Das Satellitenbild zeigt das im Suezkanal querliegende Frachtschiff Ever Given.
  • Das Satellitenbild zeigt das im Suezkanal querliegende Frachtschiff Ever Given.
  • Foto: Planet Labs Inc./Planet Labs Inc

Suezkanal verstopft: Was für Folgen hat die Blockade durch den Problem-Pott?

Es wird gebaggert und gezogen: Aber die „Ever Given“ steckt im Suezkanal fest. Und verstopft damit eine der wichtigsten Handelsrouten der Welt. Es könnte noch Wochen dauern, bis der querliegende Containerriese geborgen ist. Mit massiven Folgen.

Bereits seit Dienstag blockiert die 400 Meter lange „Ever Given“ den Suezkanal. Das unter der Flagge Panamas fahrende Containerschiff war von China auf dem Weg nach Rotterdam in den Niederlanden und sollte danach Anfang April auch Hamburg anlaufen. Wegen eines Sandsturms lief der Frachter auf Grund.

Stau: 200 Schiffe hängen bereits fest

Knapp 200 Schiffe stehen bereits im Stau und warten darauf, dass der Frachter beiseite geschafft wird. Nach Angaben des japanischen Unternehmenssprechers versuchen bislang zehn Schlepper, den Frachter wieder flott zu bekommen. Bisher allerdings erfolglos. Nach Angaben der Suezkanal-Behörde ist derzeit ein Baggerschiff dabei, 15.000 bis 20.000 Kubikmeter Sand abzusaugen, um den Frachter freizulegen. Die ägyptische Behörde wird dabei von einem Unternehmen aus den Niederlanden unterstützt und will eigenen Angaben zufolge auch mit den USA zusammenarbeiten. Auch Länder wie die Türkei und Großbritannien hatten Unterstützung angeboten.

Bergung in kurzer Zeit unmöglich

Der japanische Eigentümer hofft, den Frachter an diesem Wochenende freizubekommen. Wie ein Sprecher des Unternehmens Shoei Kisen am Freitag auf dpa-Anfrage mitteilte, wolle man versuchen, das Container-Frachtschiff an diesem Samstag flott zu bekommen. Wohl eher Wunschdenken.

Nach Einschätzung des niederländischen Bergungsunternehmens Boskalis, das Ägypten unterstützt, ist ein Erfolg in kurzer Zeit nicht möglich. Neben den Baggerarbeiten soll Brandstoff abgepumpt und damit das Gewicht des Schiffes verringert werden, wie ein Sprecher des Unternehmens der niederländischen Agentur ANP sagte. Demnach spiele beim Baggern auch die Art des Bodens eine Rolle.

Bergung könnte eine Woche oder länger dauern

„Bei lehmartigem Boden kann man graben, so viel man will, aber der Boden daneben bleibt stehen.“ Sand könne dagegen weggespült werden. Sollte dies nicht klappen, sei geplant, am Sonntag zwei weitere Schlepper einzusetzen. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg dürfte die Bergung eine Woche oder länger dauern.

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Bereits jetzt sind die Ankerplätze rund um die Stadt Suez überfüllt. Um dem Schiffstau zu entgehen, werden die Frachter über das Kap der guten Hoffnung umgeleitet. Doch die Angst vor Piraterie schwingt mit. Der Verband Deutscher Reeder (VDR) hält die Sorgen für übertrieben. Die Umleitung um das Kap der guten Hoffnung würde Schiffe eher nicht in Risikogebiete führen, sagte Verbandssprecher Christian Denso der Deutschen Presse-Agentur.

Nach unbestätigten Medienberichten sollen sich Schifffahrtsunternehmen aus mehreren Ländern wegen einer potenziell erhöhten Pirateriegefahr für umgeleitete Schiffe an die US-Marine gewandt haben.

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Die Kurslinie der „Ever Given“ vor dem Einlaufen in den Suezkanal.

Foto:

VesselFinder/YouTube/Screenshot

Der blockierte Suezkanal wird zum Risiko für die globalen Lieferketten – und schürt zunehmend die Sorge vor Engpässen. Deutschlands Maschinenbauer spüren Engpässe vor allem bei Lieferungen von elektronischen Bauteilen wie Halbleitern aus Asien – bereits ohne Stau im Suezkanal, wie der Branchenverband VDMA mitteilte. Die Blockade könne die Situation weiter verschärfen. Mit Auswirkungen rechnet VDMA-Chefvolkswirt Ralph Wiechers aber erst in einigen Tagen.

Lieferketten drohen zum Erliegen zu kommen

Die deutsche Industrie fürchtet Versorgungsengpässe. „Bereits stockende maritime Lieferketten zwischen Asien und Europa drohen vollständig zum Erliegen zu kommen“, teilte der Vize-Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, Holger Lösch, mit. Eine Umleitung der Schiffe um Afrika herum dauere eine Woche länger und sei extrem teuer.

Tanken und Heizöl-Kauf nicht teurer

Tanken und Heizöl-Kauf werden durch den Stau der Schiffe am Suezkanal nach Angaben der Mineralölwirtschaft nicht teurer. „Der Ölpreis hatte nur bei Bekanntwerden der Havarie kurz angezogen, um dann wieder zu sinken“, hieß es vom Mineralölwirtschaftsverband (MWV). Öllieferungen aus dem Nahen Osten machten mit zuletzt sechs Prozent den kleinsten Teil der Versorgung in Deutschland aus. „Mit Versorgungsknappheit in Europa ist daher nicht zu rechnen.“

Zuletzt hatte der Frachter Schlagzeilen mit einem Video gemacht, das zeigt, was vor dem Einlaufen in den Suezkanal passierte. Zu sehen ist nämlich der vom elektronischen Tracker aufgezeichnete Kurs des Schiffs, als der Kapitän auf das Signal zum Einlaufen in den Suezkanal wartete.

Aus der Zeitraffer-Animation ergibt sich ein eindeutiges Bild: Als wäre die „Ever Given“ ein riesiges Zeichenstift malte der Kapitän des Container-Riesen einen Penis ins Meer!

(wb/dpa)

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