• Foto vor prächtiger Kulisse: Kanzlerin Merkel und Bayerns Ministerpräsident Söder im Prunksaal auf Schloss Herrenchiemsee.
  • Foto: imago images/Sven Simon

Merkel besucht Söder in Bayern: Die neuen deutschen Royals

Herrenchiemsee –

Es ist ein Besuch, der hauptsächlich für eines sorgen soll: schöne Bilder. Kanzlerin Angela Merkel ist aktuell bei Bayerns Ministerpräsident Markus Söder am Chiemsee zu Gast. Und der legte sich ziemlich ins Zeug, um sowohl bei der Kanzlerin Eindruck zu schinden, als auch jegliche Ambitionen auf ihre Nachfolge eilig abzustreiten. Vergeblich: Nicht nur Politik-Experten halten Söder bereits für den nächsten Kronprinzen.

Es gibt genau zwei Plakate bei der Abfahrt von Angela Merkel und Markus Söder vom Schiffsanleger am Chiemsee. Das eine davon ist etwas überraschend: „Frau Merkel Kanzlerin bis 2025 bitte“ steht darauf.

Ein paar Meter daneben steht aber der 90 Jahre alte Rudi Voit vor dem Plakat, das die aktuelle Stimmung besser trifft: „Markus Söder Kanzlerkanditat“, ist dort etwas fehlerhaft zu lesen. Der Senior aus Grassau ruft zusammen mit seinem Sohn Thomas ganz ungeniert zu Söder rüber, er solle kommen und das Plakat unterschreiben. Söder wehrt ab, er habe schlechte Erfahrungen damit, auf Plakaten zu unterschreiben – „das gibt nur Ärger“.

Angela Merkel trifft am Chiemsee auf Markus Söder

Den Ärger will Söder an diesem sonnigen Dienstag offenkundig lieber den auf eine eigene Kanzlerkandidatur hoffenden Kandidaten für den CDU-Vorsitz aus Nordrhein-Westfalen überlassen – Armin Laschet, Friedrich Merz und Norbert Röttgen. Die dürfen sich darüber grämen, wie prominent sich Söder neben der Bundeskanzlerin in Szene setzt und mit wie viel erkennbarer Freude Merkel dabei mitmacht.

Hier die für ihr Krisenmanagement in der Coronakrise international gelobte Kanzlerin mit den glänzenden Umfragewerten, dort der unter den Ministerpräsidenten wie kein Zweiter für sein Handeln gelobte Söder: Als die beiden mit dem Raddampfer „Ludwig Fessler“ zur Herreninsel ablegen, stehen die Menschen am Ufer Spalier und applaudieren – so ähnlich muss es in der Monarchie gewesen sein.

Royales Winken: Merkel und Söder grüßen Schaulustige am Ufer des Chiemsee.

Royales Winken: Merkel und Söder grüßen Schaulustige am Ufer des Chiemsee.

Foto:

imago images/Sammy Minkoff

Ein Passant ruft kurz vor der Abfahrt zu Söder: „Herr Dr. Söder, Sie waren beeindruckend in dieser Phase“. Die Strategen in der bayerischen Staatskanzlei haben mit dem Termin einen echten PR-Coup gelandet, der auch noch von Kaiserwetter profitiert.

Markus Söder (CSU) liegt in Umfragen weit vorn

Erst vor ein paar Wochen lud Söder die wegen ihres engen Terminplans sonst nicht so leicht verfügbare Merkel in sein bayerisches Kabinett ein – und die sagte direkt zu. Es ist das erste Mal überhaupt, dass ein Bundeskanzler oder eine Bundeskanzlerin Gast einer Sitzung der bayerischen Landesregierung sei, sagt Söder. Ob es früher schon mal Einladungen gab, die ausgeschlagen wurden, wisse er nicht.

Der Termin kommt zu einem Zeitpunkt, zu dem Söder alle Umfragen nach dem Wunsch-Kanzlerkandidaten der Deutschen dominiert. 52 Prozent aller Deutschen würden seine Kandidatur gutheißen, ergab am Dienstag eine RTL-Umfrage. Auch Thomas Voit glaubt, dass das Klischee, ein Bayer könne nicht Bundeskanzler werden, falsch ist. „Er hat doch überall in Deutschland sehr gute Werte.“

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Auch Söders stellvertretender Ministerpräsident Hubert Aiwanger von den Freien Wählern anerkennt den Rückenwind seines Regierungspartners. „Die Zahlen sprechen ja für ihn“, sagt Aiwanger, bevor er im prunkvollen Spiegelsaal des Schlosses Herrenchiemsee zusammen mit Merkel und Söder Platz nimmt. 75 Meter lang ist der Saal und damit etwas größer als der aus dem Schloss Versailles, das das Vorbild für das bayerische Schloss ist.

Kanzlerin Angela Merkel war schon mal am Chiemsee

Zur Begrüßung der bayerischen Minister erzählt Merkel, wie sie als Siebenjährige mit ihren Eltern, der Oma und ihrem Bruder auf der Herreninsel war. Aus der DDR seien sie damals nach Bayern gereist, das Schloss gehörte damals unbedingt dazu.

Nachdem sie dann zurückgereist waren, sei nur wenige Tage später die Mauer gebaut worden – in ihrer Kindheit und Jugend habe sie Bayern und das Schloss dann nie mehr besuchen können. (mik/afp)

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