Kardinal Rainer Maria Woelki.
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Die späte Reue des Kardinals: Erzbischof Woelki räumt Fehler ein

Köln –

Schon wieder steckt das Erzbistum in einer tiefen Krise: 2018 kündigte Kardinal Rainer Maria Woelki eine umfassende Aufarbeitung des Missbrauchsskandals an – doch das Gutachten einer Münchener Kanzlei, das im März 2020 fertig wurde, will er nicht veröffentlichen. Stattdessen beauftragte er ein neues Gutachten. Am Samstag hat er nun zumindest Fehler eingeräumt.

„Da habe ich auch Schuld auf mich geladen“, gestand der Erzbischof in einer Videobotschaft ein. „Das tut mir von Herzen leid.“ Gleichzeitig versicherte er: „Es ging und es geht mir um konsequente Aufarbeitung.“

Missbrauchsskandal der Kirche: Woelki hält Gutachten zurück

Was war geschehen? Woelki hatte ein Gutachten zum Umgang von Bistumsverantwortlichen mit Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs von Kindern durch Priester in Auftrag gegeben – hält es aber mit dem Verweis auf methodische Mängel unter Verschluss.

Stattdessen hat er bei dem Anwalt Björn Gercke ein neues Gutachten bestellt, das am 18. März veröffentlicht werden soll. Sein Vorgehen hat erneut eine schwere Vertrauenskrise im größten deutschen Bistum ausgelöst.

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Der Kardinal war wochenlang abgetaucht, jetzt sagte er, dass viele Gläubige ihm gegenüber ihre Irritation deutlich gemacht hätten. „Sie tun sich schwer, nachzuvollziehen, warum es eine zweite unabhängige Untersuchung braucht, um die systematischen Zusammenhänge jahrzehntelangen Missbrauchs in unserem Erzbistum aufzudecken und im Detail aufzuzeigen.“ Er sei jedoch überzeugt, dass dies erforderlich sei, weil er „eine bestimmte qualitative und quantitative Faktenlage“ benötige. Die Kanzlei, die das erste Gutachten erstellt hat, weist alle Vorwürfe zurück.

Woelki versichert in seiner Botschaft: „Es war und ist meine Absicht, eine transparente, konsequente Aufklärung der Missbrauchsvergehen und ihrer systemischen Umstände in unserem Erzbistum zu erreichen – selbstverständlich auch im Blick auf meine eigene Person.“

Neues Gutachten: Mehr Opfer als bisher angenommen

In dem neuen Gutachten ist laut „Spiegel“ von mehr als 300 Verdachtsmeldungen, über 300 Opfern und mehr als 200 Beschuldigten die Rede. Auffällig ist, dass die jetzt veröffentlichten Zahlen deutlich höher liegen als die Zahlen aus der sogenannten MHG-Studie der Deutschen Bischofskonferenz von 2018. Damals waren für das Erzbistum Köln über einen Zeitraum von 70 Jahren 135 Opfer sexualisierter Gewalt und 87 beschuldigte Kleriker angegeben worden.

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Gercke nannte mehrere Gründe für die Unterschiede zur MHG-Studie. So betrachte sein Gutachten nicht nur Kleriker, sondern auch nichtgeweihte Mitarbeiter des Erzbistums.

Zudem sei „zwischen Verdachtsmeldungen und tatsächlichen (Straf-)Taten zu unterscheiden“. Das zurückgehaltene Münchner Gutachten kommt nach einem Bericht des „Kölner Stadt-Anzeigers“ zu ähnlichen Opfer- und Beschuldigtenzahlen wie Gercke. (dpa/ncd) 

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