Wie hier in orlando, Florida, verzeichnen immer mehr Kliniken in den USA einen deutlichen Anstieg bei Covid-kranken Kindern.
  • Wie hier in orlando, Florida, verzeichnen immer mehr Kliniken in den USA einen deutlichen Anstieg bei Covid-kranken Kindern.
  • Foto: Imago / Zuma Wire

Keine freien Corona-Betten mehr: „Ihr Kind muss warten, bis ein anderes stirbt“

Nirgends in den USA wütet Corona gerade derart heftig wie im Süden. Das Gesundheitssystem droht in mehreren Bundesstaaten unter der Last der vielen Infektionen zusammenzubrechen. Mancherorts gibt es bereits keine freien Klinikbetten mehr – auch für Kinder nicht.

Die Lage in Dallas County ist zum Teil dramatisch: „Wir haben auf unseren Kinder-Intensivstationen kein freies Bett mehr“, sagte Bezirksrichter Clay Jenkins am Freitag auf einer Pressekonferenz. In anderen Teilen von Texas sieht es ähnlich aus: Fast alle Krankenhäuser arbeiten derzeit an oder schon über ihren Belastungsgrenzen.

Der Grund: drastisch steigende Corona-Zahlen. Die Sieben-Tage-Inzidenz in Texas schwankt derzeit um 400. Dabei gibt es immer mehr Fälle, in denen die Erkrankung einen schweren Verlauf nimmt – auch bei Kindern. Schuld daran ist die Delta-Mutante, die dem Körper offenbar mehr zusetzt als das Ursprungsvirus und die bisher bekannten Mutationen. 1900 US-Kinder befanden sich vergangene Woche mit Covid im Krankenhaus – die meisten von ihnen in Florida, viele auch in Texas.

Corona-Krise in Texas: „Ihr Kind muss warten, bis ein anderes stirbt“

In Dallas County sind die Klinik-Kapazitäten deshalb bereits erschöpft. „Das bedeutet: Wenn Ihr Kind in einem Autowrack ist, wenn Ihr Kind einen angeborenen Herzfehler oder ähnliches hat und ein Bett auf der Intensivstation braucht, oder wahrscheinlicher: Wenn es Covid hat und ein Bett auf der Intensivstation braucht, haben wir keins“, so Bezirksrichter Jenkins. „Ihr Kind wird warten müssen, bis ein weiteres Kind stirbt.“

Clay Jenkins, Bezirksrichter von Dallas County, fand drastische Worte.
Clay Jenkins, Bezirksrichter von Dallas County, fand drastische Worte.

Es gebe auch kaum noch medizinisches Personal ergänzte Dr. Esmaeil Porsa, Präsident der Krankenhauskette Harris Health System in Houston, am Dienstag in einer Senatsbefragung. Alle seine Mitarbeiter seien „müde, überarbeitet und ständig belagert.“

Auch medizinisches Gerät sei derzeit nicht verfügbar: „Ihr Kind wird nicht einfach so an ein Beatmungsgerät kommen“, sagte Jenkins weiter. „Es wird nach Temple oder Oklahoma City geflogen oder wo auch immer wir ein Bett finden können, aber hier bei uns wird es keins bekommen – es sei denn, eines wird frei.“

Texas: Gouverneur erklärte Corona-Maßnahmen für illegal

Schon letzte Woche hatte die texanische Regierung alle Krankenhäuser gebeten, nicht notwendige medizinische Eingriffe zu verschieben. So solle sichergestellt werden, dass alle Covid-Patienten adäquat versorgt werden könnten, erklärte Gouverneur Greg Abbott.

Dabei war Abbott selbst es, der jüngst sämtliche Corona-Auflagen wie etwa eine Maskenpflicht in seinem Bundesstaat für illegal erklärte. Er drohte sogar Schulen, die auf das Tragen von Masken bestehen wollten, mit Fördermittel-Entzug. Der Regierung in Washington warf der Republikaner vor, „noch mehr drakonische Kontrollen von US-Bürgern“ zu planen.

Texas-Gouverneur Greg Abbott ist ein guter Freund von Ex-Präsident Donald Trump.
Texas-Gouverneur Greg Abbott ist ein guter Freund von Ex-Präsident Donald Trump.

Auch Impfungen würden in Texas immer freiwillig bleiben, betonte Abbott. Erst gut 46 Prozent der Bevölkerung dort ist vollständig geimpft. Ähnlich schlecht sieht es in anderen US-Südstaaten aus: In Lousiana und Arkansas etwa sind nur rund 38 Prozent vollständig immunisiert, in Mississippi sogar nur 36 Prozent. In allen genannten Staaten explodieren die Infektionszahlen.

Klinik-Chef Porsa fürchtet: „Wenn das so weitergeht – und ich betone noch einmal, dass ich keine Intervention sehe, keine mildernden Anzeichen, die das verlangsamen – wäre dies eine Katastrophe.“

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