• Clarissa Ward diese Woche in Kabul.
  • Foto: https://www.instagram.com/clarissawardcnn

Live aus Kabul: Das ist die mutigste Reporterin der Welt

Sie berichtet von dort, wo alle verzweifelt wegwollen. Sie erzählt der Welt, was in der Hölle auf Erden gerade passiert. Clarissa Ward ist für den Fernsehsender CNN in Kabul. „Es ist Chaos, so etwas habe ich noch nicht erlebt“, sagt sie. Und die 41-Jährige hat schon sehr, sehr viel erlebt …

Sie war oft in Syrien, hat aus dem Irak berichtet, aus Jemen, Bangladesch, Myanmar, Peking, von den Anschlägen in Paris, vom Tsunami in Japan und über den Anschlag auf Alexej Nawalny – Clarissa Ward hat so ziemlich jede größere Krise der letzten Jahre live erlebt.

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Und jetzt Afghanistan, unermüdlich (sie und ihr Team arbeiten 19 Stunden am Stück) und unerschrocken: Clarissa Ward steht mitten auf der Straße, redet mit Taliban-Kämpfern – einer wollte nur mit ihrem Kameramann sprechen, einer drohte, sie mit dem Gewehr zu schlagen. Sie trägt einen Schleier bei ihrer Arbeit: „Der Nikab fühlt sich an wie mein Tarnumhang“, sagt sie – niemand erkennt sie so gleich als ausländische Journalistin. „Eine der außergewöhnlichsten Erfahrungen meiner Karriere“, nennt sie ihren mutigen Einsatz. Dass sie sich in Kabul frei bewegen kann und einigermaßen geschützt ist, verdankt sie ihren Kontakten vor Ort. „Ich habe das Glück, mit den richtigen Leuten zu arbeiten“, sagt sie.

„Ich bin stolz auf meinen Beruf“, sagt Clarissa Ward.

Clarissa Ward hat zwei kleine Söhne

Seit 2018 ist die geborene Engländerin Chefkorrespondentin von CNN, sie hat ein Buch über ihre Arbeit geschrieben („On All Fronts“) und letztes Jahr kam ihr zweiter Sohn Caspar zur Welt. Um die beiden Jungs kümmert sich ihr deutscher Ehemann Philipp von Bernstorff, wenn sie unterwegs ist. Und nein, sie hat nicht daran gedacht, ihren Job aufzugeben, weil sie ja jetzt Mutter ist: „Einem Mann würde man diese Frage nie stellen“, schreibt sie auf Instagram.

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Aber klar: Ein Leben, das zwischen dem Elend der Welt und der heimischen Familienidylle pendelt, ist psychisch extrem anstrengend. „Man fühlt sich manchmal wie ein Alien in der eigenen Haut, wenn man zurückkommt in sein wirkliches Leben“, sagte Ward im „SZ“-Interview. Aber sie weiß, wofür sie es tut: „Solange Menschen im Stillen leiden, muss es jemanden geben, der ihnen eine Stimme gibt.“

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