Der Club of Rome, vertreten durch Jorgen Randers (l-r), Ko-Autor "Grenzen des Wachstums", Johan Rockström, Direktor des Potsdam Instituts für Klimafolgenforschung, Sandrine Dixson-Declève, Ko-Präsidentin des Club of Rome, und Per Espen Stoknes, Norwegian Business School
  • Der Club of Rome, vertreten durch Jorgen Randers, Co-Autor „Grenzen des Wachstums“, Johan Rockström, Direktor des Potsdam Instituts für Klimafolgenforschung, Sandrine Dixson-Declève, Co-Präsidentin des Club of Rome, und Per Espen Stoknes, Norwegian Business School (v.l.), stellt seinen Bericht zur Zukunft der Menschheit vor.
  • Foto: dpa | Wolfgang Kumm

Neuer Club-of-Rome-Report: So kann sich die Menschheit noch retten

Wie kann man die Welt noch retten? Mit dieser Frage beschäftigt sich der Club of Rome – ein Zusammenschluss von verschiedenen Wissenschaftler:innen. Neben einer düsteren Bilanz über die aktuelle Lage der Welt macht der Bericht auch Hoffnung – denn für die Rettung der Menschheit sei es noch nicht zu spät.

Vor 50 Jahren rüttelte der Thinktank Club of Rome mit seinem Bericht „Die Grenzen des Wachstums“ die Welt auf. Sie gilt heute als einflussreichste Publikation zur drohenden Überlastung unseres Planeten. Wenn sich die globale Wirtschaftsweise nicht ändere, brächen Ökonomie, Umwelt und Lebensqualität zusammen, warnte die Forschergruppe basierend auf einer Computersimulation – und stieß bis heute nachwirkende Debatten an. Nun gibt es einen neuen Bericht, der am Dienstag in deutscher Fassung erschienen ist.

Anschauliche Darstellungen zeigen: Für die Rettung der Welt ist noch nicht zu spät!

In „Earth for All“ geht es um nichts weniger als die wichtigsten Maßnahmen, mit denen eine lebenswerte Zukunft der Menschheit noch möglich wäre. Es ist noch nicht zu spät – das vermittelt der Bericht, Ergebnis einer zweijährigen Forschungszusammenarbeit vieler Fachleute, sehr eindringlich. Seine Beschreibungen sind anschaulich, die vorgeschlagenen Lösungen gut nachvollziehbar und oft sehr konkret.

Auch in „Earth for All“ spielen Daten zum Zustand der Erde eine Rolle, vor allem aber geht es darum, was konkret getan werden muss, um das Steuer menschlicher Entwicklung noch zum Positiven herumzureißen. Die Zukunft der Menschheit hängt demnach vor allem von „fünf außerordentlichen Kehrtwenden“ ab: Beendigung der Armut, Beseitigung der eklatanten Ungleichheit, Ermächtigung der Frauen, Aufbau eines für Menschen und Ökosysteme gesunden Nahrungsmittelsystems und Übergang zum Einsatz sauberer Energie.

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Zu den Hauptautoren gehören Sandrine Dixson-Declève, die Ko-Präsidentin des Club of Rome, und der Erdsystemwissenschaftler Johan Rockström, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung. Für den Bericht nutzte die Gruppe eine Computersimulation, das „Earth4All“-Modell. Unter einer Vielzahl möglicher Szenarien wurden für das Buch zwei ausgewählt, genannt „Too Little Too Late“ (Zu wenig zu spät) und „Giant Leap“ (Riesensprung).

Sandrine Dixson-Declève, Club of Rome
Sandrine Dixson-Declève vom Club of Rome – eine der Hauptautorinnen des Berichts. (Archivbild)

„Too Little Too Late“ zeige, was passieren könnte, wenn das derzeit dominierende Wirtschaftssystem mehr oder weniger so weiterläuft wie in den letzten 50 Jahren. „Demgegenüber fragt ‚Giant Leap‘, was passierte, wenn das Wirtschaftssystem durch mutige, außerordentliche Bemühungen zum Aufbau einer resilienteren Zivilisation umgestaltet würde.“ Anschaulich gemacht werden die potenziellen Entwicklungen der kommenden Jahrzehnte am fiktiven Schicksal von vier 2020 geborenen Mädchen aus China, den USA, Bangladesch und Nigeria.

Immer wieder betonen die Expertinnen und Experten, dass sie mehr Gleichheit und Gerechtigkeit als Königsweg für eine lebenswerte Zukunft ansehen. Ein extremes Maß an Ungleichheit sei äußerst destruktiv, „auch für die Reichen“, so die Warnung. „Es begünstigt Verhältnisse, die für alle gefährlich sind.“

Bildung für alle als wichtiger Faktor für eine bessere Zukunft

Ein weiterer Faktor, den die Experten für sehr wichtig halten: Bildung, die kritisches Denken und komplexes Systemdenken vermittle, für Mädchen gleichermaßen wie für Jungen. „Denn die bedeutendste Herausforderung unserer Tage ist nicht der Klimawandel, der Verlust an Biodiversität oder Pandemien“, so die Gruppe. „Das bedeutendste Problem ist unsere kollektive Unfähigkeit, zwischen Fakten und Fiktion zu unterscheiden.“ Es gebe in sozialen Medien eine Industrie der Falsch- und Desinformationen, was der Polarisierung von Gesellschaften Vorschub leiste und dazu beitrage, „dass wir angesichts der kollektiven Herausforderungen unfähig sind, zusammenzuarbeiten oder uns auch nur über Grundtatsachen zu verständigen“.

Zu den Herausforderungen bei der Transformation des globalen Energiesystems zähle die „sehr reale Gefahr“ einer gesellschaftlichen Destabilisierung im Zuge der Umgestaltung des Energiesystems. „Wenn die ärmste Mehrheit von den steigenden Energiekosten am stärksten betroffen ist, werden diese Menschen gegen die Energiepolitik protestieren.“

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„Wir wissen, was Sie jetzt sagen werden“, heißt es zum Ende der Ausführungen. „Die Aufgaben sind gewaltig. Die Hindernisse sind riesig. Die Gefahren sind enorm. Die Zeit, die uns bleibt, ist kurz.“ Die schwersten Aufgaben der schnellsten wirtschaftlichen Transformation der Geschichte müssten im ersten Jahrzehnt angepackt werden. „Jetzt. Wenn Sie dieses Buch zuschlagen.“

Doch so entmutigend Ausmaß und nötige Geschwindigkeit der Transformation erscheinen mögen – vielleicht gebe es eine gute Nachricht: Möglicherweise sei die Entwicklung an mancher Stelle schon weiter als gedacht und es bedürfe nur noch eines Stupses, um sie endgültig in Gang zu bringen. So ehrgeizig der mit „Earth for All“ präsentierte Leitfaden sei, er sei auch „beharrlich optimistisch“. Wie wahrscheinlich es sei, dass wir es schaffen? „Das, liebe Leserinnen und Leser, hängt davon ab, was Sie als Nächstes tun.“ (dpa/mp)

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