Kardinal Rainer Maria Woelki steht in der Kritik.
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Große Austrittswelle : Der Kirche laufen die Mitglieder weg – wegen dieses Mannes?

Köln –

Der katholischen Kirche laufen die Mitglieder weg: In Köln gibt es vorläufig keine Termine mehr für Kirchenaustritte. Bis Ende April ist alles ausgebucht, und die Termine für Mai werden erst am 1. März frei geschaltet. Welche Rolle spielt dabei wohlmöglich der Skandal um Kardinal Rainer Maria Woelki?

Über die Gründe für das große Interesse an Kirchenaustritten könne man nur spekulieren, sagte ein Sprecher des Amtsgerichts am Mittwoch. Es gebe immer ein „gewisses saisonales Gefälle“ bei den Austritten. Es könne auch um Nachholeffekte aus dem vergangenen Jahr gehen, als möglicherweise viele ihren Austritt wegen der Corona-Pandemie zunächst aufgeschoben hätten.

Köln: Kardinal Woelki hält wichtiges Gutachten zurück

Auch die Krise um den Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki, die derzeit großes Aufsehen erregt, könnte an der Austrittswelle Schuld sein. Woelki hält ein Gutachten zurück, das den Umgang von Bistumsverantwortlichen mit Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs gegen katholische Priester untersucht.

Er führte dafür rechtliche Gründe an. Dieses Vorgehen Woelkis hat eine beispiellose Vertrauenskrise im größten deutschen Bistum ausgelöst. Der Kölner Stadtdechant Robert Kleine – der oberste Repräsentant der katholischen Kirche in der Stadt Köln – hat gesagt, er könne derzeit niemandem einen Austritt aus der Kirche verdenken.

Kardinal Woelki: „Wir haben Fehler gemacht“

Woelki selbst räumte mittlerweile Fehler bei der Aufarbeitung der Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs gegen katholische Priester ein. „Wir haben Fehler gemacht, wir haben Vertrauen verspielt, ich verstehe die Ungeduld“, sagte Woelki in einem Interview der „Kölnischen Rundschau“ (Donnerstag). Aber man stehe kurz vor der Aufklärung. „Wir klären auf, ich stehe zu meinem Versprechen“, sagte er nun.

Dennoch könne er nur um Geduld bis zum 18. März bitten. An dem Tag solle der Strafrechtler Björn Gercke das vom Erzbistum in Auftrag gegebene Gutachten zum Umgang mit Missbrauchsfällen vorlegen. Dies werde auch „nicht der Endpunkt, sondern der Ausgangspunkt für weitere Aufklärung sein“, sicherte Woelki zu.

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Das Erzbistum hatte zunächst eine andere Kanzlei, Westphal Spilker Wastl (WSW) in München, mit einem Gutachten beauftragt, dann aber wegen rechtlicher Bedenken entschieden, diese Arbeit nicht zu veröffentlichen. Woelki sagte, er kenne das WSW-Gutachten nach wie vor nicht. Vom Erzbistum um Prüfung gebetene Fachleute sähen darin aber „schwere methodische Mängel und Verstöße gegen Persönlichkeits- und Äußerungsrechte“.

Kardinal Woelki: „Stehe bei den Betroffenen im Wort“

Gercke hingegen habe 236 Fälle identifiziert und bearbeitet – mehr Vorgänge, als sie in einer 2018 von der Deutschen Bischofskonferenz vorgelegten Studie für das Erzbistum ausgewiesen wurden.

Das Gutachten der Kanzlei WSW habe dagegen nur 15 Fälle betrachtet. Woelki: „Gerckes Gutachten wird handwerklich sauber sein und es möglich machen, mein Versprechen einzulösen: Wir werden Namen von Verantwortlichen nennen.“ Er stehe bei den Betroffenen im Wort, so der Kardinal.

Der Rechtsanwalt Wastl hatte die Zurückhaltung seines Missbrauchsgutachtens durch Woelki zuvor scharf kritisiert. (alp/dpa)

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