Die Bräutigamseiche im Dodauer Forst.
  • Die „Bräutigamseiche“ im Dodauer Forst.
  • Foto: picture alliance/dpa/Marcus Brandt

Seit 100 Jahren Kontaktbörse: Der Tinder-Baum im Norden

Kontaktbörse im Baum: Im Stamm der „Bräutigamseiche“ trudeln jährlich Briefe aus alles Welt ein. Mittlerweile sind mehr als 500 Ehen dem Astloch zu verdanken – auch die eines Postzustellers.

Wie haben sich eigentlich Paare kennengelernt, als es noch keine Dating-Apps gab? Eine der Antworten auf diese Frage steht im Dodauer Forst bei Eutin in Schleswig-Holstein. Seit rund 100 Jahren dient ein Astloch im hohlen Stamm der „Bräutigamseiche“ als Kontaktbörse für einsame Herzen aus aller Welt.

Postzustellerin Jule Engeldinger steht vor der „Bräutigamseiche“ im Dodauer Forst.
Postzustellerin Jule Engeldinger steht vor der „Bräutigamseiche“ im Dodauer Forst.

„Es kommen Briefe und Postkarten aus ganz Europa, aber auch aus den Vereinigten Staaten oder aus Japan“, sagt Postzustellerin Jule Engeldinger. Seit drei Jahren bringt die 54-Jährige die ankommenden Briefe zur Bräutigamseiche – zu jeder Jahreszeit und bei Wind und Wetter.

An der Eiche gilt kein Postgeheimnis

„Heute ist vergleichsweise wenig Post für die Eiche dabei, nur 20 Briefe“, sagt Engeldinger. Im Sommer seien es bis zu 40 am Tag. Die legt die Zustellerin in ein gelb umrandetes Astloch in etwa drei Metern Höhe.

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„Jeder kann einen Brief rausnehmen und lesen“, erläutert Engeldinger. „Bei Interesse darf er den Brief mitnehmen, ansonsten klebt er ihn wieder zu und legt ihn zurück.“

Seit rund 100 Jahren dient ein Astloch im hohlen Stamm der „Bräutigamseiche“ als Kontaktbörse für einsame Herzen aus aller Welt.
Seit rund 100 Jahren dient ein Astloch im hohlen Stamm der „Bräutigamseiche“ als Kontaktbörse für einsame Herzen aus aller Welt.

Angst, sich strafbar zu machen, müssen die Nutzer übrigens nicht haben. „An der Bräutigamseiche gilt das Postgeheimnis nicht“, beruhigt die Pressesprecherin der Deutschen Post DHL, Maike Wintjen.

Ihren weltweiten Ruhm verdankt die Eiche einer romantischen Liebesgeschichte aus dem Jahr 1890. Damals traf sich ein junges Paar ein Jahr lang heimlich an der Eiche, weil die Eltern gegen die Verbindung waren. Als die Väter schließlich doch zustimmten, gaben sich die Liebenden am 2. Juni 1891 unter der Eiche das Jawort.

Eiche hat bisher mehr als 500 Ehen gestiftet

Das Happy End sprach sich herum, und mehr und mehr Liebesbriefe landeten in der mehr als 500 Jahre alten Eiche. 1927 bekam die Eiche sogar eine eigene Postadresse. Sie lautet heute: Bräutigamseiche, Dodauer Forst, 23701 Eutin.

Insgesamt soll die Eiche nach Angaben der Deutschen Post mittlerweile mehr als 500 Ehen gestiftet haben – darunter auch die eines Postzustellers, der durch die Bräutigamseiche seine Frau fürs Leben fand. „Ich habe meinen Partner aber nicht durch die Bräutigamseiche kennengelernt“, sagt Engeldinger. (dpa/lehe)

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