Ein Bild aus Mexiko-City: Mitarbeiter der Stadt laden beschlagnahmte Straßenhändler-Ware auf einen Pickup der Polizei. Sie entsprach nicht den behördlichen Corona-Vorgaben.
  • Ein Bild aus Mexiko-City: Mitarbeiter der Stadt laden beschlagnahmte Straßenhändler-Ware auf einen Pickup der Polizei. Sie entsprach nicht den behördlichen Corona-Vorgaben.
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Mächtige Clans: Wie die Mafia Corona für ihre skrupellosen Machenschaften ausnutzt

Rom/Hanoi/Mexiko-City –

Während Millionen Menschen in der Corona-Pandmie ihr Leben, Angehörige und Existenzen verloren, florierte bei der Mafia das Geschäft prächtig. Mitglieder der mächtigen Clans in Italien und andernorts streckten ihre Verbrecherfinger in unterschiedliche Lebensbereiche aus. Allerdings: Corona zwang auch sie zum Umdenken.

Koks, Gras, MDMA: Bestand das Geschäft der Italo-Mafia bislang vor allem im Schmuggel und Handel von Drogen, ist diese Einnahmequelle mittlerweile fast versiegt. Der Grund: Die Kundschaft brach weg. Wegen strenger Ausgangssperren fiel der Straßenhandel während des Lockdowns flach, der Sommer brachte kaum konsumfreudige Touristen.

Die Corona-Krise ist der perfekte Nährboden für skrupellose Mafiosi

Die Mafiosi verlagerten also ihr Geschäft – und entdeckten eine lukrative Lücke im staatlichen System. „Die durch die Auswirkungen von Covid verursachte Wirtschaftskrise ebnet den Weg für Infiltrationen der Mafia“, sagte Dedalo Pignatone, Abgeordneter aus Sizilien, wo die Cosa Nostra beheimatet ist. Denn: Der ohnehin schon chronisch klamme Staat wurde durch die Pandemie vollends in die Pleite getrieben. Versprochene Hilfskredite flossen nicht oder erst spät, Menschen verloren ihre Jobs, erhielten kaum Arbeitslosengeld, Einzelhändler und Restaurant-Betreiber standen vor dem Ruin.

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Der perfekte Nährboden für skrupellose Mafiosi wie den lokalen Boss Giuseppe Cusimano, der in Palermo Geld und Essen an Bedürftige verteilte. Die Mafia macht das, was eigentlich der Staat tun sollte – aber nicht kann. Bürgermeister Leoluca Orlando sagte zur Nachrichtenagentur Ansa, die Aktion sei „ein weiterer Beweis dafür, dass Cosa Nostra die durch Covid verursachte wirtschaftliche Schwäche gnadenlos ausnutzt“. 

Kredite gegen Wucher-Zinsen

Denn das Engagement war nicht uneigennützig: Die Palermitaner sollten, genau wie Italiener andernorts, das Vertrauen in den Staat verlieren, zeitgleich konnten die Bosse neues Personal rekrutierten. Und: Nicht alle Kredite waren zinslos.

Leere Restaurants in Rom (Symbolbild)

Leere Restaurants in Rom (Symbolbild)

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Der „Spiegel“ berichtet von einem römischen Restaurant-Besitzer, dem zwei Mafiosi im Sommer einen Besuch abstatteten. Da er in finanzieller Not war, boten sie dem Mann Überbrückungshilfen an – zu einem Zinssatz von 30 Prozent! Er lehnte ab – viele andere konnten sich das nicht leisten. So besitzt die Mafia mittlerweile mehr Bars, Restaurants und Geschäfte denn je – und wäscht darin fleißig Geld.

Das miese Geschäft mit den Masken

Daneben scheffelten die Bosse aber auch anderweitig Kohle: Als sich im vergangenen Frühjahr abzeichnete, dass OP-Masken und andere medizinische Schutzausrüstung zur heißbegehrten Mangelware würden, kaufte die italienische Mafia containerweise die Bestände in Asien auf – um sie anschließend zu Wucherpreisen an staatliche und private Krankenhäuser weiterzugeben.

Menschen warten vor einer Mailänder Apotheke, um Desinfektionsmittel und Masken zu kaufen.

Menschen warten vor einer Mailänder Apotheke, um Desinfektionsmittel und Masken zu kaufen. Das Bild entstand im März 2020.

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picture alliance/dpa/TheNEWS2 via ZUMA Wire

Ähnliches passiert gerade mit FFP2-Masken – mit dem Unterschied, dass diese nun nicht nur im professionellen, sondern auch im privaten Sektor für teures Geld unters Volk gebracht werden, wie das Online-Portal „Napoli Today“ berichtet.

Das Geschäft mit den Masken boomt auch andernorts: In Vietnam wurden die Behörden im vergangenen Jahr auf rund 5200 Online-Händler aufmerksam, die nach Panikkäufen Masken und Desinfektionsmittel zu massiv überteuerten Preisen anboten. Die Polizei entdeckte dabei auch eine Firma, die aus Klopapier Masken herstellte.

Auch in Mexiko floriert die Corona-Kriminalität

Auch in Mexiko, das nach offiziellen Zahlen weltweit die drittmeisten Covid-19-Todesfälle zu beklagen hat, wittern Gauner des großen Reibach. Dort sind mittlerweile Sauerstoffflaschen knapp geworden. Zugleich werden immer mehr Behältnisse aus Kliniken geklaut und auf dem Schwarzmarkt zu Wucherpreisen verkauft. Hunderte entsprechende Facebook-Seiten und Webseiten wurden vom Netz genommen. 

„Wir haben keinen Sauerstoff“: Wie hier in Mexiko-City ist er in vielen Städten Mangelware.

„Wir haben keinen Sauerstoff“: Wie hier in Mexiko-City ist er in vielen Städten Mangelware.

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picture alliance/dpa

Auch offline floriert die Corona-Kriminalität: Vor einigen Monaten wurden etwa 14 Krankenpfleger – die in die besonders von der Pandemie betroffene Hauptstadt gekommen waren, um zu helfen – in ihren Hotels festgehalten und Lösegeld von ihren Angehörigen gefordert. Betrüger nutzen zudem die Nachfrage nach Desinfektionsgels. 

„Covid-19 ist nicht nur eine Gesundheits- und Wirtschaftskrise – es ist auch eine Korruptionskrise“

Geld wird auch mit Touristen gemacht: Mexiko hat als eines von wenigen Ländern seine Grenzen nicht geschlossen. Aber: Urlauber müssen bei der Rückkehr daheim oft negative Corona-Tests vorlegen. Kein Problem: Für 800 Peso (33 Euro) besorgt einem etwa ein Mitarbeiter eines Labors im Urlaubsort Cancún eine entsprechende Bescheinigung, wie die Zeitung „El País“ kürzlich berichtete. 

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„Covid-19 ist nicht nur eine Gesundheits- und Wirtschaftskrise – es ist auch eine Korruptionskrise“, sagte Delia Ferreira Rubio, Vorsitzende von Transparency International, kürzlich.  Es ist mit Corona wohl wie bei jeder anderen Notlage: Irgendeiner profitiert immer. 

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