• Das Ortsschild des Ortes Negernbötel im Landkreis Segeberg. 
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Streit im Norden : Muss sich Negernbötel umbenennen? Das sagt der Bürgermeister

Negernbötel ist eine beschauliche Gemeinde mit 1083 Einwohnern im Kreis Segeberg. Doch jetzt gibt es Streit: Die Grüne Jugend Segeberg fordert eine Umbenennung des Ortes, während Einwohner und der Bürgermeister auf dem Jahrhunderte alten Namen beharren. 

Der Bürgermeister von Negernbötel, Marco Timme, lehnt eine Umbenennung ab. „Wir haben wirklich andere Aufgaben, die Feuerwehr, ein Anbau bei der Kita. Der Ortsname kommt in der Liste da erst ganz, ganz, ganz weit hinten“, sagte er den „Lübecker Nachrichten“ (LN).

„Wir wissen um die Bedeutung. Das ploppt alle Jahre wieder hoch“, sagte Timme der Zeitung. „Bei uns lebt nicht ein einziger Rassist. Dazu fragt er sich: „Warum sollte man den Namen jetzt ändern, wenn das all die Jahre kein Thema war?“

Die „Bild“-Zeitung zitiert dazu Einwohner, die den Namen des Ortes behalten möchten. „Heutzutage wird alles infrage gestellt“, sagte etwa der ehemalige Bürgermeister Werner Kurpas. „Bei uns heißt es: Dat löpt sich zurecht – das läuft sich zurecht“, erklärt er. 

Grüne Jugend fordert Umbenennung von Negernbötel

Doch die Grüne Jugend Segeberg fordert eine Umbenennung. „Der Ortsname N***rnbötel enthält das sehr verletzende und rassistische N-Wort“, schrieben sie in einem Instagram-Post.

„Der Ortsname hat zwar keinen rassistischen Ursprung“, teilte die Grüne Jugend mit, fügte allerdings hinzu: „Wer heute den Namen liest, assoziiert den Ortsnamen mit dem rassistischen, Jahrhunderte zur Unterdrückung von Schwarzen Menschen genutzten, N-Wort“.

Aber was bedeutet überhaupt „Negernbötel“?

Urkundlich erstmals erwähnt wurde Negernbötel 1306. Laut Segebergs Stadthistoriker Hans-Werner Baurycza kommt der Ursprung des Ortsnamens aus dem Niederdeutschen. So bezeichnet man „als Botele (‚Bötel‘) eine Siedlung. ‚Negern‘ ist die Bezeichnung für eine ‚nähere‘ Siedlung. Im Gegensatz zur Ortschaft Fehrenbötel, die die ‚fernere‘ Siedlung zu Segeberg bezeichnet“, so der Stadthistoriker gegenüber den „LN“.

Doch für den Berliner Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch spielt die heutige Bedeutung des Namens eine wichtigere Rolle als seine Herkunft.

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„Das N-Wort ist extrem herabwürdigend, es ist in der deutschen Sprache eines der als am schlimmsten als diskriminierend empfundenen Wörter überhaupt“, sagte der Sprachwissenschaftler den „Lübecker Nachrichten“ und fügte hinzu: „Man sollte Debatten über den Ortsnamen nicht gleich abblocken. Ortsnamen sind nicht heilig, wenn eine Gesellschaft und ihre Werte sich ändern.“

Seit dem Mord an dem Afroamerikaner George Floyd in den USA und den Protesten der „Black Lives Matter“-Bewegung wird vermehrt diskutiert, ob Orte und Straßen umbenannt werden sollen, wenn sie an Kolonialisten erinnern oder die Namen rassistisch sind. (am)

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