Ein Mitarbeiter der Firma „Webasto“ war der erste Corona-Patient in Deutschland. 
  • Ein Mitarbeiter der Firma „Webasto“ war der erste Corona-Patient in Deutschland. 
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Keine Antikörper mehr!: Corona-„Patient 1“ in Deutschland: So geht es ihm heute

Wuhan/Stockdorf/Kaufering –

Er war Deutschlands „Patient 1“: ein damals 33-jähriger Mitarbeiter des bayrischen Automobilzulieferers „Webasto“. Am 27. Januar wurde er positiv auf das Coronavirus getestet – als erster Mensch in Deutschland. Wie kam es zu der Übertragung und wie geht es dem Mann heute?

Anfang des Jahres 2020 kamen die ersten Meldungen von einem neuartigen Coronavirus aus der chinesischen Stadt Wuhan nach Europa. „Weit weg“ war das für viele damals noch – und für uns (scheinbar) kaum von Relevanz. Bis am 27. Januar der erste Fall in Deutschland bekannt wurde. Wie war das Virus hierzulande angelangt?

Rückblick: Wie kam das Coronavirus nach Deutschland?

„Patientin 0“ in Deutschland war eine junge Chinesin, die im Shanghaier „Webasto“-Werk arbeitete und am 16. Januar 2020 Besuch von ihren Eltern aus Wuhan bekam. In der Großstadt, die als Epizentrum des Coronavirus gilt, hatten sich bereits zahlreiche Menschen damit infiziert. Am 19. Januar reiste „Patientin 0“ dann aus beruflichen Gründen nach Deutschland: Sie nahm an einer Schulung in Stockdorf bei München teil, wo sich der „Webasto“-Hauptsitz befindet.  

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Nur einen Tag später kam es dann zur Begegnung mit dem Mann, der „Patient 1“ werden sollte. Der 33-jährige „Webasto“-Mitarbeiter aus Kaufering im Landkreis Landsberg traf bei einer Besprechung auf die Chinesin, bei dem Meeting hätten sich „noch alle die Hand gegeben“, wie er schilderte. Er habe direkt neben der Chinesin gesessen und „nebenbei Kaffee getrunken“, erklärte der junge Mann gegenüber der „Berliner Morgenpost“.

Corona-„Patient 1“ sorgte für Medienrummel

Auf ihrem Rückflug am 23. Januar entwickelte die Chinesin erste Symptome, zuhause wurde sie positiv auf das Coronavirus getestet. Am 27. Januar habe sie schließlich die Firmenleitung von „Webasto“ über ihre Erkrankung informiert, die ihre Mitarbeiter darüber in Kenntnis setzte. Gegenüber der „Berliner Morgenpost“ erklärt der damals 33-jährige „Patient 1“: „Ich habe sofort an meine Familie gedacht. Am Wochenende hatte ich Fieber und Schüttelfrost, jedoch keine Atembeschwerden. Trotzdem war ich sofort um meine schwangere Frau und um meine kleine Tochter besorgt. Ich wusste, dass ich mich sofort auf das Virus testen lassen muss.“

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Das tat er und erhielt kurze Zeit später das Testergebnis: Corona-positiv. 18 Tage musste er daraufhin im Isolierzimmer der Klinik Schwabing verbringen. Während dieser Zeit war der Mann einem so großen medialen Interesse ausgesetzt, dass er entschied, anonym zu bleiben, um sich und seine Familie zu schützen.

„Ich habe natürlich auch die Nachrichten verfolgt und war zum Teil erschrocken, welche Erkenntnisse man angeblich über mich und mein Privatleben rausgefunden hatte. Was mich wirklich aufgeregt hat, waren Medien, die über frei erfundene Gespräche zwischen mir und meiner Frau berichteten oder solche, die meinten, sie müssten Reporter zu der Kindertagesstätte meiner Tochter schicken“, berichtet der Kauferinger.

Guter Zustand, keine Antikörper: So geht es Deutschlands erstem Corona-Patienten

Bis Ende Februar hatten sich acht weitere „Webasto“-Mitarbeiter sowie vier Angehörige mit dem Virus infiziert. Trotzdem gab sich „Patient 1“ in einem Gespräch mit dem „Bayrischen Rundfunk“ nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus noch unbesorgt: „Es ist natürlich ein neuer Virus, es ist aber nicht so schlimm wie die Grippe.“

Mit dem heutigen Wissen sieht der Mann das sicher etwas anders und weiß: Er hatte lediglich einen leichten Verlauf. Heute geht es ihm gesundheitlich gut und er ist frei von Corona-Symptomen. Das erklärte Susanne Kilian, Sprecherin der Webasto Group, auf Anfrage der „Berliner Morgenpost“. Dafür seien bei „Patient 1“ keine Antikörper mehr nachweisbar.

Das bedeutet aber nicht, dass er nicht trotzdem eine gewisse Immunität gegen das Virus besitzt. Denn in unserem Körper gibt es Gedächtniszellen, durch die Antikörper bei erneutem Kontakt mit dem Virus viel schneller produziert werden können. Ob sich der Mann noch ein zweites mal anstecken könnte und wie die Krankheit in diesem Fall verlaufen würde, ist jedoch unklar. (prei)

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