• In Florida boomt der Impf-Tourismus.
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Dubiose Geschäftsmodelle : Wer ordentlich löhnt, bekommt schon jetzt die Impfung

Dubai/Neu Delhi –

Mit einer Impfung gegen das Coronavirus hoffen Millionen auf eine langsame Rückkehr zur Normalität. Einige konnten die begehrte Spritze mit Glück oder Trickserei im Ausland ergattern. Zugleich wächst der Markt für fragwürdige Reiseangebote und Ampullen aus dunklen Kanälen.

Beim Nachrichtendienst Telegram behaupten Nutzer, AstraZeneca-, Pfizer/BioNTech- sowie Moderna-Ampullen pro Stück für umgerechnet 125 bis 183 Euro mit Versand zu verkaufen – „eisgekühlt, doppelt vakuumversiegelt, mit Tracking-Nummer“, wie es dort heißt.

Impfstoffe online kaufen: Anfragen im Darknet steigen

In Deutschland steigt derweil auch die Zahl der Internet-Suchanfragen nach Begriffen wie „Corona-Impfstoff online kaufen“.

Im Darknet verspricht ein User: „Das Vakzin ist innerhalb weniger Tage bereit und kann in alle Länder verschickt werden.“ Dort fand die Cybersicherheitsfirma „Check Point“ im Januar 340 solcher Angebote, die Preise lägen inzwischen bei umgerechnet bis zu 820 Euro.

Dubai: Golf-Metropole lädt zur Corona-Impfung

Aber es geht auch anders. Hala Baidun wollte in Dubai eigentlich nur ihre Schwester besuchen. Aber als deren Firma in der Golf-Metropole im Januar zur Corona-Impfung lud, versuchte die Libanesin spontan auch ihr Glück. „Sie kopierten unsere Pässe, nahmen unsere Daten auf, gaben sie in den Computer ein und impften uns.“

Einen Wohnsitz in Dubai hat die 50-Jährige nicht, einen Pass der Vereinigten Arabischen Emirate auch nicht. Offenbar durch einen glücklichen Zufall erhielt Baidun die Impfung, auf die dieser Tage weltweit Millionen hoffen.

Impf-Tourismus: Wer genug Geld hat, bekommt die Spritze früher

In einigen Ländern haben sich Schlupflöcher aufgetan für diejenigen, die das seit über einem Jahr wütende Coronavirus mit der doppelten Spritze hinter sich lassen wollen – und die darauf in ihren Heimatländern Wochen oder Monate warten müssten. Menschen wie Baidun, die durchs Raster rutschen und eine Impfung erhalten, die sonst nur an Landsleute und Anwohner vergeben wird.

Elitäre Zirkel und Reisebüros locken mit Impfstoff

Einige elitäre Zirkel und Reisebüros locken ebenfalls mit dem Impfstoff, fragwürdige Anbieter auf dem Schwarzmarkt ziehen mit. Ein regelrechter Impf-Tourismus setzte in Florida ein: In dem US-Bundesstaat konnten zeitweise auch Nicht-Anwohner das Vakzin bekommen, weshalb neben wohlhabenden Besuchern aus New York und Kalifornien bald etwa auch das in Buenos Aires lebende TV-Sternchen Yanina Latorre auftauchte, die ihre 80-jährige Mutter impfen ließ.

Berichten zufolge zog es auch Reisende aus Brasilien und Mexiko nach Florida. In Mexiko läuft die Corona-Impfung extrem schleppend. Von den 126 Millionen Bürgern sind nicht einmal ein Prozent geimpft. Grund dafür soll neben Lieferengpässen von Biontech/Pfizer, auch die ungleiche Behandlung der Länder bei der Impfstoff-Bestellung sein – so die Begründung der mexikanischen Regierung. Reiche Länder wie Großbritannien, Israel, USA und Länder der EU würden vorrangig beliefert.

Mexikaner lassen sich in Florida und Texas impfen

Um sich als Mexikaner in Florida oder Texas impfen zu lassen braucht es vor allem Geld: Für ein Flugticket und einen PCR-Test, der in Mexiko 150 Euro kostet. Hinzu kommt ein Visum und am besten der Nachweis eines Wohnsitzes in den USA, so berichtete „Tagesschau.de“. Doch selbst wer nicht in den USA lebt, kann einen Wohnsitz dort anmelden und sich im Internet registrieren. Wer zu Risikogruppe gehört bekommt einen Termin – und dann die Spritze.

Menschenrechtsorganisationen befürworten das, schließlich sei die Corona-Impfung ein Menschenrecht und nicht abhängig von einer bestimmten Nationalität. Doch die Anwohner beklagten sich über die Vordrängler aus der Ferne.

Tagesausflüge nach Florida

Das „Wall Street Journal“ zitierte ein Unternehmen in Kanada, dessen Kunden Tagesflüge nach Florida mit dem Privatjet anfragten. Kosten: Umgerechnet zwischen 20.000 und 65.000 Euro. In Großbritannien machte der exklusive „Reise- und Lifestyle-Club“ Knightsbridge Circle von sich reden, dessen Mitglieder umgerechnet rund 28.000 Euro pro Jahr bezahlen sollen. Im Angebot seien Impf-Reisen in die Emirate und Indien, berichtete der „Telegraph“.

„Wir buchen (unseren Mitgliedern) eine schöne Villa mit einem Schwimmbad, einem Koch und Hausangestellten“, sagte Clubgründer Stuart McNeill demnach. „Sie landen, kriegen ihre erste Impfung und warten auf die zweite.“ Einige Gäste würden die gesamte Zeit etwa in Indien bleiben, andere würden zwischen den zwei Spritzen nach Madagaskar fliegen. Per E-Mail teilte der Club mit, dass wegen einer Flut von Anfragen derzeit keine neuen Mitglieder aufgenommen würden.

Reisebüros bieten Impfreisen an

In Indien bieten Reisebüros wie „Zenith Leisure Holidays Limited“ seit einigen Wochen Impf-Reisen ins Ausland an. Dessen Chef Manoj Mishra sagte, dass er damit gleich zwei Kundenbedürfnisse befriedige – Abenteuerlust und Gesundheit. Auf bunten Flyern verspricht seine Firma Angebote je nach Budget nach Großbritannien, Russland und in die USA.

Für umgerechnet rund 2800 Euro geht es dafür etwa zweimal nach London, Vier-Sterne-Hotel, Visum, Schutzanzüge und Desinfektionsmittel inklusive. 

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In den meisten Fällen gibt es bisher aber einen Haken: Die Emirate impfen keine Touristen mehr, wie das Gesundheitsministerium dort bestätigt. Das Reisebüro in Indien, das von 800 Vorab-Registrierungen im Internet und 1500 telefonischen Anfragen von Kunden berichtet, hat noch gar keine Erlaubnis der betroffenen Länder.

Der Knightsbridge Circle in London musste auf Nachfrage des „Guardian“ klarstellen, dass in den Emiraten nur Club-Mitglieder geimpft werden könnten, die dort eben auch Anwohner sind (derzeit insgesamt fünf Personen). (dpa)

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