• Feuerwehrleute und Einwohner im Norden der griechischen Insel Euböa kämpfen gegen die Flammen.
  • Foto: imago images/ANE Edition

Klima-Schock: So schlimm wird es rund ums Mittelmeer

Wetter ist nicht gleich Klima – aber das momentane Hitze- und Dürrewetter in Griechenland, Italien und der Türkei ist ein Vorgeschmack auf das zukünftige Klima. Die Temperaturen in Europa werden stärker steigen als in anderen Gegenden, das kündigt der Weltklimabericht an.

Seit Wochen sehen wir Bilder von verheerenden, apokalyptischen Flammen, rund um das Mittelmeer brennt es. Neben Italien leiden vor allem Teile Griechenlands und der Türkei massiv. Bitter: Wir werden uns daran wohl gewöhnen müssen – denn der Mittelmeerraum ist vom Klimawandel besonders heftig betroffen. Und es wird noch viel schlimmer.

Zu dem Schluss kommt der Uno-Weltklimarat (IPCC) – in seinem Bericht schreibt er: „Die Temperatur wird in Europa stärker steigen als im weltweiten Durchschnitt.“ Der erste Teil des Berichts war am Montag vorgestellt worden, am zweiten wird noch gearbeitet, doch erste Details daraus wurden bereits bekannt. So heißt es etwa auch: „Häufigkeit und Intensität von Hitzeextremen haben schon zugenommen und werden weiter zunehmen.“

Bericht: Temperaturen im Mittelmeer nehmen 20 Prozent stärker zu als im Rest der Welt

Das sind schlechte Nachrichten. Und es wird nicht besser – aber präziser: In dem Entwurf, der sich mit dem Klima des Mittelmeerraums beschäftigt, schreibt der Weltklimarat laut Nachrichtenagentur AFP: „Besorgniserregend sind unter anderem Risiken im Zusammenhang mit dem Anstieg des Meeresspiegels, dem Verlust der biologischen Vielfalt an Land und im Meer, Risiken im Zusammenhang mit Dürren, Waldbränden, Veränderungen des Wasserkreislaufs, gefährdete Nahrungsmittelproduktion, Gesundheitsrisiken in städtischen und ländlichen Siedlungen durch Hitze sowie veränderte Krankheitsüberträger.“

Erschütternd: Der Entwurf warnt, dass die Temperaturen im Mittelmeerraum 20 Prozent (!) stärker zulegen werden als der weltweite Mittelwert. Normalerweise führt das auch zu mehr Niederschlag – weil wärmere Luft eigentlich mehr Wasserdampf aufnehmen kann. Nicht so im Mittelmeerraum – und das liegt wohl an einem besonderen Phänomen. Der „Spiegel“ zitiert dazu eine Untersuchung des Massachusetts Institute of Technology: Die macht eine Kombi aus Veränderungen der Winde in der oberen Atmosphäre, der Lage der Gebirge im Mittelmeerraum und die sich verringernde Temperaturdifferenz zwischen den Landmassen und dem von ihnen eingeschlossenen Meer dafür verantwortlich.

Ein Hubschrauber lässt Wasser ab bei den Löscharbeiten eines Waldbrandes in Koycegiz.

„Je wärmer es weltweit wird, desto mehr werden wir nie erlebte und bisher nie erreichte Extremereignisse sehen“, zitiert der „Spiegel“ die Forscherin Friederike Otto, sie ist Leiterin des „Environmental Change Institute“ der Uni Oxford.

Die zerstörerischen Brände in diesem Jahr sind also nur ein Vorgeschmack. Die erste Zwischenbilanz vom geologischen Institut der Universität Athen geht aktuell von 90.000 Hektar verbrannter Fläche in Griechenland aus. In der südwesttürkischen Provinz Mugla verbrannten nach Angaben lokaler Behörden mehr als 66.000 Hektar Land, geschätzt wurden in der gesamten Türkei etwa 150.000 Hektar Land zerstört.

Menschen beobachten die Flammen, die Bäume während eines Brandes im Dorf Avgaria auf der griechischen Insel Euböa verbrennen

Zum Vergleich: In Deutschland verbrannten laut Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung 2020 durch Waldbrände 368 Hektar Fläche. Im Dürresommer 2018 mit schweren Waldbränden vor allem im Osten waren es 2350 Hektar.

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Und: Sollten die Temperaturen im weltweiten Schnitt um zwei Grad zulegen, geht der Weltklimarat davon aus, dass die jährlich verbrannten Flächen um bis zu 87 Prozent steigen …

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