Kinderkleider hängen an Kreuzen nahe des Fundortes in Kanada.
  • Foto: picture alliance/dpa/The Canadian Press

Kinder-Massengrab: Menschenrechtler fordern Aufklärung

Es ist ein Fund, der Kanada schockiert: Nach der Entdeckung eines Massengrabs mit Überresten von 215 Kindern auf dem Gelände eines früheren Internats für Indigene verlangen UN-Menschenrechtsexperten jetzt Aufklärung. Ende Mai waren die Knochen entdeckt worden – wann und woran die Kinder starben, ist noch völlig unklar. Einige waren zum Todeszeitpunkt erst drei Jahre alt.

In einer Stellungnahme vom Freitag forderten die Menschenrechtler die kanadische Regierung und den Vatikan auf, umfassende Untersuchungen zu den Todesumständen der Kinder und zu etwaigen Verantwortlichen zu veranlassen. Alle verdächtigen Todesfälle müssten überprüft und sterbliche Überreste forensisch untersucht werden. 

Ähnliche Ermittlungen seien an allen derartigen Einrichtungen in Kanada nötig, um Folter- und Missbrauchsvorwürfen nachzugehen und womöglich noch lebende Übeltäter zur Rechenschaft zu ziehen.

Ermittler gehen Folter- und Missbrauchsvorwürfen nach

Das Massengrab in der Nähe der Stadt Kamloops in der westlichen Provinz British Columbia war Ende Mai entdeckt worden. Es fand sich auf dem Gelände der Kamloops Residential School, einer Art Umerziehungslager für Kinder kanadischer Ureinwohner, das zwischen 1890 und 1978 in Betrieb gewesen war. 

Schock in Kanda: Nach dem Massengrab-Fund auf dem Gelände einer ehemaligen Schule
Der Schock sitzt tief: Nach dem grausigen Fund in Kanada gedenken die Menschen den toten Kindern.

Die Einrichtung bei Kamloops war nach Angaben von Indigenen die größte ihrer Art in Kanada. Vom 17. Jahrhundert bis in die 1990er wurden solche sogenannten Residential Schools von der Regierung verwaltet und finanziert. Betreiber waren größtenteils Kirchen und religiöse Organisationen.

Es handelt sich um eines der dunkelsten Kapitel in der Geschichte Kanadas: Über Jahrzehnte riss die Regierung Tausende Söhne und Töchter aus ihren Familien und steckte sie in Internate. Dort sollten sie ihre Kultur vergessen – Feste, Lieder, Sprache, Religion – und die Traditionen der europäischen Einwanderer erlernen. Gewalt und sexueller Missbrauch waren praktisch an der Tagesordnung.

Verantwortliche sollen zur Rechenschaft gezogen werden

Die UN-Menschenrechtsexperten sprachen von „abscheulichen Verbrechen“ und Menschenrechtsverstößen in den Internaten. In der Stellungnahme hieß es, es wäre „schlicht unvorstellbar“, wenn der kanadische Staat und der Vatikan die Verantwortlichen ungeschoren davonkommen ließen und sich nicht um eine umfassende Entschädigung kümmerten.

Kanadas Premier Justin Trudeau machte der katholischen Kirche schwere Vorwürfe. Sie sei ihrer Verantwortung nie gerecht geworden und stemme sich noch immer gegen eine rückhaltlose Aufklärung. Er sei „tief enttäuscht“ vom Vorgehen der Kirche, die nun endlich Dokumente freigeben und die Opfer der Verbrechen entschädigen müsse.

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