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  • Foto: picture alliance/dpa (Symbolbild)

„Bin ins Klo gefallen”: Wer sich die Deutschen im Homeoffice ansieht, lacht sich kaputt

Köln –

Das Coronavirus sorgt dafür, dass viele Eltern nun sehr viel Zeit mit ihren Kindern verbringen – aber anders, als sie es sich immer gewünscht haben.

Die neue Lebens- und Arbeitssituation führt zu mitunter absurden Szenen. Wie absurd, zeigt ein Blick auf Twitter.

Immerhin: Man kann mit Kindern im Homeoffice auch berühmt werden. Das beste Beispiel dafür ist Robert Kelly, ein Politikprofessor. 2017 gab der Korea-Experte der BBC ein Skype-Interview – von zu Hause. Leichtfertig hatte er dabei die Tür zu seinem Zimmer offen gelassen. Seine vierjährige Tochter tanzte plötzlich ins Bild, Kelly schob sie ungelenk zu Seite. Kurz darauf rollte auch noch der kleine James in einem Laufstuhl herein. Das Chaos war perfekt und Kelly plötzlich ein Internetstar – der Clip vom „BBC-Dad” (hier ansehen) ging viral.

Seit einigen Tagen gibt es in Deutschland viele Robert-Kelly-Situationen. Um die Ausbreitung des Coronavirus zu stoppen, sind Kitas und Schulen geschlossen, bis auf Ausnahmefälle müssen Kinder zu Hause betreut werden. Viele Arbeitnehmer sind notgedrungen ins Homeoffice gewechselt. Mit den Kollegen wird per Video oder Telefon konferiert.

Telefonkonferenz zu Corona-Zeiten: „Papa, ich bin ins Klo gefallen”

Dabei kommt es mitunter zu absurden Szenen. Mitten in einer Telefonkonferenz ruft das Kind eines Kollegen aus dem Hintergrund: „Papa, ich bin ins Klo gefallen!” Väter kämpfen in der Videoschalte mit dem Sohn auf dem Schoß um den Erstzugriff auf ein Laptop-Headset, um danach von Kollegen zu hören: „Euch zuzugucken ist besser als Kino!”. Oder es zeigen sich gleich ganz neue Verhaltensmuster.

„Nach drei Tagen Familien-Homeoffice ist das neue Lieblingsspiel meiner Tochter ,Arbeiten’”, berichtet Moritz Merten aus Köln, der eigentlich an einer Uni arbeitet. Seine fast zweijährige Tochter gibt ihm dabei zu verstehen, dass man sie bitte in Ruhe lassen solle – sie habe etwas zu erledigen. Hat sie sich so abgeguckt.

„Dann tippt sie auf einer alten Tastatur rum, die wir ihr mal als Spielzeug gegeben haben”, sagt Merten, von Beruf Soziologe. „Bin auf die langfristigen Sozialisationseffekte gespannt.”

Coronavirus ist ein großes Sozialexperiment

Tatsächlich hat das Coronavirus zu einem nie da gewesenen Sozialexperiment geführt. In großer Zahl müssen sich Familien nun komplett neu organisieren, Arbeit und Kindererziehung finden plötzlich an einem Ort statt. Das ist nicht in erster Linie nur lustig, sondern ein enormer Kraftakt.

„Das Homeoffice ist schon eine Herausforderung ohne Kind. Aber mit Kind – je nach Alter – ist es hochproblematisch”, sagt der Arbeitspsychologe Frank Berzbach. Er selbst hat eine neunjährige Tochter. Das gehe noch, sie könne sich auch mal selbst beschäftigen. Bei kleineren Kindern ist das aber nicht möglich.

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„Das ist dann so, als führe man gleichzeitig zwei Jobs aus”, sagt Berzbach. Ist man zu zweit, kann immerhin einer aufpassen. Was aber viel Organisation verlangt. „Das wird nervlich und psychisch eine große Herausforderung werden”, sagt Berzbach. „Für alle.” (dpa/mg)

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