sagt Africa CDC Direktor John Nkengasong. Denn: „Schnelles Impfen ist der einzige Weg, die Pandemie zu stoppen – für alle.“ (dpa)

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