Unwort des Jahres
Unwort des Jahres
  • Constanze Spieß, Professorin am Institut für Germanistische Sprachwissenschaft AG Pragmalinguistik Pilgrimstein der Philipps-Universität Marburg, zeigt das Unwort des Jahres.
  • Foto: picture alliance/dpa

Das Unwort des Jahres 2022 steht fest

Wenn junge Menschen sehr aktiv werden, um auf die akuten Probleme unseres Planeten hinzuweisen, werden sie von einigen als „Klimaterroristen“ beschimpft. Ein Unwort. Sogar DAS Unwort des Jahres! Dazu wurde der Begriff nämlich gerade erklärt, wie die sprachkritische „Unwort“-Aktion in Marburg bekanntgab.

Der Ausdruck sei im öffentlichen Diskurs benutzt worden, um Aktivisten und deren Proteste für mehr Klimaschutz zu diskreditieren, begründete die Jury ihre Wahl. Sie kritisierte die Verwendung des Begriffs, weil Aktivistinnen und Aktivisten mit Terroristen „gleichgesetzt und dadurch kriminalisiert und diffamiert werden“.

Gewaltlose Protestformen zivilen Ungehorsams und demokratischen Widerstands würden so in den Kontext von Gewalt und Staatsfeindlichkeit gestellt, rügte die Jury. Zudem verschiebe der Begriff „den Fokus der Debatte von den berechtigten inhaltlichen Forderungen der Gruppe hin zum Umgang mit Protestieren.“

„Sozialtourismus“ ist auf Platz zwei der Jury

Der Ausdrucke zähle zu einer Reihe von weiteren Begriffen aus der öffentlichen Debatte, die Aktivistinnen und Aktivisten sowie deren Ziele diffamierten – unter anderem „Ökoterrorismus“ oder „Klima-RAF“.

Auf Platz zwei setzte die Jury den Ausdruck „Sozialtourismus“. Der ist ein alter Bekannter aus dem Unwortschatz – er wurde nämlich schon 2013 zum Unwort gewählt. CDU-Chef Friedrich Merz hatte das Wort im vergangenen September im Zusammenhang mit Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine verwendet und sich später dafür entschuldigt. Der Begriff diskriminiert die Geflüchteten, die in Deutschland Schutz suchten, so die Jury

Weiteres Unwort: „defensive Architektur“

Die Formulierung „defensive Architektur“ landete auf dem dritten Platz. Damit werde eine Bauweise bezeichnet, die vorrangig verhindert, dass Wohnungslose länger an öffentlichen Orten verweilen können – zum Beispiel auf Parkbänken. Die Jury sieht darin eine „menschenverachtende Bauweise“, der Begriff „defensive Architektur“ sei hingegen beschönigend und irreführend.

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Die Jury der „Sprachkritischen Aktion“ erhielt diesmal mehr als 1400 Vorschläge. Beliebt waren einer Jury-Sprecherin zufolge ebenfalls Begriffe wie „Spezialoperation“, „Sondervermögen“ oder „(Doppel-)Wumms“.

Unwort 2021 war „Pushback“

Im vergangenen Jahr wurde der Begriff „Pushback“ zum Unwort des Jahres gekürt. Damit werde ein menschenfeindlicher Prozess des Zurückdrängens von Flüchtenden an den Grenzen beschönigt, erklärte das sprachwissenschaftliche Gremium zur Begründung. 2020 waren erstmals zwei Begriffe zu Unwörtern des Jahres gewählt worden: „Corona-Diktatur“ und „Rückführungspatenschaften“.

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