Ein Flatterband der Polizei ist als Absperrung um mehrere Bäume in einem Waldstück bei Seevetal gewickelt.
  • Ein Flatterband der Polizei ist als Absperrung um mehrere Bäume in einem Waldstück bei Seevetal gewickelt.
  • Foto: picture alliance/dpa

Terror-Fund bei Hamburg: Doch kein Versteck der RAF? Polizei gibt neue Hinweise

Seevetal –

In einem Wald bei Hamburg haben Arbeiter am Freitag ein vermeintliches Erddepot der Linksterroristen der Roten Armee Fraktion (RAF) gefundenMehrere Hinweise deuten jetzt darauf hin, dass es sich bei dem ausgegrabenen Fass um Eigentum der Terrorgruppe Revolutionäre Zellen (RZ) handelt. Zunächst berichtete der „Spiegel“.

Es war ein sensationeller Fund: In einem abgelegenen Waldstück in den Harburger Bergen stießen Waldarbeiter zufällig auf ein altes Kunststoff-Fass gefüllt mit alten Chemikalien, Schriften und Anleitungen zum Bombenbau. Es war nur wenige Zentimeter unter der Erde vergraben. Das Niedersächsische Kriminalamt stellte nach erster Sichtung des Inhalts schnell einen Bezug zur RAF her, die Deutschland in den 1970ern und 1980ern mit Mord und Terroranschlägen terrorisierte.

Fund in Seevetal: Bezug zu Revolutionären Zellen möglich

Laut dem „Spiegel“ gehe die Polizei nach näherer Begutachtung in einem internen Vermerk davon aus, dass die gefundenen Schriften der Terrorgruppe RZ zuzuordnen sind. Darauf deutet auch ein Artikel aus der siebten Ausgabe der Zeitung „Revolutionärer Zorn“ von 1980 hin.

Die RZ waren, ähnlich wie die RAF, von den 1970ern bis in die 1990er in Deutschland aktiv. Im Gegensatz zur RAF waren die RZ in Kleingruppen ohne zentrale Führung organisiert. Ihre Mitglieder agierten nicht aus dem Untergrund, sondern gingen weiterhin normalen Berufen nach. Sie wurden deshalb auch als Feierabendterroristen bezeichnet. 

Bundesweite und internationale Attentate der RZ

Nach eigenen Aussagen lehnten sie die gezielte Tötung, wie die RAF sie durchführte, ab. Dafür waren die für Knieschussattentate bekannt. Das angebliche Ziel: Die Opfer schwer zu verletzen und so berufsunfähig zu machen. Das machte die RZ aber nicht weniger gefährlich: Wegen ihrer Struktur waren sie für Sicherheitsdienste und Beobachter schwer zu fassen.

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Mit ihrem Anschlag gegen den amerikanischen Konzern ITT in Westberlin am 16. November 1973 waren sie erstmals in Erscheinung getreten. Der Ableger „Rote Zora“, der nur aus weiblichen Mitgliedern bestand, verübte zwei Jahre später einen Anschlag auf das Bundesverfassungsgericht. Bis in die 1980er Jahre gab es gemeinsame Anschläge. Eine internationale Zelle war 1976 an der Entführung der Air-France Maschine von Athen nach Entebbe beteiligt. 

Ob es sich bei dem Fund tatsächlich um ein Depot der RZ handelt, sei seitens der Polizei noch nicht bestätigt. Weitere Schriften und DNA-Proben müssen noch analysiert werden. (lmr)

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