Wattwagen auf dem Weg nach Neuwerk
Wattwagen auf dem Weg nach Neuwerk
  • Wattwagen auf dem Weg von Cuxhaven nach Neuwerk
  • Foto: picture alliance/dpa

Sorge um Neuwerk: Hamburgs Insel bald nicht mehr zu erreichen?

Cuxhaven/Neuwerk –

Hamburgs Insel Neuwerk  droht die dauerhafte Isolation vom Festland: Ein tiefer Priel, das sogenannte Duhner Loch, verhindert immer häufiger die Überfahrt per Trecker oder Kutsche nach Cuxhaven. Die Inselbewohner fürchten um ihre Lebensgrundlage. Wird der Priel nicht befestigt, muss die Insel aufgegeben werden.

„30-mal bin ich letztes Jahr nicht durchgekommen“, sagt Wattwagen-Unternehmer Kai Stelling aus Cuxhaven. Der Priel sei inzwischen „ein riesiges Problem“.

Cuxhaven – Insel Neuwerk: Priel bedroht Überfahrt 

Bei Niedrigwasser sollte er eigentlich passierbar sein. „Vor fünf, sechs Jahren konnten wir im Trab durchfahren“, erinnert sich Stelling. Inzwischen liege der niedrigste Wasserstand im Duhner Loch bei 80 Zentimeter. Bei 1,30 Meter sei kein Durchkommen mehr. Und das sei sehr oft der Fall.

Kai Stelling aus Neuwerk

Wattwagenfahrer Kai Stelling aus Cuxhaven mit einem seiner Kutschpferde.

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Neuwerk liegt zwar in Sichtweite von Cuxhaven, befindet sich aber im Nationalpark Hamburgisches Wattenmeer und gehört zum Hamburger Bezirk Mitte. Für die 29 Insulaner ist der Weg durchs Watt die Lebensader, jenseits der Saison sogar die einzige Verbindung mit dem Festland. Im Winter fahren sie per Trecker nach Sahlenburg, wie der Cuxhavener Ortsteil am Strand heißt. Lebensmittel, Medikamente, Baumaterial, Pakete mit Online-Bestellungen, alles wird in Sahlenburg auf Hänger geladen und auf die Insel gebracht.

Insel Neuwerk

Alles, was auf der Insel gebraucht wird, wird in Sahlenburg auf Hänger geladen.

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Lamprecht

Insel Neuwerk: Sorge im Wattenmeer

Die „Flipper“, das Ausflugsschiff zwischen Cuxhaven und Neuwerk, fährt nur in der Saison zwischen Ostern und Oktober.

95 Prozent der Insel-Versorgung laufen durchs Watt. Das Problem: „Ist der Priel zu tief, kommt es bei den Treckern auf Dauer zu massiven Schäden“, sagt Inselsprecher Christian Griebel (49) zur MOPO. Er kennt die Strecke seit seiner Kindheit. Alle paar Jahre muss der günstigste Weg neu gesucht werden, weil einige Priele versanden, andere tiefer werden.

Christian Griebel (49), Inselsprecher von Neuwerk

Christian Griebel (49), Inselsprecher von Neuwerk

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Neuwerk: Tagesgäste kommen durchs Watt

Die meisten der rund 100.000 Besucher, die sich das kleine Eiland mit dem uralten Wehrturm jedes Jahr ansehen, bleiben nur ein paar Stunden, kommen bei Ebbe zu Fuß oder per Kutsche durchs Watt und schippern bei Flut mit der „Flipper“ zurück. Oder umgekehrt – ein einmaliges Urlaubs-Highlight.

Insel Neuwerk

Die Idylle auf Neuwerk lockt jedes Jahr 100.000 Gäste an, die meisten bleiben nur ein paar Stunden.

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Priel droht Neuwerk vom Festland abzuschneiden

Wird der Priel unpassierbar, gehen auf der Insel die Lichter aus: „Ohne diese Strecke gibt es kein Überleben auf Neuwerk“, sagt Inselsprecher Griebel. Denn: Fallen die Tagesgäste weg, wird auch die „Flipper“ nicht mehr fahren: „Für 29 Bewohner und die Übernachtungsgäste von vier kleinen Hotels lohnt sich kein Schiffsverkehr“, so Griebel.

Wattwanderung nach Neuwerk

Highlight für Nordsee-Urlauber: Wattwanderung nach Neuwerk

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Das Duhner Loch macht seit langem Probleme. 2019 hatte der Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) mit Sand gefüllte so genannte Big Packs aus Jute als Barriere ausgebracht. „Der erhoffte Effekt hatte sich damals leider nicht eingestellt“, sagt ein Sprecher.

Die Hoffnung der Neuwerker

Jetzt hoffen die Insulaner auf eine Befestigung des Prielbodens:„Schlick raus, Kies rein und eine Schicht Sand darüber“, sagt Christian Griebel, „das wäre ein minimalinvasiver Eingriff.“

Die „Flipper“ verbindet in der Saison Cuxhaven und Neuwerk.

Die „Flipper“ verbindet in der Saison Cuxhaven und Neuwerk.

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Unterstützung kommt von der Hamburger Umweltbehörde: „Unsere Behördenleitung versucht die niedersächsische Landesregierung davon zu überzeugen, dass hier dringend etwas getan werden muss, um den Wattweg so schnell wie möglich zu stabilisieren,“ sagt Behördensprecher Björn Marzahn zur MOPO.

Insel Neuwerk

Hamburgs Insel Neuwerk: Der Weg durchs Watt wird immer schwieriger.

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Lamprecht

Und was sagt Niedersachsen? „Laut unseren Experten ist die von den Neuwerkern favorisierte Lösung mit Kies nicht ideal“, erklärt Christian Budde, Sprecher des niedersächsischen Umweltministeriums, auf MOPO-Nachfrage. Die Anbindung Neuwerks werde aber sichergestellt: „Ohne wenn und aber“, verspricht Budde: „Es gibt keine Lösung, die für immer hält, das weiß jeder. Das ist eine Daueraufgabe, da sehen wir uns als Land in der Verpflichtung.“

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