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Inzidenz von 1829: Spitzenreiter beim Impfen – und jetzt steigen die Infektionszahlen

Im Urlaubsparadies Seychellen steigen die Corona-Infektionszahlen wieder – trotz rekordverdächtig gut laufender Impfkampagne.  Foto: dpa

Victoria –

Es ist ein Szenario, das viele fürchten: Sprunghaft steigende Infektionszahlen trotz hoher Impfquoten. Genau das spielt sich gerade im Inselstaat Seychellen ab: Obwohl das Land weltweit zu den Spitzenreitern beim Impfen zählt, ist die Zahl der Neuinfektionen in den letzten Tagen so groß, dass das Land wieder in den Lockdown musste. Doch es gibt auch Hoffnung.

8172 Corona-Neuinfektionen meldete der Inselstaat Seychellen am Dienstag – und das bei nur 98.340 Einwohnern. Die Sieben-Tage-Inzidenz stieg sprunghaft an – von 508,4 am Montag auf 1829,4 am Dienstag. Diese Zahlen sind besorgniserregend, denn in dem ostafrikanischen Land sind bereits gut 62 Prozent der Erwachsenen vollständig geimpft – mehr als etwa in Israel, wo diese Quote derzeit bei 59 Prozent liegt.

Sprunghaft steigende Infektionszahlen: Die Seychellen müssen wieder in den Lockdown 

Dennoch müssen sich die Bewohner der 115 Inseln nun erneut mit einem Lockdown arrangieren, wie der „Spiegel“ berichtet: Seit dem 4. Mai sind die Schulen dicht, für Geschäfte, Casinos und Bars gilt eine frühere Sperrstunde, ebenso eine Ausgangssperre ab 23 Uhr. Gruppensport, Konferenzen und Veranstaltungen sind verboten.

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Doch wie konnte es trotz der gut laufenden Impfkampagne so weit kommen? Laut „Spiegel“ versucht Tourismusminister Sylvestre Radegonde, die Wirksamkeit der Impfungen zu verteidigen. Demnach seien 80 Prozent der akut Infizierten bisher nicht geimpft worden; die bereits Geimpften hätten nur leichte Symptome. „Das zeigt, dass die Impfungen durchaus Wirkung gezeigt haben“, sagte der Minister örtlichen Nachrichtenagenturen. Zudem werde mehr getestet.

Die „Neue Zürcher Zeitung (NZZ)“ hat sich die Corona-Situation auf den Seychellen ebenfalls angeschaut und kommt zu einem ganz anderen Schluss: Das Blatt zitiert lokalen Gesundheitsbehörde, wonach „beträchtliche 35 Prozent der Personen, die sich zuletzt mit dem Virus infizierten, bereits zwei Impfdosen erhalten (hatten) und damit zum Zeitpunkt der Ansteckung als vollständig geimpft“ galten. Die Nachrichtenagentur „Bloomberg“ spricht sogar von 37 Prozent.

Auf den Seychellen wird hauptsächlich Sinopharm verabreicht 

Dass der Tourismusminister versucht, zu beschwichtigen, ist wohl kein Wunder: Schließlich sind die Reisenden einer der wichtigsten Wirtschaftszweige der Seychellen. Deshalb gilt auch keine generelle Einreisesperre – Touristen dürfen kommen, wenn sie zuvor eine „Health Travel Authorization (HTA)“ bei der Regierung beantragt haben. Dafür wird ein negativer PCR-Test benötigt, der nicht älter als 72 Stunden sein darf. Ein Impfnachweis sei für die Erteilung der HTA „von Vorteil“, heißt es auf der offiziellen Tourismus-Webseite. 

Deutschland weist die Seychellen hingegen als Hochinzidenzgebiet aus; dem Auswärtigen Amt zufolge gilt eine Reisewarnung. Wer von dort zurückreist, muss nach Ankunft in Deutschland in jedem Fall in Quarantäne.

Gibt es nun einen Grund, an der Wirksamkeit der Corona-Impfstoffe zu zweifeln? Laut „Spiegel“ handelt es sich bei 60 Prozent der bis Mitte April auf den Seychellen verabreichten Impfdosen um solche des chinesischen Herstellers Sinopharm. Dieser hatte erst vor wenigen Tagen eine Notzulassung von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erhalten und soll nun vorrangig in Entwicklungsländern zum Einsatz kommen. Über die Wirksamkeit des Impfstoffes ist wenig bekannt: Der Hersteller spricht zwar von einer 79-prozentigen Wirksamkeit, doch unabhängige Studien gibt es nicht.

Die restlichen 40 Prozent der verabreichten Impfdosen wurden vom Hersteller AstraZeneca in Indien produziert. Das Problem bei diesem Vakzin: Es schützt kaum vor der aus Südafrika stammenden Virus-Mutation B.1.351. Und die breitet sich gerade auf den Seychellen aus, notierte die „NZZ“.

Die WHO zeigte sich bereits alarmiert angesichts der Entwicklungen auf den Seychellen. Direktorin Kate O’Brien sagte am Montag, man stehe in engem Kontakt mit den lokalen Behörden und werde sich die Situation „detailliert“ ansehen, so „Bloomberg“.

Gute Nachrichten: Trotz hoher Infektionszahlen kaum schwere Covid-Verläufe 

Bei all den negativen Nachrichten aus dem Indischen Ozean gibt es doch eine entscheidende positive: Zwar sind dort viele Menschen infiziert, aber nur wenige erkranken wirklich schwer. Der örtlichen Nachrichtenagentur „Seychelles News Agency“ zufolge befinden sich gerade nur einige Dutzend Patienten auf den Seychellen im Krankenhaus.

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Laut „corona-in-zahlen.de“ liegt die Letalitätsrate, also die „Tödlichkeit“ des Virus auf den Seychellen gerade bei 0,34 Prozent. Zum Vergleich: In Deutschland, wo gerade knapp über neun Prozent der Menschen vollständig geimpft sind, liegt die Rate bei über 2 Prozent. Schließlich ist es auch das, was mit den Impfungen erreicht werden soll: Ansteckungen kann man zwar nicht zu 100 Prozent verhindern, was das Beispiel Seychellen zeigt – wohl aber schwere Covid-19-Verläufe und zahlreiche Todesfälle. (prei/mik)