Eine Frau weint, als sie das Uvalde Civic Center verlässt.
  • Eine Frau weint, als sie das Uvalde Civic Center verlässt.
  • Foto: picture alliance/dpa/The San Antonio Express-News/AP | William Luther

„Hätte schlimmer sein können“: Gouverneur sorgt nach Texas-Massaker für Entsetzen

„Kranker Bastard“ oder „peinlich“: So wird ein Demokrat auf einer Pressekonferenz zu dem tödlichen Amoklauf in Texas beschimpft. Grund für den Eklat: das Thema Waffen. Auch der Gouverneur des Bundesstaates sorgt mit seiner Einschätzung der Lage für Irritationen. Die Emotionen kochen hoch.

Der politische Streit über strengere Waffengesetze ist nach dem tödlichen Massaker an einer Grundschule im US-Bundesstaat Texas wieder offen ausgebrochen. Bei einer Pressekonferenz mit dem republikanischen Gouverneur des Bundesstaats, Greg Abbott, kam es am Mittwochnachmittag (Ortszeit) zum Eklat.

Abbott und weitere Offizielle äußerten sich bei dem Termin in der Kleinstadt Uvalde erstmals detailliert zu dem Blutbad an der Robb Elementary School. Ein Schütze hatte dort am Dienstag 19 Kinder und zwei Lehrer getötet, bevor er von der Polizei erschossen wurde. Der 18-Jährige hatte Ermittlern zufolge im März innerhalb weniger Tage in einem Geschäft zwei Sturmgewehre und Munition gekauft. Er hatte seine Tat kurz zuvor auf Facebook angekündigt, wie Abbott sagte.

„Kranker Bastard“: Politiker auf Pressekonferenz in Uvalde übel beschimpft

Der Demokrat Beto O’Rourke befand sich während der Veranstaltung in Uvalde im Publikum und warf dem Republikaner vor, nichts gegen die grassierende Waffengewalt in den USA zu unternehmen. Der 49-Jährige will bei der nächsten Gouverneurswahl in Texas im November gegen Abbott antreten. Abbott reagierte auf die Vorwürfe nicht, während andere Offizielle O’Rourke zur Ordnung riefen und ihn dazu aufforderten, den Saal zu verlassen.

Ein Mann rief O’Rourke zu: „Sie fallen aus dem Rahmen, und Sie sind peinlich.“ Ein anderer Mann beschimpfte den Demokraten wüst und sagte: „Ich kann nicht fassen, dass Sie ein kranker Bastard sind, der aus einer Sache wie dieser ein politisches Thema machen will.“ Auf Videos ist zu sehen, wie anschließend mehrere Menschen durcheinander rufen.

O’Rourke verließ nach der verbalen Auseinandersetzung den Raum. „Wir können etwas tun“, sagte er im Anschluss sichtlich aufgebracht vor laufenden Kameras. Abbott kümmere sich mehr um seine politische Karriere als die Menschen in Texas. „Das ist gestört“, rief O’Rourke.

Der Demokrat Beto O'Rourke (r), der in diesem Jahr gegen den texanischen Gouverneur Abbott antritt, unterbricht eine von Abbott geleitete Pressekonferenz.
Der Demokrat Beto O’Rourke (r), der in diesem Jahr gegen den texanischen Gouverneur Abbott antritt, unterbricht eine von Abbott geleitete Pressekonferenz.

Gouverneur über Texas-Massaker: „Hätte schlimmer sein können“

Abbott führte in der Pressekonferenz diese und ähnliche Taten nicht auf den leichten Zugang zu Waffen, sondern auf eine Zunahme von psychischen Erkrankungen zurück. Er lobte außerdem die Polizei und merkte an: „Die Realität ist, so schrecklich wie das, was passiert ist, es hätte schlimmer sein können.“

Zahlreiche Amerikaner reagierten entsetzt auf Abbotts Aussagen. So kommentierte etwa der Podcaster Brian Tyler Cohen auf Twitter: „Heilige Scheiße.“

Ein weiterer Twitter-User schrieb: „Stellen Sie sich vor, einer dieser Eltern zu sein. Das dann zu hören.“ Daran anschließend kommentierte ein weiterer: „Wenn Sie einer der Eltern eines toten Kindes sind, hätte es nicht schlimmer sein können.“ Eine dritte bezeichnete Abbott als „schwachsinniges A*loch“.

Der 64-Jährige ist ein ausgesprochener Befürworter von lockeren Waffengesetzen. Die Waffenlobby-Organisation National Rifle Association (NRA) plant an diesem Freitag ihre Jahresversammlung in Texas. Bei dem Treffen in Houston soll auch Bidens republikanischer Vorgänger Donald Trump sprechen.

Texas-Gouverneur Greg Abbott (l.) ist ein guter Freund von Ex-Präsident Donald Trump.
Texas-Gouverneur Greg Abbott (l.) ist ein guter Freund von Ex-Präsident Donald Trump.

Demokraten und Republikaner streiten über schärfere Waffengesetze in den USA

Eine Verschärfung der Waffengesetze in den USA scheitert seit vielen Jahren an einer grundlegenden Uneinigkeit zwischen Demokraten und Republikanern in dieser Frage. Während viele Demokraten seit langem eine substanzielle Verschärfung der Vorschriften für Waffenbesitz im Land fordern, sind viele Republikaner vehement dagegen. „Ich habe einfach satt, was da vor sich geht“, sagte US-Präsident Joe Biden am Mittwoch und warb einmal mehr für eine Reform der Waffengesetze im Land. Viele Änderungen könnten einen Unterschied machen, ohne dass sich dies negativ auf den zweiten Verfassungszusatz auszuwirken würde.


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Das Recht auf Waffenbesitz in den USA ist in der Verfassung verankert. Der entsprechende Passus stammt aus dem 18. Jahrhundert. Biden betonte, bei der Verabschiedung des zweiten Verfassungszusatzes habe es bestimmte Waffen noch gar nicht gegeben. Dass ein 18-Jähriger heute einfach in ein Geschäft gehen könne, um Kriegswaffen zu kaufen, sei nicht richtig. „Das ist gegen den gesunden Menschenverstand.“ Der US-Präsident kündigte an, er wolle „in den nächsten Tagen“ mit seiner Ehefrau Jill nach Texas reisen und sich dort mit Familien treffen.

Noch ein Schul-Massaker geplant?

Ein Vorfall in der texanischen Stadt Richardson sorgte am Mittwoch außerdem für Aufregung. Die Polizei wurde über einen Jugendlichen informiert, der bewaffnet in Richtung einer Schule laufen würde. Der verdächtige Schüler sei schließlich von der Polizei in der Schule aufgegriffen worden – Waffen seien aber nicht bei ihm gefunden worden, hieß es in einer Mitteilung.

Allerdings hätten die Beamten im Kofferraum des Autos des Verdächtigen auf dem Parkplatz Waffen entdeckt. Der Jugendliche sei festgenommen worden – weitere Details gab die Polizei nicht bekannt. (mik/dpa)

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