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Spieler Burundi
  • Die Spieler der U-19-Handballmannschaft aus Burundi sind verschwunden.
  • Foto: twitter.com/Handball_Planet

Rätselhaft: Handballteam bei U-19-WM spurlos verschwunden

Sie wurden ins ferne Kroatien geschickt, um ihre Heimat sportlich zu vertreten. Um Tore zu werfen für eine Nation, von der viele Europäer keinen blassen Schimmer haben: Burundi. Ein Binnenland in Ostafrika. Handballerische Erfolge haben die zehn Jungs von der U-19-Handballmannschaft nicht erkämpft. Aber immerhin: Burundi ist nicht nur in der Sportwelt jetzt in aller Munde. Denn die Mannschaft ist weg. Verschollen. Womöglich abgehauen?

Das kleine Burundi hat 11,5 Millionen Einwohner, von denen mehr als 70 Prozent in totaler Armut leben. Die Bevölkerungsdichte ist extrem hoch, das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf das niedrigste der Welt (218 Dollar pro Jahr). Nur jeder zehnte Einwohner hat Zugang zum Internet, nur elf Prozent einen Stromanschluss – so wenig, wie sonst nirgendwo auf dem Planeten. Burundi ist also ein Land, in dem man sich als junger Mensch auch mit viel gutem Willen nur schwer eine unbeschwerte Zukunft vorstellen kann.

Zehn Spieler aus dem Hotel in Kroatien verschwunden

Vielleicht sind die zehn jungen Männer des U-19-Handballteams deshalb verschwunden. Die Mannschaft ist vor einigen Tagen aus ihrer hoffnungslosen Heimat ins mehr als 10.000 Kilometer entfernte Kroatien gereist, um an der Weltmeisterschaft teilzunehmen. Dass sportlich nicht viel zu holen ist, war klar. Aber darum ging es vermutlich auch nicht.

Was fest steht: Vergangenen Donnerstag sollten die Nachwuchs-Sportler in einem Platzierungsspiel gegen Bahrain antreten. Doch in dem Hotel in Rijeka, in dem die Mannschaft untergebracht war, gab’s keine Spur von den Spielern. Die Partie wurde deshalb mit 10:0 für Bahrain gewertet.

Einen Tag später sollten die Jungs dann gegen Neuseeland auf dem Feld stehen. Taten sie aber nicht. Auch dieses Spiel wurde für den Gegner gewertet. Am Sonntag war dann klar: Von der Mannschaft waren nur noch drei Spieler übrig. Die anderen zehn: abgetaucht. Per Handy oder Mail nicht zu erreichen.

„Es werden Maßnahmen ergriffen, um die vermissten Handballspieler zu finden und alle relevanten Fakten und Umstände ihres Verschwindens festzustellen“, teilte die Polizeibehörde von Primorje-Gorski Kotar Anfang der Woche mit.

Die Suche nach den Handballspielern läuft

Und was sagen die Mitreisenden? Der Präsident des burundischen Handballverbands, Dauphin Nikobamye, erklärte, man stehe unter Schock. „Sowohl wir als Verband als auch die Eltern dieser jungen Spieler bitten alle, die uns helfen können, sie zu finden. Ich weiß nicht, wie wir ohne sie nach Hause zurückkehren sollen“.

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Die zehn Vermissten wollen genau das wahrscheinlich nicht – es wird vermutet, dass die jungen Männer, die mit einem Visum eingereist sind, in Europa Asyl beantragen wollen. Kroatien gehört seit dem 1. Januar zum Schengen-Raum, es gibt also keine Grenzkontrollen mehr.

Die Mannschaft wurde übrigens von der WM ausgeschlossen. Sportlich war die Reise für das Team also kein Erfolg. Aber die Spieler hoffen womöglich darauf, in Europa etwas ganz anderes zu erkämpfen: Ein besseres Leben.

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