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Russische Mall
  • Ein Laden im Columbus Shopping Centre in Moskau.
  • Foto: imago/Russian Look

Ob Kühlschrank oder Schokolade: Warum gibt es immer noch deutsche Waren in Russland?

Made in Germany – und verkauft in Russland: Dort sind deutsche Produkte absolut keine Mangelware. Aber hatten nicht deutsche Firmen reihenweise angekündigt, sich vom russischen Markt zurückzuziehen? Eine Recherche des SWR beweist: Davon kann kaum die Rede sein.

Gefrierschränke, Herde, Waschmaschinen – alles neu, alles da und vieles sogar billiger als bei uns – in großen Elektromärkten in Moskau ist die Auswahl an deutschen Geräten groß. Dabei hatten nach Beginn des brutalen Angriffskrieges doch viele deutsche Firmen versichert, sie würden die Lieferungen an Russland einstellen, dort keine Produkte mehr auf den Markt bringen.

Wie also erklären die Hersteller das? Auf Anfrage des SWR erklärt die Firma Bosch zum Beispiel: „Bosch importiert keine Hausgeräte mehr nach Russland.“ Es würden aber noch „verbliebene Restbestände aus Lagern vor Ort verkauft“.

Bosch teilt mit, man würde keine Hausgeräte mehr importieren

Auch die Hersteller Stihl und Kärcher hatten groß angekündigt, sich vom russischen Markt zurückzuziehen. Der SWR hat Testkäufer in Moskau losgeschickt. Ergebnis: Made in Germany ist bestens erhältlich. Ob Kettensägen oder Hochdruckreiniger – auf Videoaufnahmen ist zu sehen, dass die Regale prall gefüllt sind. 

Und was sagen die Hersteller dazu? Kärcher gar nichts – trotz wiederholter Anfragen des Senders. Und die Firma Stihl teilt dem SWR mit: „Bei den von Ihnen beschriebenen Filialen handelt es sich um wirtschaftlich selbstständige russische Händler, die ihre Waren von den ehemaligen Importeuren bezogen haben. Geräte, die heute am russischen Markt noch verfügbar sind, stammen daher noch aus Lieferungen, die vor Kriegsbeginn bezogen wurden. Leider haben wir auf den Verkauf dieser Ware keinen Einfluss.“

Ritter Sport liefert weiter nach Russland

Auch in den Supermärkten gibt’s noch Leckeres aus deutschen Landen. Ritter Sport Schokolade zum Beispiel, die versüßt den Menschen dort auch im Krieg weiter den Alltag. Und der Hersteller aus Baden-Württemberg steht gegenüber dem SWR auch dazu: Man sei der Meinung, „dass eine Einstellung von Lieferungen für die Bevölkerung von Russland letztlich nicht diejenigen treffen würde, die für diesen verheerenden Krieg verantwortlich sind beziehungsweise ihn führen“. Gewinne mache man aber nicht, die würden für den guten Zweck gespendet.

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 Ob Kühlschrank oder Knusperschokolade – es ist nicht komplett verboten, in Russland Geschäfte zu machen: Es besteht kein Totalembargo gegenüber der Russischen Föderation. Das bedeutet: Güterlieferungen, die nicht verboten sind, sind weiterhin erlaubt. So seien zum Beispiel „elektronische Artikel für den häuslichen Gebrauch“ erst ab einem Wert von 750 Euro verboten, so das Bundesamt für Ausfuhr und Wirtschaftskontrolle. 

Nicht verboten – aber auch nicht fair. Der Osteuropaexperte Klaus Gestwa von der Uni Tübingen kritisiert im SWR: „Deutsche Unternehmen, die nichts dagegen tun, dass ihre Waren durch die Schlupflöcher der Sanktionspolitik nach Russland geraten, tragen dazu bei, die deutsche und die europäische Sanktionspolitik zu sabotieren.“

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