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  • Foto: imago/Westend61

Immunitätsnachweis: Heftige Debatte: Urlaub nur mit „Corona-Pass“?

In Deutschland ist er erstmal vom Tisch – doch in anderen europäischen Ländern wird weiterhin darüber diskutiert: ein Ausweis für Menschen, die eine Covid-19-Infektion bereits überstanden haben und demnach als immun und nicht mehr ansteckend gelten. Ein solches Dokument könnte Pflicht bei Urlaubsreisen ins Ausland werden. Doch die Kritik daran ist heftig.

„Gesundheitsdaten könnten über den Zugang zu Leistungen entscheiden und in der Konsequenz die Gruppe der Personen, die eine Immunität nicht nachweisen, vom öffentlichen Leben ausschließen“, sagt Hamburgs Datenschutzbeauftragter Johannes Caspar. Ein solcher Ausweis würde „den gefährlichen Weg in eine Diskriminierungs- und Entsolidarisierungsfalle“ weisen.

Stiftung Patientenschutz: „Das ist zutiefst diskriminierend“

„Der Immunitätsausweis wäre ein tiefer Eingriff in die Persönlichkeitsrechte“, sagte der Vorstand der Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). „Denn während die Immunisierten Teilhabe am öffentlichen Leben erhalten, wird sie den Nichtimmunisierten verwehrt. Das ist zutiefst diskriminierend.“

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Zudem verleite der Immunitätsausweis zu vorsätzlichen Selbstinfektionen. „Der Hochrisikogruppe bliebe dann nur die Wahl zwischen langanhaltender Isolation oder Lebensgefahr. Eine solche Spaltung der Gesellschaft ist unverantwortlich“, kritisierte Brysch.

Karl Lauterbach (SPD) warnt vor absichtlichen Selbstinfektionen 

Das sieht der SPD-Gesundheitsexperte und Epidemiologe Karl Lauterbach ähnlich und warnte, es könne zu absichtlichen Selbstinfektionen kommen – „auch aus wirtschaftlicher Not“. „Wenn es aber einen Impfstoff gibt, ist ein Immunitätsausweis sinnvoll“, sagte der SPD-Politiker der „Passauer Neuen Presse“.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte am Montag erklärt, dass es vorerst keine Regelungen dazu geben soll, inwiefern solche Immunitätsnachweise Ausnahmen von Alltags-Beschränkungen wie in der Corona-Krise ermöglichen könnten. Er habe den Deutschen Ethikrat um eine Stellungnahme dazu gebeten. In der Koalition sei vereinbart worden, bis dahin keine gesetzliche Regelung zu dieser Frage vorzunehmen. Neben der Opposition hatte sich zuletzt auch SPD-Chefin Saskia Esken skeptisch über Pläne für Immunitätsnachweise geäußert.

Corona: Drosten skeptisch über Immunität nach Infektion

Auch aus wissenschaftlicher Sicht gibt es Bedenken gegen den „Corona-Freifahrtschein“. Der Virologe Christian Drosten hat bereits davor gewarnt, nach einer überstandenen Infektion von „steriler Immunität“ des Betroffenen auszugehen. Man werde sich zwar nach einer Infektion nicht gleich wieder anstecken, aber schon nach anderthalb Jahren sei die Immunität möglicherweise nicht mehr vorhanden.

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Während Spahn seinen Plan nach flottem Vorpreschen wieder auf Eis gelegt hat, ist der Immunitätsnachweis auf europäischer Ebene weiterhin ein Thema, wie „FAZ.net“ berichtet. Die europäische Tourismusministerkonferenz scheine einen „Covid-19-Pass“ zu diskutieren, um die innereuropäischen Grenzen zumindest für einige Touristen wieder zu öffnen und damit „ein wenig europäische Freizügigkeit wiederherzustellen“.

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