Laszives Geräkel: Elena Tsagrinou sorgt mit ihrem Song „El Diablo“ für Aufregung in Zypern.
  • Laszives Geräkel: Elena Tsagrinou sorgt mit ihrem Song „El Diablo“ für Aufregung in Zypern.
  • Foto: picture alliance/dpa/Cyprus Delegation Eurovision Song Contest 2021

ESC-Zoff um den „Teufel“: Zypern: Orthodoxe wollen „satanische“ Verse verbieten

Athen/Nikosia –

„Der Teufel lässt die Puppen tanzen“ – oder in diesem Fall die orthodoxe Kirche und Zyperns Politiker. „El Diablo“ („Der Teufel“) heißt der zyprische ESC-Beitrag der Sängerin Elena Tsagrinou (27), um den derzeit ein heftiger Streit tobt. Die Kirche möchte den Song von der Bühne verbannen. Zyperns Präsident reagiert deutlich.

Die griechische Sängerin Elena Tsagrinou räkelt sich im Musikvideo in einem hautengen Glitzer-Outfit am Boden, die Lippen provokativ lasziv geöffnet. Doch nicht ihre Erotik-Offensive sorgt für Wut und Ekel bei den strenggläubigen Christen, sondern ihre Textzeilen. Die 27-Jährige singt vom Teufel. Schlimmer noch: von ihrer Liebe zu ihm, dem sie ihr Herz geschenkt hat. Wilde und heiße Partynächte sind Thema und viel Körperliches. Kurz: Ein Popsong wie viele, wäre da nicht das böse T-Wort.

Orthodoxe Kirche will zyprischen ESC-Beitrag verbieten

Das nämlich bringt die orthodoxe Kirche Zyperns und den Religionslehrerverband auf die Barrikaden. Sie wollen, dass der Song nicht als zyprischer Beitrag beim Eurovision Song-Contest an den Start geht. Wie die „taz“ berichtete, zeigte sich der  Lehrerverband regelrecht „angeekelt“ von den Versen. Die orthodoxe Kirche Zyperns forderte die Regierung am Dienstagabend auf, das Lied zurückzuziehen. Und eine Online-Petition gegen „El Diablo“  hat mittlerweile mehr als 16.000 Unterschriften beisammen.

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Die Synode ließ mitteilen, der jetzige Song solle „durch einen anderen ersetzt werden, der unsere Geschichte, die Tradition und das, wofür wir stehen, zum Ausdruck bringt“. Doch der zyprische Präsident Nikos Anastasiades und sein Sprecher lassen sich von so viel Frömmigkeit nicht beeindrucken. In einem Fernsehinterview verwies Viktoras Papadopoulos gestern auf die Freiheit der Kunst und mahnte: „Es ist ein musikalischer Wettbewerb, geben wir ihm nicht unnötige Dimensionen“.

Unbekannte drohen Staatsrundfunk

Doch diese Dimensionen hat er bereits. Am Freitag drohten Unbekannte am Telefon, die Zentrale des zyprischen Staatsrundfunks (RIK) in Brand zu setzen. Das Staatsfernsehen sah sich daraufhin genötigt, den Song und dessen Text zu erklären. Es gehe nicht um die Huldigung des Teufels, es gehe um den Kampf zwischen Gut und Böse. Und um eine Frau, die sich von ihrem nichtsnutzigen Mann lösen wolle. So richtig beruhigend finden die Kirchenvertreter diese Erklärung vermutlich nicht.

Der ESC findet zwischen dem 18. und 22. Mai in Rotterdam statt. Elena Tsagrinou wird weiter mit dem Teufel tanzen, vielleicht sogar bis ins Finale. In den Augen ihrer Kritiker wird sie das jedoch kaum von ihren Sünden befreien.

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