Kleiner Sikh-Junge
Kleiner Sikh-Junge
  • Ein kleiner Junge bei einer religiösen Sikh-Prozession in der Millionenstadt Amritsar in Punjab.
  • Foto: picture alliance/dpa

Dieses Land ist bald größer als China – und steht vor enormen Herausforderungen

Indien – da denken viele zuerst an Tandoori Chicken, heilige Kühe und Menschenmassen. Letzteres ist kein reines Klischee, in Indien leben bald mehr Menschen als in jedem anderen Land des Planeten: 18 Prozent der Weltbevölkerung! Indien ist faszinierend, arm, reich, bunt – und wird aktuell von Außenministerin Baerbock umworben: Als Gegengewicht zu China.

Bei ihrem ersten Besuch in Neu-Delhi schmeichelte Annalena Baerbock Indien – es fühle sich an wie ein Besuch bei einem guten Freund. So charmant ist sie aus guten Gründen: Sie will die Partnerschaft in der Sicherheits-, Klima- und Wirtschaftspolitik ausbauen und ein Gegengewicht zu China bilden. „Indien hat nicht nur den Vorsitz der G20-Runde der führenden Industrie- und Schwellenländer übernommen, sondern auch globale Verantwortung“, erklärte Baerbock bei einem Treffen mit Außenminister Subrahmanyam Jaishankar in Neu-Delhi. 

Denn bald gibt’s auf der ganzen Welt kein Land, in dem mehr Menschen leben: Indien wird in ein paar Monaten wohl offiziell die weltgrößte Bevölkerung haben. Momentan leben die meisten Menschen noch in China, aber 2023 ändert sich das laut UN-Prognose. Denn Indien wächst, während China eher schrumpft.

Bevölkerung: Die meisten Inder sind jung

Und die Leute sind jung: Zwei Drittel der Bevölkerung – also rund 900 Millionen Menschen – sind zwischen 15 und 64. Diese Zahl wird weiter wachsen – während hier im Westen die Bevölkerung immer näher ans Seniorenalter rückt. „Demografische Dividende“ nennen das indische Politiker – eine Chance für Erfolg und Entwicklung

Blick auf Mumbai: Glanz und Elend liegen nah beieinander. PantherMedia / Dmitry Rukhlenko
Mumbai
Blick auf Mumbai: Glanz und Elend liegen nah beieinander.

Aber es gibt ein Problem: Zwar wächst die Wirtschaft, aber es gibt zu wenig Jobs, viele junge Leute sind arbeitslos. Obendrein sind gute Ausbildungen schwer zu kriegen. Und von den Frauen arbeitet gerade mal ein Drittel, was auch daran liegt, dass Indien in Sachen Emanzipation ein Entwicklungsland ist.

Auf dem Subkontinent haben es viele Millionen Menschen sehr, sehr schwer – obwohl es weniger Armut gibt als früher, leben dort mehr arme Menschen als in jedem anderen Land der Welt. Auch die Ungleichheit ist riesig – und sie nimmt zu: Laut der Hilfsorganisation Oxfam besitzen zehn Prozent der Bevölkerung 77 Prozent des Reichtums.

In Indien dramatisch knapp: Wasser

Was auch immer knapper wird: Wasser! Zwar leben in dem Land leben laut Weltbank gut 18 Prozent der Weltbevölkerung, doch nur vier Prozent der Wasserressourcen gibt es hier. Und durch den Klimawandel wird die Situation schlimmer. Auch von dieser Krise besonders betroffen sind die Frauen. Denn sie sind es, die weit laufen und stundenlang in Schlangen bei Wasserpumpen warten müssen.

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Immerhin in einer Sache wird die weibliche Selbstbestimmung gerade stärker: Frauen verhüten häufiger. Rund zwei Drittel der Paare tun es, vor fünf Jahren war es nur die Hälfte. Seit einiger Zeit haben Inderinnen nach offiziellen Zahlen im Schnitt nur noch zwei Kinder in ihrem Leben, das ist weniger als die für eine stabile Bevölkerung nötige Reproduktionsrate von 2,1.

Demografische Dividende hin oder her: Für Mensch und Natur in Indien ist das keine schlechte Nachricht.

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