Kälteschlacht: Ukrainische Soldaten schießen auf russische Stellungen an der Frontlinie in der Region Donezk.
Kälteschlacht: Ukrainische Soldaten schießen auf russische Stellungen an der Frontlinie in der Region Donezk.
  • Kälteschlacht: Ukrainische Soldaten schießen auf russische Stellungen an der Frontlinie in der Region Donezk.
  • Foto: picture alliance/dpa/AP

Mörderische Kälte: So gnadenlos wird der Ukraine-Krieg im Winter

Während wir einen Wollpulli anziehen und überlegen, ob wir die Heizung einen Ticken runterdrehen, lässt der Winter in der Ukraine jetzt schon viele Menschen unvorstellbar frieren und leiden. Für zehntausende Soldaten geht es ums Überleben. Experten erklären, worauf es bei gnadenlosem Frost im Schützengraben ankommt – und wer für den Krieg in der Kälte besser gerüstet ist.

Kalt, nass – tödlich: In der Ukraine herrscht seit einigen Wochen die „Rasputiza“, die Schlammzeit. Die Böden sind noch nicht hartgefroren, feuchte Kälte kriecht in die Knochen. Besonders denen, die schlecht ausgerüstet sind. Und das sind vor allem die Angreifer. „Videos von der Eroberung russischer Stellungen zeigen Frosttote in den Schützengräben“, so der Militärexperte Gustav Gressel vom European Council on Foreign Relations.

Auf Social Media kursiert ein kaum erträgliches Video. Es zeigt angeblich russische Soldaten. Sie kauern in einem Loch – als eine Granate einschlägt, fliehen sie nicht, sondern wirken wie paralysiert, nur einige bewegen sich lethargisch. Experten vermuten, die Männer könnten so unterkühlt sein, dass sie an Hypothermie leiden. Wenn die Körpertemperatur in der Kälte extrem sinkt, sind die Reflexe verzögert und das Bewusstsein getrübt.

Zehntausenden russischen Soldaten droht der Kältetod

Ein qualvoller Tod, der zehntausenden russischen Männern droht. Denn die werden massenhaft mit mangelnder Ausbildung und Ausrüstung an die Front geschickt, teils ohne Handschuhe und warme Stiefel. Es gibt bereits Berichte über „Grabenfüße“ – diese gefürchtete Infektion trat massenhaft in den Schützengräben der beiden Weltkriege auf, sie entsteht durch stundenlange Unbeweglichkeit bei nasser Kälte.

Grausame Einzelschicksale, die in der Masse kriegsentscheidend sein können. Denn: „Nasse Füße sind eine Einbahnstraße in die Kampfunfähigkeit“, wie der ehemalige britische Offizier und Militäranalyst Nicholas Drummond auf Twitter schreibt, „eine atmungsaktive, wasserdichte Oberschicht, die den Soldaten trocken hält, hält ihn auch kampfbereit.“

Viele russische Soldaten sind durch die Kälte so geschwächt, dass es ihnen nur ums Überleben geht: „Sie können sich kaum auf die Verteidigung ihrer Stellungen konzentrieren“, so Militärexperte Gressel zum Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Ukrainische Soldaten bekommen Ausrüstung von der Nato

Die Kämpfer in der Ukraine sind besser ausgerüstet – auch, weil die militärische Führung mehr auf das körperliche Wohl der Soldaten achtet. Das ist nicht nur wichtig, um zu überleben: „Es hebt die Kampfmoral enorm, wenn die Oberbefehlshaber sich bemühen, dass man nicht erfriert“, so Gressel.

Der Kampf gegen die Kälte: Ein ukrainischer Soldat wärmt sich in einem Feldlager an der Front. IMAGO / NurPhoto
Ukrainischer Soldat wärmt sich an der Front
Kampf gegen die Kälte: Ein ukrainischer Soldat wärmt sich in einem Feldlager an der Front.

Die Nato unterstützt die ukrainischen Verteidiger mit warmer Ausrüstung im Wert von 40 Millionen Euro. Circa 400 Euro kostet es, einen Soldaten von der Unterwäsche bis zu den Stiefeln winterfest einzukleiden. Auch Kanada hilft: Von dort liefern Unternehmen 400.000 Winterparkas, Hosen, Stiefel und Handschuhe.

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„Der Winter in der Ukraine ist sehr kalt, daher erwarten wir eine sehr harte Zeit“, sagt die Menschenrechtsaktivistin und diesjährige Alternative Nobelpreisträgerin Olexandra Matwijtschuk gerade. Ihr Appell an uns alle: „Ich habe keinen Zweifel daran, dass die Ukrainer durchhalten werden, aber wir brauchen die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft, um während dieses Winters zu überleben.“

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