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  • Foto: Imago

„Falsche Voraussage“: Zweite Corona-Welle überrollt Südkorea

Seoul –

Das, wovor Gesundheitsexperten und Politiker in Deutschland wiederholt warnten, ist in Südkorea jetzt eingetreten: Das Land kämpft mit einer Serie an Corona-Neuinfektionen. Die Zweite Welle – sie ist da.

Lange galt Südkorea im Umgang mit der Pandemie als vorbildlich: Massenhafte Tests, konsequentes Nachverfolgen auch via App und strikte Abstandsregeln sorgten dafür, dass der Corona-Ausbruch in dem asiatischen Land nicht so dramatisch verlief wie beispielsweise in Italien oder den USA.

Doch nun, nachdem das Infektionsgeschehen längst abgeflacht war, steigt die Kurve plötzlich wieder an. Ursprünglich seien sie davon ausgegangen, dass eine zweite Infektionswelle im Herbst oder Winter beginnen könnte, sagte die Direktorin der Zentren für Krankheitskontrolle und Prävention (KCDC), Jeong Eun Kyeong, gestern auf einer Pressekonferenz.

Virus breitet sich in Clubs im Vergnügungsviertel der Hauptstadt aus

Aber: „Unsere Voraussage erwies sich als falsch.“ Die Einschätzung kommt ungeachtet der Tatsache, dass die Behörden zuvor den geringsten landesweiten Anstieg bestätigter Neuinfektionen mit Sars-CoV-2 seit fast einem Monat vermeldet hatten. Am Sonntag seien 17 Fälle hinzugekommen. Das war das erste Mal seit dem 26. Mai, dass weniger als 20 Neuinfektionen nachgewiesen wurden.

Die erste Welle datierte Jeong bis Ende April. Die zweite Welle sei demnach seit den Urlaubstagen im Mai angelaufen. Hotspot ist dieses Mal Seoul, wo sich das Virus rasend schnell über die Clubs der Stadt ausgebreitet hat – vor allem im Vergnügungsviertel Itaewon.

Dort infizierten sich seit Anfang Mai, als die Regierung die zeitweise geltenden Besuchsverbote für Bars und Clubs gelockert hatte, Dutzende mit dem Virus.

Aber auch Gläubige und Anhänger religiöser Sekten machen den Behörden Kopfzerbrechen: Bei Gottesdiensten und anderen spirituellen Zusammenkünften gab es zuletzt zahlreiche Neuinfektionen. 

Behörden befürchten großflächige Ausbreitung

In der Hauptstadt und der angrenzenden Umgebung lebt fast die Hälfte der etwa 51,6 Millionen Einwohner des Landes. Die Behörden befürchten, dass sich das Virus durch die Party- und Kirchgänger auch über den Großraum hinaus erneut über das ganze Land ausbreiten könnte.

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Der Bürgermeister von Seoul, Park Won Soon, kündigte deshalb bereits an, wieder stärkere Beschränkungen für das öffentliche Leben einzuführen, sollten die Zahl neuer Infektionsfälle an drei Tagen in Folge 30 übersteigen und das Gesundheitssystem überlastet sein.

Die Gesamtzahl der nachgewiesenen Corona-Infektionen in Südkorea liegt mittlerweile bei 12 500. 280 Todesopfer wurden mit dem Virus in Verbindung gebracht. (MIK/DPA)

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