Joshua Kimmich vor einem Spiel
Joshua Kimmich vor einem Spiel
  • Joshua Kimmich hat mit seinem Impf-Geständnis eine heiße Debatte angestoßen.
  • Foto: dpa | Carmen Jaspersen

Experten widersprechen: Darum sind Kimmichs Sorgen grundlos!

Dass der Fußballspieler Joshua Kimmich noch nicht gegen Covid-19 geimpft ist, hat bei vielen Experten für Unverständnis gesorgt. Zwar schließt der Bayern-Star eine Impfung nicht kategorisch aus, hat aber wegen fehlender Langzeitstudien Bedenken. Mediziner widersprechen ihm heftig.

Ganz klar, Joshua Kimmich ist kein Querdenker. Er leugne Corona nicht, halte sich an Schutzmaßnahmen und könne sich auch gut vorstellen, sich noch gegen das Virus piksen zu lassen, betonte der Nationalspieler gegenüber dem Sender „Sky“. Bislang sei er aber nicht geimpft, weil er Bedenken wegen fehlender Langzeitstudien habe.

Experte Carsten Watzl: Missverständnis hält sich hartnäckig

Medizinern zufolge ist die Sorge vor erst Monate oder gar Jahre nach der Impfung auftretenden Nebenwirkungen aber unbegründet. „Was offensichtlich viele Menschen unter Langzeitfolgen verstehen, nämlich dass ich heute geimpft werde und nächstes Jahr eine Nebenwirkung auftritt, das gibt es nicht, hat es noch nie gegeben und wird auch bei der Covid-19-Impfung nicht auftreten“, erklärte Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, am Sonntag.

Das Missverständnis halte sich bei vielen Menschen hartnäckig. „Was man bei Impfungen unter Langzeitfolgen versteht, sind Nebenwirkungen, die zwar innerhalb von wenigen Wochen nach der Impfung auftreten, die aber so selten sind, dass es manchmal Jahre braucht, bis man sie mit der Impfung in Zusammenhang gebracht hat“, erläutert er.


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Die Corona-Impfstoffe sind aber angesichts der vielen Impflinge in den vergangenen Monaten gut getestet. „Man muss bedenken, dass mittlerweile sieben Milliarden Dosen Covid-19-Impfstoff an Menschen verimpft worden sind“, so Thomas Mertens, Vorsitzender der Ständigen Impfkommission (Stiko). Durch begleitende Studien wisse man, dass es nur zu einigen Nebenwirkungen kam, die „alle recht kurze Zeit nach der Impfung“ aufgetreten seien.

Dass es noch keine Zehn-Jahres-Beobachtungsstudien geben könne, sei klar. Das gelte aber auch für alle anderen Impfstoffe und neuen Medikamente. In der Wissenschaft sei man sich einig, dass spät auftretende Nebenwirkungen nach einer Impfung „nicht vorkommen, beziehungsweise extrem selten bei einzelnen Impfstoffen“ gewesen seien.

Lauterbach lädt Kimmich zum Gespräch ein

Aus der AfD bekam Kimmich hingegen Unterstützung: Die persönliche Entscheidung müsse respektiert werden, erklärte Fraktionschefin Alice Weidel am Montag. Dass Kimmich nun „laufend genötigt“ werde, sich zu rechtfertigen, sei übergriffig.

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Die Bundesregierung und Mediziner schreiben dem 26-Jährigen aber eine Vorbildrolle zu. Alle Fragen seien natürlich berechtigt, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin. Zu Aspekten wie Art und Wirkung der Impfstoffe oder möglichen Impffolgen gebe es aber „klare und überzeugende Antworten“ nationaler und internationaler Experten. Er hoffe daher, „dass Joshua Kimmich diese Informationen alle noch mal auf sich wirken lässt und sich dann auch vielleicht für die Impfung entscheiden kann“, sagte Seibert. „Eine Impfung bei ihm wäre wertvoll, denn davon geht eine enorme Symbolwirkung aus für junge Leute, die epidemiologisch ein Problem darstellen“, sagte auch SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach bei „Sport 1“.

Auch die Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, Alena Buyx, hofft, dass sich der Fußball-Star noch impfen lässt. Kimmich sei „einer Falschinformation aufgesessen“, sagte sie am Montag dem Sender „Sky“. „Er ist ganz schlecht beraten.“ Lauterbach hat Kimmich über Twitter angeboten, seine Sorge in einem Gespräch mit wissenschaftlichen Daten zu widerlegen. (ncd/dpa)

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