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Hähnchen Schwindel Etiketten Bio
  • Verpacktes Hähnchen aus dem Supermarkt (Symbolbild).
  • Foto: IMAGO / Kolvenbach

Jahrelanger Betrug? Betriebe gaben offenbar Standard-Hähnchen als Bio aus

Standardware statt Bio? Zwei Geflügelschlachtbetriebe in Süddeutschland sollen Etikettenschwindel in großem Stil betrieben haben – und günstiges Fleisch als hochwertige Bio-Qualität gekennzeichnet haben. Nach groß angelegten Razzien laufen die Ermittlungen – offenbar sollen auch Oktoberfest-Hähnchen betroffen sein. Wurden Händler:innen und Verbraucher:innen tatsächlich jahrelang an der Nase herumgeführt?

Insgesamt 24 Razzien gab es am Donnerstag bundesweit, unter anderem in Niedersachsen, Hessen und Nordrhein-Westfalen. Allesamt in Unternehmen, die am mutmaßlichen Etiketten-Schwindel von zwei Geflügelschlachtbetrieben aus Bayern und Baden-Württemberg beteiligt gewesen sein sollen.

Eine anonyme Quelle hatte den Hinweis auf den mutmaßlichen Betrug gegeben. Unter anderem berichtete der Bayerische Rundfunk, dass insgesamt 150 Einsatzkräfte an den Razzien beteiligt gewesen sein. Diverse Lieferscheine und Buchhaltungsunterlagen sollen beschlagnahmt worden sein.

In Bayern und BaWü: Hähnchen-Etiketten-Schwindel?

Der Vorwurf: Bereits seit 2018 soll konventionelles Hühnchenfleisch zu Bio-Ware umetikettiert worden sein – so konnten die Unternehmen höhere Preise verlangen. Standardware wurde offenbar zu Unrecht mit den Gütesiegeln „Bio“, „Naturland“ und „Geprüfte Qualität Bayern“ versehen.

Zudem sei aufgetautes Fleisch als frisches verkauft und teils erst nach tagelanger, unsachgemäßer Lagerung weiterverarbeitet worden. Konkret ermittelt wird nun gegen drei Männer und zwei Frauen.

Mutmaßlicher Biohuhn-Betrug: Auch Wiesn betroffen?

Doch wohin wurden die mutmaßlich gefälschten Biohühner verkauft? Laut der ermittelnden Staatsanwaltschaft Landshut ist dies nun Gegenstand der Ermittlungen. Auf seiner Homepage wirbt zumindest eines der Unternehmen damit, „Metzgereien, Hotels, Restaurants und Großhändler“ in ganz Süd- und Westbayern sowie Baden-Württemberg zu beliefern – auch „Festzelte wie auf dem Augsburger Plärrer“.

Wie die „Bild“ berichtet, soll Ware einer der beiden Firmen auch auf dem Münchener Oktoberfest verkauft worden sein, unter anderm auch an Promi-Wirt Michael Käfer. Wiesn-Chef Clemens Baumgärtner sagte, man werde „die Sache genau untersuchen.“

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Beide Geflügelschlachtbetriebe wiesen die Vorwürfe währenddessen „vollumfänglich und mit Nachdruck“ zurück. Die Qualität der Produkte sei zertifiziert und werde ständig überprüft. Man produziere tierschutzgerechtes, regionales und nachhaltiges Geflügelfleisch, hieß es in einer Stellungnahme des Betriebes Oberschwäbische Geflügel GmbH aus Baden-Württemberg. Man wolle die Vorwürfe nun gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft „zeitnah und vollumfänglich aufarbeiten und aus der Welt räumen.“

Georg Heitlinger, agrarpolitische Sprecher der FDP-Fraktion im baden-württembergischen Landtag, sagte gegenüber dem SWR, dass es sich hier um Betrug im großen Stil handele – sollte sich der Verdacht bewahrheiten. Er forderte eine starke Veterinärverwaltung und warf der Landesregierung vor, den Verbraucherschutz zu vernachlässigen. (alp)

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