Chinesinnen sitzen weinend am Boden.
  • Für viele Chinesinnen und Chinesen ist die Evergrande-Krise existenzbedrohend.
  • Foto: AFP/NOEL CELIS

Immobiliengigant kurz vor dem Kollaps: Droht China der Finanz-Crash?

Der hochverschuldete chinesische Immobiliengigant Evergrande steht kurz vor dem Kollaps. Rating-Agenturen warnen vor einer Zahlungsunfähigkeit, der Aktienkurs brach um 80 Prozent ein. Der Konzern braucht Geld – und zwar dringend.

Der strauchelnde Immobilien-Riese Evergrande hält die Finanzwelt in Atem: Der zweitgrößte Immobilienentwickler Chinas hat einen Schuldenberg von umgerechnet rund 260 Milliarden Euro angehäuft – und kann anstehende Zinszahlungen nicht mehr begleichen. Auch Zulieferer und Kleinanleger wollen Geld sehen, darunter viele Mitarbeiter, denen das Unternehmen mehrere Milliarden Dollar schuldet.

Sorge um Evergrande: China will Immobiliensektor beruhigen

Der Immobiliensektor macht in China Schätzungen zufolge rund 30 Prozent der Wirtschaftsleistung aus – gilt aber als überheizt und basiert auf Schulden. Auch Evergrande hatte sein schnelles Wachstum in den vergangenen Jahren überwiegend mit Krediten finanziert. Doch damit ist nun Schluss: Um den Sektor zu beruhigen, führte China im August 2020 eine Verschuldungsgrenze für Immobilienunternehmen ein. Deshalb bekommt Evergrande kaum noch neue Kredite – und ist in Zahlungsverzug geraten.


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Um wieder liquide zu werden, muss Evergrande – das als das am höchsten verschuldete Immobilienunternehmen der Welt gilt – jetzt Immobilien und Firmenanteile verkaufen. Erst vergangene Woche hatte der Konzern deshalb eine Bank-Beteiligung für umgerechnet 1,3 Milliarden Euro verkauft. Doch das reicht nicht. Und der Konzern ist so groß, dass einige Experten eine „Ansteckungsgefahr“ für Chinas Wirtschaft und darüber hinaus befürchten.

Evergrande als Exempel? Chinesische Regierung zögert einzugreifen

Die chinesische Regierung zögert aber, dem Immobilienriesen zu Hilfe zu kommen. Denn sie will für Ordnung auf dem hoch spekulativen und boomenden Immobilienmarkt in China sorgen und könnte mit Evergrande ein Exempel statuieren wollen. Nach Presseberichten soll die Führung in Peking Lokalregierungen dazu aufgefordert haben, sich auf ökonomische und soziale Folgen einer möglichen Pleite des Konzerns einzustellen. Nach Angaben des „Wall Street Journal“ warten im ganzen Land rund 1,4 Millionen Käufer auf den Bau oder die Fertigstellung von Evergrande-Wohnungen.

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Doch nun gibt es einen kleinen Lichtblick: Am Montag wurde der Handel mit den Evergrande-Aktien an der Hongkonger Börse plötzlich ausgesetzt – denn chinesischen Medienberichten nach stand eine größere Transaktion bevor. Für umgerechnet rund 4,4 Milliarden Euro will Evergrande 51 Prozent einer Tochterfirma an ein anderes chinesisches Immobilienunternehmen namens „Hopson Development“ verkaufen. Das könnte dem wankenden Riesen zumindest etwas Zeit verschaffen. Eine dauerhafte Lösung ist es aber kaum. (ncd/dpa)

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