Vielerorts auf Kuba liefen Gesundheitsmitarbeiter von Tür zu Tür und klärten die Menschen über das Virus auf.
  • Vielerorts auf Kuba liefen Gesundheitsmitarbeiter von Tür zu Tür und klärten die Menschen über das Virus auf.
  • Foto: dpa/AP

Arme Karibikinsel: Wie Kuba einfach seine eigenen Impfstoffe entwickelte

Havanna –

Während weltweit die Infektionszahlen stiegen und der Kampf um die Impfstoffe ausbrach, hat Kuba in der Corona-Krise einen ganz eigenen Weg eingeschlagen. Unter schwierigen Bedingungen haben Forscher auf der Karibikinsel sage und schreibe fünf Vakzine entwickelt. Eines ist bereits fertig – und sorgt auch im Ausland für großes Interesse.

Viel haben sie nicht im sozialistischen Kuba – aber gleich fünf Impfstoffe! „Soberana 01“, „Soberana 02“, „Soberana Plus“, „Abdala“ und „Mambisa“ heißen die Vakzine, auf denen alle Hoffnung ruht. Während sich „Mambisa“, das über die Nase verabreicht wird, noch in einer sehr frühen Testphase befindet, kriegen rund 1,7 Millionen Kubaner:innen derzeit bereits „Soberana 02“ gespritzt.

Kubas Vakzin-Wunder ist das Ergebnis staatlicher Politik

Sie sollen in einer breit angelegten Studie die Wirksamkeit des Mittels unter Realbedingungen testen. Bisher erhobene Daten deuten auf gute Verträglichkeit und wenig Nebenwirkungen hin. Winkt die WHO „Soberana 02“ anschließend durch, könnte die offizielle Zulassung bereits in wenigen Monaten erfolgen – und das Vakzin der erste in Lateinamerika entwickelte Impfstoff gegen Covid-19 sein.

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Kubas Vakzin-Wunder ist das Ergebnis staatlicher Politik: Denn im Gegensatz zu anderen Ländern wie etwa Brasilien standen das Virus und dessen Bekämpfung für die Regierung in Havanna von Anfang an ganz oben. „Kuba hat 28.000 Medizinstudenten durchs Land geschickt, die wegen der Pandemie, so wie überall, nicht mehr zur Uni gehen konnten.

Sie sind zusammen mit Hausärzten und Krankenschwestern von Tür zu Tür zu gegangen, um Corona-Patienten ausfindig zu machen“, sagt Helen Yaffe, Kubaexpertin der Uni Glasgow, zum Deutschlandfunk. Die Erkrankten konnten dadurch nicht nur besser isoliert, sondern direkt auch für die Impfstoff-Forschung rekrutiert werden.

Eine Krankenschwester zieht eine Dosis „Soberana 02“ auf.

Eine Krankenschwester zieht eine Dosis „Soberana 02“ auf.

Foto:

imago images/Xinhua

Gleichzeitig gab es mehr Forschungsgelder: Alle Vakzine wurden von Instituten entwickelt, die von der Regierung finanziert und betrieben werden. Alle Impstoffe sind außerdem sogenannte Totimpfstoffe. Sie verwenden Viren, deren genetisches Material zerstört wurde, sodass sie sich nicht replizieren können, aber dennoch eine Immunantwort auslösen. Die US-Firma Novavax hat so ebenfalls ein Corona-Vakzin entwickelt, für das ein EU-Zulassungsverfahren läuft.

Impfstoffentwicklung auf Kuba trotz mangelnder Ressourcen

Dass Kuba ganz anders als die meisten anderen Länder vorging, erklärt Deutschlandfunk-Lateinamerikaexperte Burkhard Birke so: „Not macht erfinderisch. Wegen des US-Embargos hat Kuba bereits unter Fidel Castro eigene Impfstoffe entwickeln müssen. Kubanische Kinder sind deshalb gegen 13 verschiedene Krankheiten geimpft, darunter natürlich auch Tetanus, Masern und so weiter.“ Diese Erfahrungen seien nun bei der Entwicklung des Corona-Impfstoffs „extrem hilfreich“ gewesen, so Birke.

Menschen laufen mit Masken durch Havanna.

Menschen laufen mit Masken durch Havanna.

Foto:

picture alliance/dpa/XinHua

Dabei sind es ganz andere Bedingungen, unter denen in Kuba geforscht wird: Das Land steckt in einer dramatischen Wirtschaftskrise, leidet an chronischem Versorgungsmangel und hat mit massiver Ressourcenknappheit zu kämpfen. Expertin Yaffe: „Als einziges Land in Lateinamerika und der Karibik verfügt Kuba über die wissenschaftlichen und technologischen Möglichkeiten, Corona-Impfstoffe zu entwickeln. Gleichzeitig hat Kuba große Schwierigkeiten, einige billige, einfach zu produzierende medizinische Instrumente wie Spritzen (…) zu bekommen.“

Kuba: Tourismusbranche hofft auf Impftourismus

Die Hoffnungen sind dennoch groß: Erweist sich „Soberana 02“ in der Studie als zuverlässig, könnten nicht nur die 11,5 Millionen Kubaner:innen bis Ende des Jahres durchgeimpft werden, so der ambitionierte Plan. Sondern es könnte dann auch Bilder wie zuletzt aus Moskau geben: Dort haben sich Dutzende Impftouristen in den vergangenen Wochen ihren Piks mit Sputnik V abgeholt. Auf Ähnliches hofft die gebeutelte kubanische Tourismusbranche – die bereits mit „Sobanera 02“ wirbt und dafür eigens einen Song aufgenommen hat.

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Aber auch in den Nachbarstaaten schielt man interessiert nach Kuba: In den meisten oft wirtschaftlich schwachen Ländern Lateinamerikas hinken die Impfkampagnen nämlich dramatisch hinterher. Auch weil sie bei der internationalen Impfstoff-Verteilung – genau wie Kuba – nicht berücksichtigt wurden oder schlicht keine Kohle hatten, Vakzine von Biontech, Moderna und Co. zu ordern. Somit kommen „Sobanera 02“ und Co. genau zur richtigen Zeit. 

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