Kardinal Reinhard Marx
  • Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof von München und Freising.
  • Foto: imago images/Friedrich Stark

Katholische Kehrtwende: Kardinal Marx will das Zölibat abschaffen

Ist das Zölibat ein seit Jahrhunderten andauernder Kardinalfehler der katholischen Kirche? Das scheint selbst für hochrangige Geistliche mittlerweile denkbar zu sein. Jetzt hat sich der umstrittene Kardinal Reinhard Marx dazu geäußert – und sich tatsächlich GEGEN die verordnete Sex- und Ehelosigkeit von katholischen Geistlichen ausgesprochen. Was für eine Kehrtwende.

„Es wäre besser für alle, die Möglichkeit für zölibatäre und verheiratete Priester zu schaffen“, sagte Marx der „Süddeutschen Zeitung“. Und fügte hinzu: „Bei manchen Priestern wäre es besser, sie wären verheiratet. Nicht nur aus sexuellen Gründen, sondern weil es für ihr Leben besser wäre und sie nicht einsam wären. Diese Diskussionen müssen wir führen.“

Kardinal Reinhard Marx will Zölibat abschaffen

Marx ging so weit, das Leben im Zölibat als „prekär“, also misslich, zu bezeichnen. Auf die Frage, ob er einen Zusammenhang zu sexuellen Kindesmissbrauch sehe, sagte er, pauschal könne man das nicht sagen. „Aber diese Lebensform und dieses Männerbündische ziehen auch Leute an, die nicht geeignet sind, die sexuell unreif sind. Und Sexualität gehört eben zum Menschen dazu, das geht auch nie vorüber.“ Die katholische Sexualmoral habe „viele Verklemmungen erzeugt“.


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Überraschend klare Worte! Weniger deutlich äußerte sich Marx zum Thema Frauen im Priesteramt: „Ich kann das noch nicht beantworten. Das wäre auch nicht hilfreich, es jetzt zu beantworten, weil es gerade dazugehört, dass wir im Gespräch bleiben. Ich bin nicht nur einer, der eine Meinung hat, sondern ich muss auch den Laden zusammenhalten.“

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Zu dem emeritierten Papst Benedikt, der vom Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, zu einer Entschuldigung aufgefordert wurde, sagte Marx: „Ich will jetzt nicht über die Medien eine Forderung stellen, sondern eine Hoffnung äußern. Dass er sich, so wie angekündigt, umfassend äußert. Und dass die Erklärung auch ein gutes Wort der Anteilnahme mit den Betroffenen enthält.“ (dpa/miri)

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