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Stadt im Norden: Das ist Deutschlands heimlicher Corona-Hotspot

Nahezu unbemerkt hat Bremen sich zu einem Brennpunkt der Corona-Pandemie entwickelt. Bis in den September hinein war das kleinste Bundesland eher weniger betroffen, seit Ende Oktober weist es die höchste Infektionsrate aller Länder auf.

186,1 bestätigte Neuinfektionen auf 100 000 Einwohner in sieben Tagen berechnete das Robert Koch-Institut am Mittwoch für Bremen – vor den anderen Stadtstaaten Berlin (175,7) und Hamburg (112,8), aber auch vor Hessen, Bayern und Nordrhein-Westfalen als den am heftigsten betroffenen Flächenländern.

Dabei sinken die Zahlen schon wieder leicht. Die höchste Inzidenz im Bundesland Bremen mit 225,6 Fällen wurde am 7. November verzeichnet. Auch drückt die günstigere Entwicklung in Bremerhaven den Messwert. Für sich genommen zählt die Stadt Bremen (570 000 Menschen) mit Duisburg, Frankfurt und Berlin zu den meistbelasteten großen Städten.

Bremen: Mal wieder auf dem letzten Platz

In die Stadtpolitik kommt deshalb Unruhe. „Wir liegen fast doppelt so hoch wie der Durchschnitt und deutlich über den anderen Stadtstaaten”, kritisierte Thomas Röwekamp, Fraktionschef der oppositionellen CDU. „Damit belegt Bremen mal wieder den letzten Platz.” Er sieht die Verantwortung bei der rot-grün-roten Regierung. Letzte Plätze – das ist immer das Trauma des hoch verschuldeten Bundeslandes mit der höchsten Arbeitslosigkeit bundesweit.

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In der Stadt Bremen seien die Infektionen ungleich verteilt, hat das Gesundheitsressort mitgeteilt. Am stärksten betroffen sind das Hochhausviertel Tenever und das alte Hafen- und Industrieviertel Gröpelingen. „Hohe Inzidenzwerte finden sich tendenziell in Stadtteilen, die von beengten Wohnverhältnissen, niedrigen Einkommen und hohem Migrationsanteil gekennzeichnet sind”, sagte Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linkspartei).

Corona hat sich in Bremen angeschlichen

Die zweite Welle der Pandemie hat sich in Bremen angeschlichen. Es gab keine einzelnen großen Auslöser. Es sei eine „diffuse Verteilung der Infektionen”, sagt Senatorin Bernhard. Bei den Gegenmaßnahmen ist das Land im Strom der anderen Bundesländer mitgeschwommen.

Aber die Bremer haben eben auch den sonnigen Herbst in den Biergärten an der Weser genossen. Es gab einen „lockeren Umgang mit Abstand und Masketragen”, sagte der Bremer Epidemiologe Hajo Zeeb sagte. Er verweist auch auf die Wirtschaftsstruktur der Hansestadt, die viele Kontakte mit sich bringe – die Häfen und das Frachtzentrum GVZ, die große Dienstleistungsbranche.

Auch die vielen Berufspendler zwischen Bremen und dem niedersächsischen Umland könnten ein Faktor sein, sagt der Professor am Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie (BIPS) in Bremen.

Armut beschleunigt Corona-Ausbreitung

Bremen sei kein Sonderfall, sondern leide wie andere große Städte unter der Pandemie, betonen Sprecher der Senatsressorts. Aber seit die Angaben zur ungleichen Virus-Verteilung bekannt geworden sind, wird stärker über Gegenmaßnahmen diskutiert.

Sportgeräte vor den Hochhäusern im Bremer Stadtteil Tenever sind abgesperrt.

Sportgeräte vor den Hochhäusern im Bremer Stadtteil Tenever sind abgesperrt. In Bremen treffen die gehäuften Corona-Infektionen vor allem ärmere Stadtteile.

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Die Belastung von Vierteln wie Tenever oder Gröpelingen sei „traurigerweise keine Überraschung”, sagt der Co-Vorsitzende der Bremer Linksfraktion, Nelson Janßen. Dort seien die Gesundheitskennziffern schon seit Jahren schlechter. Auslösender Faktor: Armut.

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Senatorin Bernhard will gerade dort die Information über die Seuche verstärken. Allerdings zeigen Rückmeldungen aus den Stadtteilen, dass es nicht unbedingt an Wissen fehlt, sondern an der Möglichkeit, dem Virus auszuweichen. „Viele Menschen hier arbeiten im Niedriglohnsektor, zum Beispiel an der Kasse oder im Lager, also in Bereichen, wo sie viel Kontakt haben und relativ wenig geschützt sind”, sagte Aykut Tasan, Quartiersmanager im Stadtteil Osterholz, dem „Weser-Kurier”.

Bremen: Nahverkehr soll ausgebaut werden

Der überfüllte Nahverkehr in der Hansestadt sollte mit zusätzlichen Bussen und Bahnen entzerrt werden, um das Ansteckungsrisiko zu verringern, sagt Linkenpolitiker Janßen. „Insbesondere Leute mit schmalem Geldbeutel sind auf den ÖPNV angewiesen.” Unternehmen sollten ihren Arbeitsbeginn zeitlich ebenfalls entzerren. Nötig seien auch mehr Kontrollen der Hygienemaßnahmen an Arbeitsplätzen.

Die Forderung nach einem verstärkten Nahverkehr erhebt auch die CDU. Nach Angaben einer Sprecherin will die Union außerdem, dass Polizei und Ordnungsamt mehr kontrollieren. Von der Innenbehörde von Senator Ulrich Mäurer (SPD) heißt es, die Kontrollen seien verstärkt worden. Bilanz am vergangenen Wochenende: 49 Einsätze, bei denen 431 mündliche Ermahnungen erteilt wurden und 410 Anzeigen ergingen.

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