Am Kollosseum in Rom treiben sich bereits wieder erste Touristen herum.
  • Am Kollosseum in Rom treiben sich bereits wieder erste Touristen herum.
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Italien atmet auf: Ist das Schlimmste überstanden?

Rom –

Die Bilder sorgten im Frühjahr 2020 für Entsetzen: Weil vor allem in Norditalien das Virus nahezu ungebremst wütete, gab es innerhalb kürzester Zeit einen regelrechten Corona-Tsunami. Kliniken und medizinisches Personal brachen unter der Last zusammen, in Kühllastern stapelten sich Covid-Tote. Nun, gut ein Jahr später, atmet das Land auf. Ist das Schlimmste überstanden?

„Italien ist lebendig, stark und hat den großen Wunsch, neu anzufangen“: Premier Mario Draghi sprühte am Dienstag beim Besuch einer Keramikfabrik in Modena geradezu vor Zuversicht. Man mag es ihm nicht verdenken, wurde sein Land doch arg von der Coronakrise gebeutelt. „Die Monate der Pandemie waren eine gesundheitliche, wirtschaftliche, aber auch eine kulturelle, soziale und pädagogische Katastrophe“, stellte Draghi fest.

Italien schaltet die Corona-Ampel überall auf „weiß“

Nun aber soll alles anders werden: Die Corona-Ampel in Italien wird für alle Regionen auf „weiß“ gestellt. Friaul-Julisch Venetien, Molise und Sardinien sind bereits seit Montag weiß, die anderen Regionen sollen bis übernächste Woche folgen. Bislang sind sie „gelb“, was jetzt schon wieder gewisse Freiheiten wie Restaurantbesuche im Freien, Hotelübernachtungen und Veranstaltungen mit Hygienekonzept erlaubte.

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Im Status „weiß“ soll noch mehr möglich sein – aber nicht alles. So darf etwa die Innengastronomie öffnen, aber nur mit maximal vier Personen pro Tisch – außer alle wohnen im selben Haushalt.

Hoffnungsfroh: Italiens Premier Mario Draghi

Hoffnungsfroh: Italiens Premier Mario Draghi

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imago images/ZUMA Wire

Was die Italiener:innen aber am meisten freuen dürfte: Die nächtliche Sperrstunde von 23 bis 5 Uhr fällt weg. Der Schritt kommt pünktlich zum Start der Sommersaison – und das ist, da sind sich Laien und Expert:innen einig, eine gute Sache. Denn ab Juni spielt sich das Leben in Italien fast ausschließlich im Freien ab – bis auf die Zeit zwischen 12 und 15 Uhr, denn dann ist Siesta. Danach jedoch strömen alle nach draußen und bleiben dort, oft bis weit nach Mitternacht, für Essen, Eis, Klönschnack.

Die Corona-Zahlen rechtfertigen die Aufbruchstimmung

Eine weitere Ausgangssperre wäre aber auch für den wichtigen Tourismus im Land fatal, denn Geschäfts- und Gastronomiebetreiber machen einen Großteil ihres Umsatzes im Sommer erst nach Sonnenuntergang. „Was ich im Land wahrnehme, sind Erleichterung, Begeisterung und den Wunsch (…) wieder produktive und unternehmerische Kräfte freizusetzen. Italien will wieder durchstarten“, verkündete Draghi euphorisch.

Sardinien ist seit Montag „weiß“ – diese Menschen am Strand von Cagliari freut’s.

Sardinien ist seit Montag „weiß“ – diese Menschen am Strand von Cagliari freut’s.

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imago images/Xinhua

Die Corona-Zahlen rechtfertigen die Aufbruchstimmung: Die Sieben-Tage-Inzidenz lag am Dienstag in Italien bei 38,4. Am Montag wurden nur 1820 Neuinfektionen gemeldet – zum Höhepunkt der dritten Welle im März 2021 waren es knapp 24.000. Seitdem sinken die Zahlen kontinuierlich und nachhaltig. Ist das Schlimmste also überstanden?

„Die von der Regierung gewählte Strategie der schrittweisen Wiedereröffnung und die Opfer der Italiener zahlen sich aus“, sagte Regionalministerin Mariastella Gelmini am Dienstag. Hoffnung macht auch die gute Impfquote: Rund 40 Prozent der Italiener:innen hat schon mindestens einen Piks erhalten. Gelmini – und sicher auch ihre Landsleute – hofft: „Das Ende des Ausnahmezustands ist nah.“

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