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Klinik für Kinder fassungslos: Corona-Lüge für schwer kranken Sohn hat schlimme Folgen

Tannheim –

Es sind schwer kranke Kinder, die in der Nachsorgeklinik Tannheim in Baden-Württemberg behandelt werden. Jetzt muss die Klinik geschlossen werden, wegen der Lüge eines Vaters eines der jungen Patienten.

„Für die Familien ist das ein bitterer Schlag“, erklärt Thomas Müller, Geschäftsführer der Einrichtung gegenüber dem „Schwarzwälder Boten“. Die Wartezeiten für die Behandlung liegen teilweise bei einem Jahr. Dem geht oft noch ein langes Ringen mit Versicherern bis zu einer Kostenzusage voraus.

Doch für die 60 Kinder und Jugendlichen – mit ihren Familien rund 160 Menschen – mussten ihren wichtigen Aufenthalt in der Klinik jetzt abbrechen. Auch 160 Mitarbeiter wurden nach Hause geschickt.

Vater verschweigt Aufenthalt in Corona-Risikogebiet

Alles verloren, nur wegen einer Notlüge eines Vaters. Angaben der Geschäftsleitung zufolge hatte der Mann verschwiegen, dass er im Risikogebiet Heinsberg war, also dem Gebiet in Nordrhein-Westfalen, aus dem die bislang größte Erkrankungswelle des Coronavirus in Deutschland losrollte.

Der Vater habe sogar mit seiner Unterschrift dafür gebürgt, dass er sich in keinem Risikogebiet aufgehalten habe.

Doch zehn Tage später trat der für alle Beteiligten denkbar schlimmste Fall ein: Der Mann wurde positiv auf das Coronavirus getestet. Mit schlimmen Folgen: Die Klinik musste umgehend geräumt werden, für die Patienten, deren Angehörige und das Klinik-Personal wurde häusliche Quarantäne angeordnet.

Nachsorgeklinik Tannheim muss mindestens 14 Tage schließen

14 Tage muss jetzt alles stillstehen, mindestens. Die Nachsorgeklinik Tannheim hofft, ihren Betrieb wieder ab dem 6. April aufnehmen zu können. Das klappt aber nur, wenn sich auch wirklich niemand infiziert hat.

tannheim klinik schild

Die Nachsorgeklinik Tannheim musste nach dem Corona-Fall eines Angehörigen schließen.

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Und auch sonst sitzt die Enttäuschung über das verantwortungslose Verhalten tief. Denn die Folgen könnten noch fataler sein. Das Haus steht am finanziellen Abgrund, denn: „Die Versicherung weigert sich zu zahlen“, ärgert sich Geschäftsführer Müller.

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Dass ein Corona-Verdacht schwere Auswirkungen für eine Klinik haben wird, die sich auf die Nachsorge von krebs-, herz- und mukoviszidosekranken Kindern spezialisiert hat, war im Zuge der um sich greifenden Pandemie vorauszusehen. Gerade deshalb versuchte man, das Risiko zu minimieren.

Doch was nützt der detaillierteste Fragebogen, wenn er nicht nach bestem Wissen und Gewissen beantwortet wird?

Klage gegen Vater nach Corona-Lüge letztes Mittel

„Wir werden uns vorbehalten, einen Schadensersatzanspruch gegen den Vater geltend zu machen“, erklärt die Klinikleitung. Der Mann müsse mit einer Klage rechnen, auch wenn ein solcher Schritt der letzte sei, den man gehen wolle. „Letztlich ist es auch eine Patientenfamilie“, so Wehrle, zweiter Geschäftsführer der Nachsorgeklinik Tannheim.

Denn hinter der Lüge des Vaters steckt auch ein tragisches Schicksal eines hilfebedürftigen Kindes. Den Mann plage jetzt ein schlechtes Gewissen. „Der Vater war zutiefst betroffen. Wir wissen, dass er nicht in böser Absicht gehandelt hat“, sagte Wehrle „Stuttgarter-Nachrichten.de“. Außerdem sei der Vater eines schwer kranken Kindes ohnehin schon stark belastet.

Die Klinikleitung hofft nun auf Hilfe von der Politik. Ansonsten drohe die Insolvenz. (jv)

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