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Gil Ofarim
  • Der Musiker Gil Ofarim (39).
  • Foto: picture alliance/dpa

Nach Ofarim-Anklage: Ministerpräsident Kretschmer löst mit Tweets Shitstorm aus

Nachdem die Staatsanwaltschaft Anklage gegen Sänger Gil Ofarim wegen Verleumdung erhoben hat (MOPO berichtete), ist der abgetaucht. Dafür sprechen andere: Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) verfasste mehrere Tweets zu dem Fall – für die er heftig kritisiert wurde.

Keine Stellungnahme, kein Post in den sozialen Medien: Von Ofarim und seinem Management kam bisher keine Regung zu der am Donnerstag verkündeten Anklageerhebung der Staatsanwaltschaft Leipzig. Und: Der einstige Teenieschwarm hat seinen Instagram-Account deaktiviert.

Aber: Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer twitterte dafür drauflos – und sich gleichzeitig um Kopf und Kragen. So hieß es auf Kretschmers Account, es sei „das Schlimmste, jemanden als Antisemit zu bezeichnen. Dies für Falschaussagen und Verleumdung zu missbrauchen ist schockierend und zutiefst verachtenswert.“ So weit, so gut. Für Kritik sorgte jedoch die Formulierung, dass das „Vertrauen zwischen Deutschen und Juden nicht selbstverständlich“ sei, sondern ein „hohes und wertvolles Gut“.

Gil Ofarim wegen Verleumdung angeklagt

Deutsche und Juden differenzieren? Kein Wunder, dass diese Formulierung für Irritation sorgte. Kretschmer versuchte daraufhin, sich zu erklären: „Zur Klarstellung: Deutschland steht zurecht in einer besonderen historischen Verantwortung gegenüber dem jüdischen Volk. Heute gibt es zum Glück wieder ein vielfältiges jüdisches Leben in Deutschland und eine große Zahl deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens.“

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„Das ist jetzt nicht wahr, oder?“, hieß es in einem der zahlreichen Kommentare unter Kretschmers Post. Und weiter: „Zwischen Deutschen und Juden? Was noch? Zwischen Deutschen und Frauen? Das, mein Freund, ist gelebte intellektuelle Insolvenz.“


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Ofarim hatte in einem Video im Oktober behauptet, dass ihn ein Mitarbeiter des Leipziger „Westin“-Hotels aufgefordert hatte, seine Kette mit Davidstern abzunehmen. Das Video ging viral und löste weltweit Solidarität aus. Nachdem sowohl Ofarim als auch der Mitarbeiter Anzeige erstattet hatten, kam die Staatsanwaltschaft zu der Einschätzung, dass sich der Vorfall nicht so wie von Ofarim geschildert zugetragen habe. (dpa/miri)

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