Haben Kliniken weniger freie Intensivbetten gemeldet, als tatsächlich zur Verfügung standen?
  • In Niedersachsen hat die Zahl der Corona-Intensivpatienten den Grenzwert von fünf Prozent erreicht, bei fünf Tagen in Folge drohen strengere Regeln.
  • Foto: (c) dpa

Infektionen, Inzidenz, Intensivstationen: Ist die dritte Welle bereits gebrochen?

Berlin –

Impfungen, Frühling, Notbremse? Welche Faktoren für die erfreuliche Entwicklung beim Infektionsgeschehen verantwortlich sind, lässt sich schwer sagen. Fest steht: Der positive Trend stabilisiert sich.

Weniger Neuinfektionen, eine sinkende Sieben-Tage-Inzidenz und kein Anstieg mehr bei den Intensivpatienten – beim Infektionsgeschehen hält die positive Entwicklung der vergangenen Tage an.

Pandemie: Positive Entwicklung hält an

Am Mittwochmorgen meldete das Robert Koch-Institut (RKI) 18.034 registrierte Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden – ein Rückgang von 19 Prozent im Vergleich zur Vorwoche (22.231 Neuinfektionen). Auch die Zahl der bundesweit binnen sieben Tagen gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner sinkt weiter: Sie liegt nun bei 132,8 (Vortag: 141,4; Vorwoche: 160,6).

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„Ich denke, wir sind auf dem richtigen Weg“, sagte die Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt, Sandra Ciesek, am Dienstagabend im NDR-Podcast „Das Coronavirus-Update“. Sie führt die positive Entwicklung auf das Impfen zurück, aber auch auf das veränderte Verhalten der Menschen und den beginnenden Sommer. „Das ist immer ein Zusammenspiel.“

Die Physikerin Viola Priesemann vom Max-Planck-Institut ist ebenfalls optimistisch. Sie rechnet mit Inzidenzen von deutlich unter 50 in den nächsten Wochen. Als Grund sieht sie vor allem den Impffortschritt. Gleichzeitig warnt sie jedoch vor zu frühen Öffnungen, berichtet die „Hessische Niedersächsische Allgemeine“ (HNA).

Lage auf Intensivstationen scheint sich zu stabilisieren

In der vergangenen Woche sank die Sieben-Tage-Inzidenz erstmals wieder in allen Altersgruppen, wie das RKI in seinem Lagebericht vom Dienstagabend schreibt. In drei Bundesländern – Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein – liegt die Sieben-Tage-Inzidenz nun unter 100. Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Berlin sind kurz vor Erreichen dieser Marke.

Auch auf den Intensivstationen, wo positive Entwicklungen erst mit einiger Verspätungen spürbar werden, scheint sich die Lage mindestens zu stabilisieren. Am Dienstag lag die Zahl der versorgten Patienten bei 4955 Fällen, auch hier zeigt die Kurve seit Ende April tendenziell nach unten.

„Der Anstieg bei der Zahl an intensivpflichtigen Patientinnen und Patienten scheint aktuell gestoppt“, schreibt das RKI. Auch die Intensivmediziner selbst verbreiten vorsichtigen Optimismus. Noch sei die Lage auf den Stationen angespannt, sagt Gernot Marx, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin, am Mittwoch in einem Youtube-Video. Man hoffe aber, dass bis Ende des Monats die Zahl der Intensivpatienten deutlich gesunken sei. „Das ist unser Licht am Horizont.“

Zahl der Corona-Toten sinkt

Deutschlandweit wurden nach RKI-Angaben vom Mittwoch binnen 24 Stunden 285 neue Todesfälle verzeichnet. Vor genau einer Woche waren es 312 Tote. Die Gesamtzahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 83.876. Die Zahl der seit Beginn der Pandemie in Deutschland nachgewiesenen Infektionen stieg auf 3.451.550. Die Zahl der Genesenen gab die Behörde mit 3.084.700 an.

Seit über einer Woche – seit dem 27.4. – liegt auch der bundesweite Sieben-Tage-R-Wert laut RKI-Lagebericht unter dem kritischen Wert von 1. Der Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor 8 bis 16 Tagen ab. Liegt er für längere Zeit unter 1, flaut das Infektionsgeschehen ab. Dienstagabend lag der Wert bei 0,82 (Vortag: 0,88). Das bedeutet, dass 100 Infizierte rechnerisch 82 weitere Menschen anstecken. (vd/dpa)

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