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Na endlich!: In diesem Land sind Binden, Tampons & Co. jetzt erstmals kostenlos

Edinburgh –

Große Erleichterung für Frauen in Schottland: Dort sollen Binden, Tampons und ähnliche Menstruationsartikel künftig kostenlos erhältlich sein. Das Parlament in Edinburgh verabschiedete am Dienstagabend einstimmig einen Gesetzentwurf zur Bekämpfung der sogenannten Perioden-Armut. 

Feministische Aktivisten kämpfen schon lange dafür, die weibliche Menstruation zu normalisieren. Ob die „Free Bleeding“-Bewegung, bei der Frauen für freies Bluten ohne Menstruationsartikel eintreten oder die Einführung von Menstruations-Urlaub: Die Ansätze und Forderungen sind vielfältig – jedoch sind sie alle mehr als nötig, denn das Thema Periode ist immer noch ein Tabu, das mit viel Scham besetzt ist, obwohl es eines der natürlichsten Dinge der Welt ist.

Weibliche Periode gilt oft immer noch als „unrein“

In vielen Teilen der Welt gilt das Periodenblut immer noch als „dreckig“, die Frau als „unrein“, wenn sie blutet. Und auch in westlichen Gesellschaften wird die Periode als etwas gesehen, das hoffentlich schnell vorbei geht und so heimlich wie möglich passiert. 

Somit ist der Gesetzentwurf in Schottland ein wichtiger Schritt, denn durch ihn wird nicht nur die sogenannte Perioden-Armut bekämpft und Frauen gestärkt, die sich Menstruationsartikel nicht leisten können – sondern auch ein Zeichen dafür gesetzt, die Periode sichtbarer zu machen und damit auch endlich zu normalisieren. 

Schottische Ministerpräsidentin: „Ich bin stolz“

Demnach muss die schottische Regierung ein landesweites Programm zur Bereitstellung von Menstruationsprodukten einrichten. Schulen und Universitäten sind verpflichtet, eine Auswahl dieser Artikel kostenlos in Toiletten anzubieten. Auch andere öffentliche Einrichtungen können von der Regierung dazu veranlasst werden.

„(Ich bin) stolz darauf, für diese bahnbrechende Gesetzgebung gestimmt zu haben, die Schottland zum ersten Land der Welt macht, das kostenlose Menstruationsprodukte all denjenigen zur Verfügung stellt, die sie brauchen“, twitterte die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon. Es sei eine wichtige Maßnahme für Frauen und Mädchen.

Steuer auf Menstruationsprodukte in Deutschland gesenkt

Schottland gilt als Vorreiter im Kampf gegen die sogenannte Perioden-Armut. Viele haben zu wenig Geld für solche Artikel und greifen während ihrer Periode zu alten Zeitungen, Stofflappen und Klopapier. Etliche Schulen und Universitäten stellen daher dort bereits kostenlos Binden und Tampons zur Verfügung.

Einige Länder versuchen durch Senkung der Mehrwertsteuer die „Perioden-Armut“ zu bekämpfen. So war in Deutschland zu Beginn des Jahres die Mehrwertsteuer auf Menstruationsprodukte von 19 auf 7 Prozent gesenkt worden. Zahlreiche Prominente, darunter Sängerin Lena Meyer-Landrut sowie die Moderatoren Charlotte Roche und Jan Böhmermann, hatten sich dafür eingesetzt.

Schottland: Tampons und Binden mit „angemessener Würde“ 

Die schottische Labour-Abgeordnete Monica Lennon bezeichnete ihren Gesetzentwurf als „praktisch und fortschrittlich“. „Perioden hören nicht wegen Pandemien auf, und die Arbeit zur Verbesserung des Zugangs zu unerlässlichen Tampons, Binden und wiederverwendbaren Produkten war noch nie so wichtig wie heute“, zitierte die Nachrichtenagentur PA die Politikerin.

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Die lokalen Behörden müssen nun entsprechende Artikel unentgeltlich bereitstellen, schrieb die BBC. Die jeweiligen Kommunalverwaltungen sollen entscheiden, welche praktischen Vorkehrungen getroffen werden, aber Tampons und Binden müssten „einigermaßen leicht“ und mit „angemessener Würde“ zugänglich gemacht werden. (alp/dpa)

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