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Deutscher Ethik-Rat: „Das tägliche T-Bone-Steak ist kein Menschenrecht“

Berlin –

Durch die Corona-Pandemie werden die teils unhaltbaren Zustände in Schlachtbetrieben wieder verstärkt öffentlich diskutiert. Nun meldet sich auch der Deutsche Ethik-Rat zu Wort. Deren Vorsitzende Alena Buyx sagt: „Gute Ernährung mag ein Menschenrecht sein. Täglich ein T-Bone-Steak ist es aber nicht.“

Dabei gehe es nicht darum, das Schnitzel zu verteufeln oder Nutztierhaltung insgesamt zu verdammen. Aber: Es brauche unbedingt eine deutlich konsequentere Umsetzung des ja eigentlich vorhandenen Tierschutzgesetzes.

„Ich kenne kein einziges Rechtsgebiet, in dem so heuchlerisch vorgegangen wird wie im Tierschutzrecht“, sagte Steffen Augsberg, Sprecher der Arbeitsgruppe Tierwohl im Deutschen Ethikrat. Seiner Erfahrung nach sei es eher die Ausnahme, dass das, „was oben drinsteht, unten auch so ankommt.“

Kükenschreddern: Verboten, aber dann irgendwie doch noch erlaubt

Als Beispiel für eine mangelhafte Umsetzung gesetzlicher Vorgaben nannte Alena Buyx das sogenannte Kükenschreddern. In Deutschland ist das Kükentöten in der Legehennen-Zucht nur noch für eine Übergangszeit zulässig, wie das Bundesverwaltungsgericht 2019 entschieden hatte.

Die Praxis darf aber vorerst weitergehen, bis den Brutbetrieben Verfahren zur Geschlechtsbestimmung schon im Ei zur Verfügung stehen, die auch in der Praxis funktionieren. Solche langen Übergangsphasen seien abzulehnen, so die Vorsitzende des unabhängigen Experten-Rates.

Renate Künast: „Moralische Bankrotterklärung“

„Wichtig ist die Feststellung, dass mehr Tierwohl-Achtung eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist, die nicht alleine auf dem Rücken der Landwirtschaft ausgetragen werden kann“, sagte Bernhard Krüsken,  Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes, zu dem viel diskutierten Thema.

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Auch Grünen-Politikerin Renate Künast ist ähnlicher Meinung und wird sogar noch deutlicher: „Das Leiden der Tiere in der Massentierhaltung ist für unsere Gesellschaft eine moralische Bankrotterklärung.“

Sie sprach ebenfalls von Zuständen, die längst abgeschafft gehörten und wegen massivster Lobbyarbeit der „alten Agrarpolitik“ verlängert würden. (dpa/ km)

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