Eine Hausärztin zieht in ihrer Praxis eine Spritze mit Comirnaty-Impfstoff des Herstellers Biontech/Pfizer auf.
  • Eine Hausärztin zieht in ihrer Praxis eine Spritze mit Comirnaty-Impfstoff des Herstellers Biontech/Pfizer auf.
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Geimpfte und Genesene: Wie lange hält der Schutz vor einer Corona-Infektion?

Berlin –

Immer mehr Menschen in Deutschland sind vollständig gegen das Coronavirus geimpft oder haben die Infektion hinter sich. Nach den Erleichterungen für diese Gruppen stellt sich noch einmal dringlicher die Frage: Wie lange hält ihr Schutz überhaupt?

Manche Krankheiten wie Masern steht man einmal im Leben durch – und wenn man erneut mit dem Erreger in Kontakt kommt, hat man nichts mehr zu befürchten. Bei anderen Krankheiten – wie zum Beispiel beim Gelbfieber – gilt eine einzige Impfung als ausreichend für lebenslange Immunität. Doch bei Sars-CoV-2 ist es komplizierter. Auch, weil nicht alle Menschen gleich auf Infektion oder Impfung reagieren.

Schutz vor Corona nach Impfung oder Erkrankung

Trotz des Wegfalls vieler Alltagsbeschränkungen für Geimpfte und Genesene seit Sonntag sollte man nicht vergessen: Eine Impfung schützt nicht zu 100 Prozent und man weiß auch noch nicht genau, wie lange der Immunitäts-Effekt nach einer Impfung oder durchgemachten Infektion anhält. Klar ist, dass der Schutz mit der Zeit nachlässt. Bislang gibt es keine Erfahrungswerte über lange Zeiträume, dafür sind Virus und auch Impfstoffe einfach zu neu.

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Das Virus werde durch Impfungen nicht verschwinden, betonte kürzlich der Präsident des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler: Sie gäben zwar eine Grundimmunität, die die Erkrankung verhindere oder die Schwere abmildere. „Aber sie verhindern nicht immer, dass eine Infektion mit dem Sars-CoV-2 geschieht.“ Auch bei Geimpften bestehe ein Restrisiko, dass sie sich infizieren und andere anstecken können.

Mehr Antikörper durch Impfung als durch Infektion

Was lässt sich bisher sagen? Experten unterscheiden mehrere Arten von Antikörpern, die zumindest wichtige Hinweise zur Immunität liefern. Was das Vermeiden von schwerer Krankheit und Tod angeht, rechnen Fachleute mit verlässlicher Abwehr auch noch nach einiger Zeit: Bisherige Daten von Genesenen zeigten relativ stabile Werte. „Da kann man bei vielen Genesenen von einer Immunität von einem Jahr ausgehen,“ sagte Immunologe Carsten Watzl.

Durch Impfungen rechnet Watzl mit einem noch besseren, möglicherweise mehrjährigen Schutzeffekt vor schweren Verläufen bis hin zum Tod: Damit würden höhere Antikörperspiegel erreicht als bei der natürlichen Infektion.

Fremdschutz schwindet schneller

Weniger langanhaltende Effekte werden für den sogenannten Fremdschutz erwartet: Mit der Zeit scheinen Genese wieder mehr zur Verbreitung des Virus beizutragen. Schwindender Schleimhautschutz könnte Virologe Christian Drosten zufolge auch beim schlimmen Wiederaufflammen der Pandemie in Indien eine Rolle gespielt haben.

Insbesondere nach milden Verläufen gehe dieser Schutz „nach zwei, drei Monaten“ verloren, so Drosten. Nach schweren Verläufen halte er länger, „sicherlich einige Monate“. 

Dass dieser Schutz nachlässt, ist Experten schon lange bewusst, auch bei Geimpften wird der Effekt erwartet. Das hängt auch mit dem Ort der Immunreaktion zusammen: Die Impfung in einen Muskel ruft vor allem Antikörper hervor, die im Blut zirkulieren – diese wandern aber von dort auch in die Atemwege. Sinken die Spiegel im Blut, lässt auch der Schutz der Schleimhäute nach.

Hersteller arbeiten an Auffrischungsimpfstoffen

Um die Dauer des Schutzes zu erhöhen, arbeiten Hersteller an Auffrischungsimpfstoffen. Drosten zufolge könnten diese zum Winter hin zum Einsatz kommen. RKI-Chef Wieler sagte am Freitag, man werde anhand von Studien sehen, wann eine Auffrischung angezeigt sei. „Wir werden noch öfter impfen müssen.“ Aber Zeitabstände könne man noch nicht benennen.

Besser abgedeckt werden sollen mit zusätzlichen Impfungen auch neue Virusvarianten, die der Immunantwort entgehen können. Aktuell sind diese in Deutschland noch selten. Doch mit zunehmendem Anteil von Geimpften und Genesenen in der Bevölkerung könnten sie ihre Vorteile gegenüber anderen Varianten ausspielen. Im Fokus sind momentan die in Südafrika und Brasilien entdeckten Mutanten B.1.351 und P.1.

Vermutlich keine jährliche Impfung für alle nötig

Der Chef des Pharmakonzerns Pfizer, Albert Bourla, sagte kürzlich laut US-Medien, er halte künftig jährliche Corona-Impfungen für möglich. Eine Aussage, über die sich Immunologen wunderten, sagte Watzl: „Für den Großteil der Bevölkerung ist nicht zu erwarten, dass das gesamte Prozedere jedes Jahr wiederholt werden muss.“

Eine Dosis pro Saison – ähnlich wie bei der Grippeschutzimpfung – bräuchten voraussichtlich jene Menschen, deren Immunsystem nicht mehr so gut auf eine Impfung anspricht, etwa aus Altersgründen oder wegen Immunschwäche durch Vorerkrankungen. Für sie sei es auch wichtig, durch ein geimpftes Umfeld mitgeschützt zu werden. Dafür reichten voraussichtlich Auffrischungen im Abstand von mehreren Jahren. (dpa)

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