Sexarbeit Symbolbild
  • In Großbritannien leben schätzungsweise 70.000 Studierende von Sexarbeit. (Symbolbild)
  • Foto: imago images/sumners

Uni gibt Sexarbeit-Tipps: Britische Regierung wittert Skandal

Teure Hochschulgebühren, hohe Lebenshaltungskosten: ein Studium in Großbritannien ist nicht billig. Für manche Studierende ist Sexarbeit der einzige Ausweg aus der finanziellen Misere – vor allem in der Pandemie.

Lucy, die eigentlich anders heißt, hat ihren Nebenjob in einer Bar verloren. Da sie keine neue Stelle fand, verdient sie jetzt mit Sexarbeit ihren Lebensunterhalt. „Mir hat Sex immer Spaß gemacht, und es gab einfach keine andere Möglichkeit, die sich an meinen Uni-Zeitplan anpassen ließ“, sagte sie dem Uni-Portal The Tab. Zuerst bot Lucy Bilder über das Erotikportal OnlyFans an, das gerade in der Corona-Krise einen Boom erlebt: Die Userzahlen haben sich seit Beginn der Pandemie vervierfacht.  

Rund zwei Drittel der Studierenden gehen im Vereinigten Königreich einem Nebenjob nach – ohne könnten viele ein Studium nicht finanzieren. Einheimische zahlen bis zu 9250 Pfund (11.000 Euro) Studiengebühren im Jahr, für Ausländer ist es mehr als doppelt so teuer. Lucy ist dabei nur eine von Tausenden, die sich für Sexarbeit entschieden haben: Die Studierendenvertretung der Universität Kingston schätzt die Zahl der studentischen Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter im Land auf bis zu 70.000 – die meisten davon sind Frauen.

Uni in England gibt Tipps zu Sexarbeit – Regierung empört

Obwohl die Zahl so hoch ist, war studentische Sexarbeit in der Öffentlichkeit kaum ein Thema. Bis jetzt – denn die Universität Durham hat zuletzt eine Menge Aufmerksamkeit auf sich gezogen: Die Studierendenvertretung bot dort ein Online-Training mit Tipps für Sexarbeit an.


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Die britische Regierung wittert nun einen Skandal: Hochschul-Staatssekretärin Michelle Donelan zeigte sich empört. Die Universitäten würden eine „gefährliche Branche“ legitimieren, sagte sie. „Dieser Kurs will den Verkauf von Sex, der keinen Platz an unseren Universitäten hat, normalisieren.“

Die Studierendenvertretung findet die Reaktion wenig konstruktiv. „Studentische Sexarbeiterinnen sind eine Tatsache des modernen Lebens“, betonte Jonah Graham von der Durham Students Union. Immer wieder sei von Studierenden zu hören, die nach ihrem Abschluss den Ausstieg aus der Sexarbeit nicht schaffen oder an posttraumatischer Belastungsstörung leiden.

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Wichtig bleibt am Ende die Aufklärung. „Es ist wichtig, dass alle Universitäten eine Richtlinie zur Sexarbeit haben, um zu verhindern, dass Studierende Diskriminierung oder Vorurteile erfahren“, sagte Jessica Hyer Griffin, Gründerin des Hilfswerks Support for Student Sex Workers. Die Universitäten müssten zudem mehr Beschäftigte schulen: Es sei Aufgabe der Hochschulen Studierende zu schützen – denn studentische Sexarbeit würde nicht einfach so verschwinden. (mhö/dpa)

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