Ex-Wirecard-Vorstand Markus Braun sitzt wieder in U-Haft.
  • Ex-Wirecard-Vorstand Markus Braun sitzt wieder in U-Haft.
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Erschütternde Enthüllungen: Ex-Wirecard-Vorstand Braun erneut verhaftet

München –

Der Skandal um Wirecard zieht immer weitere Kreise! Am Mittwoch hat die Staatsanwaltschaft München I den früheren Vorstandschef Markus Braun wieder festgenommen. Gegen Braun sei ein neuer, erweiterter Haftbefehl erlassen und eröffnet worden, so Anne Leiding, Sprecherin der Anklagebehörde. Zudem wurden zwei weitere Ex-Vorstände festgenommen. 

Anlass für die Festnahmen war laut Leiding, dass die Tatvorwürfe noch mal „ganz erheblich“ erweitert wurden. Neben Braun sitzen nun der frühere Finanzvorstand Burkhard Ley und der Chef der Buchhaltung hinter Gittern.

Seit 2015 hätten die drei Manager die Bilanzsumme und das Umsatzvolumen von Wirecard durch das Vortäuschen von Einnahmen aufgebläht. Das ergab sich jetzt aus der umfassenden Aussage eines Kronzeugen. „Das Unternehmen sollte finanzkräftiger erscheinen,“ sagte Leiding. Damit habe Wirecard für andere Unternehmen attraktiver sein wollen. Es sei aber spätestens Ende 2015 klar gewesen, dass Wirecard Verluste machte.

Staatsanwaltschaft erschüttert über das Ausmaß

Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft laufen darauf hinaus, dass der Dax-Konzern womöglich seit 2015 von einer kriminellen Bande geführt wurde – ein in der Geschichte der deutschen Börsen-Oberliga noch nicht da gewesener Vorgang. „Banken in Deutschland und Japan sowie sonstige Investoren stellten, durch die falschen Jahresabschlüsse getäuscht, Gelder in Höhe von rund 3,2 Milliarden Euro bereit, die aufgrund der Insolvenz der Wirecard AG höchstwahrscheinlich verloren sind“, hieß es in der Mitteilung der Ermittler. Leiding zeigte sich erschüttert durch das Ausmaß der Vorwürfe.

Treueschwüre gegenüber Manager Braun

Aussagen deuten darauf, dass bei Wirecard ein „streng hierarchisches System“ mit einem Korpsgeist und Treueschwüren gegenüber Braun geherrscht hat. Leiding: „Möglicherweise erklärt das etwas.“ Braun wurde der Sprecherin zufolge festgenommen, als er sich für seinen gegen eine Millionenkaution außer Vollzug gesetzten vorherigen Haftbefehl selbst bei der Münchner Polizei meldete. Die beiden anderen Manager seien ebenfalls in München festgenommen worden. Keine Erkenntnisse konnte Leiding zum möglichen Aufenthaltsort des flüchtigen Ex-Vorstands Jan Marsalek nennen. Zuletzt gab es Gerüchte, er könnte sich in Russland aufhalten.

Weitere Kontakte zum Bundeskanzleramt enthüllt

Unterdessen wurden weitere Kontakte zwischen dem Bundeskanzleramt und Wirecard bekannt. Vizeregierungssprecherin Ulrike Demmer bestätigte, dass der frühere Geheimdienstkoordinator der Regierung, Klaus-Dieter Fritsche, im September 2019 erfolgreich einen Gesprächstermin mit dem Wirtschaftsberater von Bundeskanzlerin Angela Merkel, Lars-Hendrik Röller, vermittelte.

Schon in der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass auch der frühere Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg in der Regierungszentrale für Wirecard geworben hatte. Das Kanzleramt setzte sich daraufhin während Merkels China-Reise Anfang September 2019 für den dortigen Markteintritt des Dax-Konzerns ein.

Sondersitzung des Finanzausschusses geplant

Der Finanzausschuss des Bundestags widmet sich am Mittwoch kommender Woche in einer Sondersitzung dem Fall Wirecard. Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) und Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) wollen sich dabei den Fragen der Abgeordneten stellen. Zu Forderungen nach einem Erscheinen auch von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte Demmer dagegen, sie gehe davon aus, „dass sie nicht daran teilnimmt“.

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Der Grünen-Finanzexperte Danyal Bayaz nannte die Verstrickung der Bundesregierung in den Fall Wirecard in Berlin „geradezu surreal“ und forderte umfassende Aufklärung. Die Grünen-Politikerin Lisa Paus drang auf „strukturelle Reformen“ bei der Finanzaufsichtsbehörde Bafin. (dpa)

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