Impfkampagne Dänemark
  • Dänemarks Impfkampagne ist kreativ: In Nordjütland wurde die Impfung von Musik des Aalborg Symphony Orchestra begleitet.
  • Foto: imago images/Henning Bagger

Krasse Quoten! Wie diese EU-Länder zu weltweiten Impf-Vorbildern wurden

Lange Zeit lag Großbritannien in der Impfkampagne vorn – doch mittlerweile gibt es in Europa einige Länder, die auf der Überholspur sind. Ganz vorne dabei: Dänemark, Portugal und Spanien. Warum sind dort so viel mehr Menschen bereit, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen?

Die Zahlen sprechen für sich: Laut der Impfdatenbank „Our World in Data“ sind in Dänemark bereits 75,9 Prozent der Gesamtbevölkerung geimpft, in Spanien sind es 79,8 Prozent und in Portugal sogar 87,2 Prozent. Zum Vergleich: In Deutschland liegt die Impfquote derzeit bei 66,8 Prozent – und damit deutlich niedriger.

Impfkampagne in Dänemark und Co. besser organisiert

Schon viele Experten haben darüber spekuliert, womit der Erfolg der Impfkampagnen zusammenhängen könnte. Auffällig ist, dass die drei Länder an der Spitze einiges gemeinsam haben: Sie haben zum Beispiel zentrale und verstaatlichte Gesundheitssysteme, welche die Impfkampagne effektiv organisiert haben.


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Dadurch ist auch das Terminchaos ausgeblieben: Weder in Dänemark noch in Spanien oder Portugal musste sich jemand aktiv um eine Impfung bemühen. Alle wurden nach Altersgruppen gestaffelt mit einem konkreten Terminvorschlag zum Impfen aufgerufen und von den zuständigen Behörden per Anruf oder SMS kontaktiert. Dänemark hat außerdem schon viel früher mit mobilen Impfteams begonnen, die in Ausbildungsstätten, Sporthallen oder Supermärkten niedrigschwellige Angebote gemacht haben – in Nordjütland beispielsweise wurde das von einem Musikorchester begleitet, was sehr gut ankam.

Henrique de Gouveia e Melo bei einer Pressekonferenz im April.
Henrique de Gouveia e Melo, Leiter der Impfkampagne in Portugal, bei einer Pressekonferenz im April.

Portugal kann die hohe Impfbereitschaft in der Bevölkerung und das schnelle und effektive Vorankommen vor allem einem Mann verdanken: Dem Vize-Admiral Henrique Gouveia e Melo. Er übernahm im Februar 2021 die Leitung der Impfkampagne – und packte sie mit militärischem Drill an: Konsequent trat er in Uniform oder Tarnanzug auf und schwor die Bevölkerung mit Kriegsmetaphern auf den Impf-Kurs ein. Aber nicht nur das: Er errichtete Impfstraßen, um Menschen wie am Fließband zu impfen und schickte seine Soldaten zum Testen vor.

Vertrauen in Corona-Impfungen deutlich größer

Die beiden Länder auf der iberischen Halbinsel haben die möglichen Auswirkungen der Pandemie außerdem ganz anders wahrgenommen als Deutschland. „Die haben eine schreckliche gesamtgesellschaftliche Erfahrung hinter sich, nämlich viele Tote und einen richtigen Lockdown, wo man nur zum Einkaufen nach draußen durfte“, erklärte Virologe Christan Drosten im NDR-Corona-Podcast. „Und auf der Straße patrouillierte das Militär.“

Und es gibt noch etwas, was alle drei Länder gemeinsam haben: Sowohl in Dänemark als auch in Spanien und Portugal ist das Vertrauen in die Behörden wesentlich größer als in Deutschland. Laut einer Erhebung der EU-Kommission sind in Spanien und Portugal mehr als 80 Prozent der Menschen der Meinung, dass es zur bürgerlichen Pflicht gehört, sich impfen zu lassen. In Deutschland sind dieser Ansicht nur 67 Prozent.

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Und da das Vertrauen so viel größer ist, haben auch Querdenker und Impfgegner eher eine untergeordnete Rolle gespielt. Große Demonstrationen von Corona-Leugnern und Impfverweigerern gibt es dort nicht. In Dänemark existiert zwar eine Querdenker-Bewegung – doch die konnte nicht annähernd so große Effekte erzielen wie in Deutschland.

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