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165 Schulen bereits dicht: Experten warnen: Es drohen flächendeckende Schulschließungen

Der Lockdown-Light hat begonnen – während einige Branchen ihre Türen wieder komplett schließen müssen, sollen Schulen und Kitas geöffnet bleiben. Experten befürchten allerdings, dass auch flächendeckende Schulschließungen nicht mehr lange auf sich warten lassen. Schon jetzt sind bundesweit mindestens 165 Schulen coronabedingt geschlossen. 

Die Entscheidung, die Schulen während des Teillockdowns im November offen zu lassen, hatten Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten unter anderem damit begründet, dass man die Familien nicht wieder unter Stress setzen wolle, für die Betreuung der Kinder zu sorgen, so der „Spiegel“.

Bundesfamilienministerin hält an Öffnung der Schulen fest

Experten, wie auch der Deutsche Lehrerverband (DL), bemängeln allerdings schon länger die Versäumnisse zur Sicherheit von Schülern und Lehrern an deutschen Schulen. Der DL schlug bereits vor einigen Tagen Alarm: Wenn die Politik das Corona-Thema nicht angehe, drohen flächendeckende Schließungen.

Im Gegensatz dazu hält Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) daran fest, im Kampf gegen die Corona-Pandemie Schulen und Kitas so lange wie irgend möglich offen zu halten. „Die Schließungen von Kitas und Schulen sind nicht das erste Mittel. Sondern die sind das letzte Mittel, wenn es um Einschränkungen geht“, sagte Giffey am Sonntagabend in der ARD-Sendung „Bericht aus Berlin“. Bevor die Einrichtungen für kindliche Bildung geschlossen würden, seien „alle anderen Dinge dran“.

Corona-Pandemie: 165 Schulen in Deutschland bereits geschlossen

Doch bereits jetzt sind 165 Schulen aus Infektionsschutzgründen geschlossen – 135 davon allein in Bayern, wie eine Umfrage der „Welt am Sonntag“ ergab. In Hessen findet an sechs Schulen kein Präsenzunterricht statt, in Mecklenburg-Vorpommern sind vier Schulen betroffen, in Schleswig-Holstein zwei. Baden-Württemberg kam zum letzten Stichtag vor den Ferien auf 15 geschlossene Schulen. Jeweils eine Schule ist dem Bericht zufolge in Rheinland-Pfalz, Sachsen und Brandenburg geschlossen.

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In einigen Bundesländern kam es immerhin nicht zu kompletten Schließungen der Schulen, oftmals waren nur einzelne Schüler oder Klassen in Quarantäne. Wie Schüler insgesamt zu Hause bleiben müssen, bleibt allerdings unklar. Bayern meldete beispielsweise mehr als 500.000 Schüler in Quarantäne, in Nordrhein-Westfalen sollen es mehr als 13.500 sein, wie der „Spiegel“ berichtet. Niedersachsen meldete an 52 Schulen eingeschränkten Unterricht. An den meisten der rund 3000 Schulen im Land gab es aber keine Corona-Infektionen. 

Corona: Lehrer fordern Stadtteilzentren als Unterrichtsräume 

In einer Mitteilung fordern die Lehrer jetzt langfristige Lösungen. Neben Lüftungsanlagen setzt sich der Deutsche Lehrerverband auch für unkonventionelle Lösungen ein.

„Statt mantrahaft alles schön zu reden, müssen gemeinsam schnell umsetzbare Lösungen herbeigeführt werden: So könnten beispielsweise leerstehende Veranstaltungs-Locations oder Stadtteilzentren als zusätzliche Unterrichtsräume angemietet werden, um Schulklassen zu teilen und so das Gesundheitsrisiko für Lehrkräfte wie Schülerinnen und Schüler zu minimieren“, so Joachim Maiß, Vorsitzender des Bundesverbandes für Lehrkräfte für Berufsbildung in einer Mitteilung.

Corona: Ansteckungsrisiko bei Kindern weiterhin unklar

Das Ansteckungsrisiko bei Kindern bleibt weiter eine offene Frage. Laut Experten würden Kinder eine Infektion in den meisten Fällen sehr gut überstehen. Unklar ist allerdings, in wieweit sie andere anstecken. Eine Untersuchung des Hemholtz-Zentrums München habe erst kürzlich gezeigt, dass sich in meiner in den vergangenen Monaten sechsmal mehr Kinder der unter 18-Jährigen infiziert hatten, als eigentlich angenommen. (sr)

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