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Riesiger Ansturm auf Apotheken: Liefer-Engpässe bei Medikamenten auch in Deutschland

Frankfurt/Berlin/Bonn –

Hamsterkäufe in der Corona-Krise gibt es nicht nur bei Toilettenpapier, Nudeln, Hefe und Seife. Auch bei Medikamenten greifen Verbraucher extrem zu. Apotheken sowie Pharmafirmen berichten von einem riesigen Andrang in Deutschland…

Ansturm auf Apotheken: Rezeptfreie Mittel heiß begehrt

In der jüngsten Zeit sieht man sie vor fast jeder Apotheke: Schlangen mit Kunden. Insbesondere der Kauf freiverkäuflicher Mittel ist aktuell sehr beliebt. Viele in Deutschland decken sich aus Sorge um das Coronavirus mit Arzneien ein.

Im März 2020 zog die Nachfrage nach rezeptfreien Medikamenten stark an – und bescherte Pharmaunternehmen eine Sonderkonjunktur. Das berichteten mehrere Arzneihersteller auf Anfrage. Das hat aber natürlich auch Schattenseiten: Der Ansturm in Apotheken bringt die Logistik in der Branche jetzt schon zeitweise an ihre Grenzen. Liefer-Engpässe bei diversen Arzneien sind das Ergebnis des Kunden-Runs auf die Apotheken.

Ansturm auf Apotheken: Welche Medikamente sind besonders gefragt?

Es gibt bestimmte Präparate und Stoffgruppen, die aktuell bei Hamsterkäufern besonders beliebt sind. Diese sind dadurch auch rar geworden. Hier eine Übersicht:

  • Paracetamol (hier lesen Sie mehr) und Paracetamol-haltige Mittel
  • Vitaminpräparate
  • Nahrungsergänzungsmittel
  • Präparate gegen Erkältungen (zum Beispiel Grippostad)
  • Nasensprays, Nasentropfen
  • Mittel gegen Halsschmerzen (Sprays und Lutschtabletten) 
  • Präparate gegen Allergien 

Was wird getan, um Hamsterkäufe in Apotheken zu stoppen?

Doch was macht die Branche, um das Problem zu bekämpfen? Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) verzeichnet derzeit fast 380 knappe Mittel – im November 2020 waren es noch 290. Allerdings gibt es rund 103.000 zugelassene Arzneimittel in Deutschland.

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Da es wegen der Pandemie Hamsterkäufe gab, hat das BfArM Pharma-Unternehmen sowie den Großhandel aufgefordert, Arzneien nicht über den normalen Bedarf hinaus etwa an Apotheken zu liefern. Das solle eine Schieflage im Markt vermeiden. Ob das hilft, wird sich zeigen.

Selbsttherapie gegen Corona umstritten

Auch wenn Selbsttherapien mit Schmerzmitteln gegen Corona umstritten sind und es widersprüchliche Ratschläge gab: Der Ansturm von Verbrauchern in Apotheken hält trotzdem seit Wochen an.

„Die Nachfrage nach Arzneien und die Unsicherheit der Menschen ist hoch“, berichtete jüngst der Branchenverband ABDA. Bei Erkältungs- und Schmerzmitteln gebe es viele Präparate verschiedener Hersteller und daher im Zweifel meist eine Alternative. Es gebe demnach keinen Grund, Arzneien zu hamstern.

Liefer-Engpässe bei Medikamenten: Billige Produktion in China ist Problem

Mit der Corona-Krise ist auch die Kritik an Liefer-Engpässen lauter geworden. Die gab es zwar auch schon – in abgeschwächter Form – in den Vorjahren, doch nun kommen Probleme deutlicher ans Tageslicht. Viele Wirkstoffe für Arzneien werden aus Kostengründen nämlich in China und Indien hergestellt – etwa für Antibiotika sowie einfache Nachahmer-Medikamente. Denn so billig wie in China lässt sich in Deutschland nicht produzieren!

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In Fernost konzentriert sich die Produktion auf wenige Firmen. Steht dort die Herstellung zeitweilig still oder kommt es wegen Verunreinigungen zu Arznei-Rückrufen, hakt es auch bei uns in der Lieferkette. Ein weiterer Aspekt: Die Preise von Wirkstoffen und die Logistik-Kosten seien „weltweit deutlich angestiegen“, so der Bundesverband der Arzneimittel-Hersteller (BAH). Deshalb wird der Ruf nach Produktionsstätten in Europa immer lauter. (dpa/dok)

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